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Die Tochter meines besten Freundes

Das Leben nach "House"

Die Tochter meines besten Freundes Kritik

0 Kommentar(e) - Fr, 07.12.2012 von FBW - Hierbei handelt es sich um die » Die Tochter meines besten Freundes « Filmkritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW), die wir mit freundlicher Erlaubnis veröffentlichen.

Das war schon eine grandiose Rolle: Der ewig zynische, aber brillante Arzt, der mit seinen schonungslosen Sprüchen und Handlungen Freunde und Kollegen gleichermaßen gern vor den Kopf stieß. Doch irgendwann muss eben Schluss sein - auch mit Dr. House, der sich nach 177 Folgen Anfang Dezember auch vom deutschen Publikum verabschiedete. Und wie nun weiter, Mr. Hugh Laurie? Kann dem Briten gelingen, was nur wenigen Serienstars wirklich glückte? Der Schritt vom gefeierten Serienstar zum gefragten Leinwanddarsteller, den etwa Will Smith, George Clooney und Johnny Depp machten? Oder wird Hugh Laurie wie so viele vor ihm auf diese eine Rolle reduziert werden, die ihn international berühmt machte? Die Dramödie Die Tochter meines besten Freundes ist wohl zu sehr Independentfilm, um auf diese Frage eine klare Antwort geben zu können. Aber sie ist schon mal kein schlechter Anfang für einen neuen Karriereabschnitt.

Das Auffälligste an Hugh Lauries Charakter in Die Tochter meines besten Freundes ist seine Unauffälligkeit: David Walling ist kein Überflieger, kein Besserwisser, kein Strippenzieher, sondern ein durchschnittlicher, lang verheirateter, Eigenheim besitzender und Strickpullover tragender Mittfünfziger mit lichtem Haar und zwei erwachsenen Kindern. Weder David Wallings Wesen noch seine Körperhaltung oder Mimik erinnert in irgendeiner Weise an Dr. Gregory House. Kurz gesagt: Man kann diesem David Walling ohne Erwartungshaltung begegnen.

Und das ist wichtig - nicht nur für Hugh Lauries Emanzipation von seiner Paraderolle, sondern auch für die Geschichte, die Serienregisseur Julian Farino (Entourage) nach dem Drehbuchdebüt von Ian Helfer und Jay Reiss inszenierte. Sie handelt von zwei Familien, den Wallings und den Ostroffs, deren Freundschaft scheinbar nichts erschüttern kann. Bis sich Walling-Familienoberhaupt David und Ostroff-Tochter Nina (Leighton Meester, Gossip Girl) ineinander verlieben. Notiz am Rande: 2006 flirtete Leighton Meester bereits in einer Dr. House-Folge mit Hugh Laurie - allerdings flogen die Funken damals deutlich heftiger.

Wie einfach wäre es bei einer solch pikanten Ausgangslage gewesen, einen Schuldigen zu benennen: Einen lüsternen Alten, der seine treusorgende Frau gegen eine Jüngere eintauscht. Eine zickige Ehefrau, die ihren Mann nicht zu schätzen weiß. Oder eine berechnende Lolita, die eine glückliche Ehe zerstört. Manche Trennungsgeschichten mögen sich tatsächlich so zusammenfassen lassen. Aber eben nur manche.

Farino und seine Drehbuchautoren wagen den aufrichtigen Versuch, die Situation ohne die moralischen Scheuklappen zu betrachten, die nicht nur in US-Produktionen viel zu schnell angelegt werden. Ob sie nun gerade näher auf Davids verlassene Ehefrau (Catherine Keener) eingehen, die ihr Leben neu ordnet, oder auf Ninas Vater (Oliver Platt), der seinem vormals besten Freund nicht mehr über den Weg traut: Um Neutralität wird sich immer bemüht - und das meist erfolgreich.

Humor kommt dabei trotzdem nicht zu kurz. Besonders die Tochter (Alia Shawkat) des neu Verbandelten spart nicht mit Sarkasmus, und hin und wieder schleicht sich sogar ein wenig Slapstick ein. Doch insgesamt ist der Ton, die ganze Argumentation des Films, sehr viel reifer, als der Trailer vermuten lässt. Sollte man auf das eigene Glück verzichten, um andere nicht vor den Kopf zu stoßen? Kann man jemandem einen Vorwurf machen, weil er sich verliebt? Muss eine Beziehung, für die man alles aufgegeben hat, ewig halten? Auf die Fragen, die der Film in gemächlichem Tempo aufwirft, gibt es weder richtige noch falsche Antworten - was Die Tochter meines besten Freundes für einen Vorweihnachtsfilm sehr sperrig macht.

Die Tochter meines besten Freundes bekommt 3,5 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Annekatrin Liebisch)

Die Tochter meines besten Freundes Bewertung
Bewertung des Films
710
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