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Nachtzug nach Lissabon

Prädikat: besonders wertvoll

Nachtzug nach Lissabon Kritik

0 Kommentar(e) - 08.02.2013 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Nachtzug nach Lissabon Bewertung: 4/5

Bern: Als der Lateinlehrer Raimund Gregorius eines Morgens eine junge Frau vor dem Selbstmord bewahrt, fällt ihm das Buch eines geheimnisvollen portugiesischen Autors in die Hände, zusammen mit einem Ticket für den Nachtzug nach Lissabon. Fasziniert von der Geschichte, den Ansichten und Gedanken des Verfassers, steigt er spontan in den Zug, um vor Ort nach Antworten auf seine Fragen zu suchen.

Bille Augusts Verfilmung des gleichnamigen Romans von Pascal Mercier ist eine spannende Reise in die jüngere Vergangenheit Portugals. Durch die Perspektive von Raimund Gregorius, den Jeremy Irons blendend aufgelegt verkörpert, kann der Zuschauer Puzzlestück für Puzzlestück zusammensetzen und erlebt eine packende Geschichte zu Zeiten der Portugiesischen Revolution. Irons zur Seite steht ein hervorragendes Ensemble mit hochrangigen internationalen Stars wie Christopher Lee, Bruno Ganz, Mélanie Laurent und Martina Gedeck, die alle in ihren Rollen zu überzeugen wissen. Nachtzug nach Lissabon nimmt sich viel Zeit für seine Figuren und deren komplexe Geschichte. Damit liefert der wunderschön fotografierte Film philosophische Denkansätze und übt gleichzeitig ganz nebenbei eine leise Kritik an der Routine eines immergleichen Alltags. Eine intellektuell anspruchsvolle und gleichzeitig spannende Literaturverfilmung!

Hier ist eine Literaturverfilmung gelungen, die nichts Papierenes an sich hat und doch vieles von den Worten und Ideen des Autoren Pascal Mercier in das andere Medium adaptiert. Der "Nachtzug nach Lissabon" ist eine Metapher für den befreienden Ausbruch des Lateinlehrers Raimund Gregorius, der am Anfang des Films eine junge Frau davor zurückhält, in Bern von einer Brücke zu springen. Bald verschwindet sie, lässt aber ihren roten Mantel und darin ein geheimnisvolles Buch zurück. Frau und Buch faszinieren den Helden so sehr, dass er sich spontan entschließt, ihren Spuren nach Lissabon zu folgen, und hier stößt er bei seinen Recherchen auf eine spannende und bewegende Geschichte aus dem diktatorisch regierten Portugal der 70er Jahre, die ihn zunehmend fesselt und schließlich sein Leben verändert.

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Buch und Film sind strukturiert wie eine Detektivgeschichte, in der Gregorius all jene Menschen aufsucht und befragt, die den Autoren des geheimnisvollen Buches, einen Arzt, Philosophen und Widerstandskämpfer, kannten. Jeweils mit ihren Erinnerungen springt der Film in die frühere Zeitebene und zeigt das damals geschehene Drama, in dem es um Politik, Humanität, Liebe, Eifersucht und Schuld geht. Bille August hat die beiden Ebenen geschickt miteinander verknüpft und setzt die Kontraste unter anderem mit unterschiedlichen Farb- und Lichtdramaturgien. Er arbeitet mit einem imposanten Ensemble, zu dem sowohl internationale Stars wie Charlotte Rampling, Lena Olin und Christopher Lee wie auch deutschsprachige Schauspieler wie Martina Gedeck, Bruno Ganz und August Diehl gehören. Eine der vielen Qualitäten des Films liegt in der sorgfältigen und inspirierten Besetzung, dank der alle Figuren durch ihre Darsteller eine bemerkenswerte Präsenz und Tiefe bekommen. Dies gilt besonders für den Hauptdarsteller Jeremy Irons, dem eine faszinierende Charakterstudie des melancholischen Grüblers Raimund Gregoruis gelungen ist. Weil er dessen "Erweckung" so intensiv spürbar werden lässt, überträgt sich auch seine Faszination für das Buch, die Geschichte und die Stadt Lissabon auf den Zuschauer. Und so kann es sich August sogar leisten, ihn immer wieder poetische und philosophische Passagen aus dem Buch vorlesen zu lassen, die sich bruchlos in die Dramaturgie einfügen. Dies ist ein sehr kultivierter, stimmungsvoller und intelligent gemachter Film.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Nachtzug nach Lissabon Bewertung
Bewertung des Films
810
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