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Alien - Covenant

Ridley Scott Bashing - die nächste Runde ... er macht es mir aber auch leicht ;-)

Alien - Covenant Kritik

0 Kommentar(e) - 26.10.2017 von MobyDick
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von MobyDick.
Filmkritik

Alien - Covenant Bewertung: 3.5/5

Was haben alte kreative Männer, die sich ihrer Sterblichkeit immer bewußter werden, in den meisten Fällen für ein Problem? Sowohl in der Fiktion als auch im realen Leben wollen sie etwas Großes hinterlassen, etwas wovor die Nachwelt in Ehrfurcht erstarren soll. Etwas, das eine Botschaft vermittelt und auch große Aussagen tätigt. Wenn der alte Mann dann auch noch einen kleinen Gottkomplex hat, was bei mächtigen alten Männern manchmal der Fall ist, dann möchte dieser auch noch die großen Themen der Schöpfung aus seiner Sicht für die Nachwelt abhandeln. Und damit sind wir bei Ridley Scott, der sein Lebenswerk mit seinen überlebensgroßen Ambitionen auf Teufel komm raus krönen möchte. dabei aber zumindest im Falle von Alien möglicherweise mehr Schaden anrichtet als ein Vermächtnis zu hinterlassen.

Trailer zu Alien - Covenant
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Das fing schon in der viralen Marketingkampagne für Prometheus auf, als er Blade Runner und Alien im selben Universum verortete, und den Schöpfern der Replikanten und der Androiden eine gemeinsame Geschichte andichtete. Selbst im Film Prometheus richtete sich sein Augenschein eher auf den Androiden David und die Schöpfungsgeschichte als auf die Monsterstory. Im Hintergrund konnte man damals schon erahnen, welche Ambitionen Scott verfolgt, zumal er ja nicht müde gewesen war, seine Vision kund zu tun. Irgendwie gelang es Scott dann auch noch Blade Runner für eine Fortsetzung in Position zu bringen, welches er dann in fähigere Hände legte, um sein vermeintliches Opus Magnum - die David Saga, die Reihe, welche alle größten Themen Scotts behandelt und beantwortet - zu vollenden. Und schließlich gelang es ihm, die Verantwortlichen bei Fox davon zu überzeugen, dass der geplante Aliens-Fortsetzer von Blomkamp eingestampft wird, damit Scott seine Vision umsetzen kann, und der Alien-Film da keinerlei störende Interferenzen aussendet. Im Nachhinein baute er dann noch ein paar Action-Sequenzen in seine Prometheus-Fortsetzuing ein, damit auch die beruhigt und bei Stange gehalten werden, die sich auf ein Actionmeisterwerk gefreut hatten. Aber im Grunde genommen kümmerte ihn das nicht die Bohne, was ihn interessiert, geht viel tiefer.

Ähnlich wie Guy Pearces Charakter ist auch Scott auf der Suche nach Antworten und erschafft ein Wesen, dass offenkundig einen freien Willen zu haben scheint, der aber von der ersten Sekunde seiner Schöpfung an einen Gottkomplex hat. Noch vor dem Vorspann wird ganz klar, wie dieser David tickt und was er vom Menschen an sich hält.

Also alles grundsolide Voraussetzungen für ein kleines Meisterwerk. Ohne groß jetzt auf die einzelnen Handlungselemente einzugehen, sondern kurz auf Kritikpunkte anderer Kritiken, nur um später die anderen - wahrscheinlich für Scott wichtigeren - Fragepunkte anzugehen: Die Handlung so anzugehen, dass man eine neue Crew auf diesen mysteriösen neuen Planeten schickt und erst spät Elisabeth Shaws und Davids Schicksal erfährt, ist ein aus der Filmmacherperspektive betrachtet, komplett richtiger Ansatz, denn wer möchte einen Psycho-Passengers (der Film mit Lawrence und Pratt) Verschnitt sehen, in welchem Noomi Rapace gefühlt 2 Stunden lang an der Nase herum geführt wird, nur um dann abgeschlachtet zu werden: Das möchte kein Zuschauer sehen. Zumal so ein Stilmittel sich in der Filmbranche mehr als bewährt hat, zum Beispiel beim zweiten teil des Original Planeten der Affen, wo es gefühlt bis zu den letzten 5 Minuten des Films dauert, ehe man Charlton Heston zu Gesicht bekommt. Und auch der Kritikpunkt, dass sich die Personen allesamt dumm verhalten, kann man nicht unbedingt gelten lassen, da sie einfach keinen Grund haben davon auszugehen, dass David sie hintergeht.

Soweit zum Guten, nun aber zum nicht ganz so guten sowie der Besprechung der Themen und davon gibt es freilich Einiges, wie so oft, wenn Scott sich an großen Themen versucht (und hierbei werde ich sowohl in einigen Details kleinkariert sein als auch eher im großen Ganzen schauen):

1. Die Geschichte, wie es mit Elisabeth Shaw und David weiterging, ist zwar konsequent und auch möglicherweise folgerichtig für die David Saga, aber auf der anderen Seite für jeden der Prometheus gut fand oder den Charakter von Rapace mochte, ein Schlag ins Gesicht, die Magengrube und in die Genitalien. So muss man nicht mit lieb gewonnenen Charakteren umgehen, oder man baut die Charaktere nicht so auf. Und wenn doch, dann hat man die Eier, da auch mehr zu zu zeigen. So ist dies nicht Fisch nicht Fleisch, und man bekommt mehr Hintergrgünde über die Werbekampagne mit als über den eigentlichen Film. Nicht schön!

2. Byron vs Shelley: Ganz ehrlich, das mag eine coole Diskussion mit interessanten Onelinern zur Folge haben, aber da hätten sich Scott und die Drehbuchautoren eine wirklich verwechselbare Literaturvorlage zur Brust nehmen können, zumal die Parallelen zu Shelleys Werk hier sehr deutlich sind. Nur weil beides Zeitgenossen des Gothic waren, muss man nicht einem Perfektionisten wie David so eine Verwechslung in den Mund legen. Das passt einfach nicht.

3. Davids vermeintlich freier Wille: Es ist von vornherein klar, aus welchem Grund David erschaffen wurde, und obwohl er seinen Schöpfer hintergeht, so forscht er immer noch in den Gefilden, wofür er erschaffen wurde. Das ist nicht wirklich ein freier Wille, das ist die Illusion dessen, das ist die Perversion der Programmierung durch implantierte Menschlichkeit, durch Charakterzüge, die ihm von seinem Schöpfer eingepflanzt wurden. Im Prinzip ist David immer noch ein Spiegelbild seines Schöpfers, möglicherweise sogar von diesem so gewollt, da dieser um seine eigene Sterblichkeit wusste?

4. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage nach dem eigenen Willen und der Frage nach Schöpfung und Menschlichkeit, ein immer stärker werdendes Motiv in Scotts Alterswerk, vor allem dadurch deutlich werdend dass er nahezu zeitgleich mit Blade Runner 2049 ein thematisch ähnlich gelagertes Werk produziert. Dass er für diese Fragestellung die Alien-Reihe pervertiert ist ein interessantes Vehikel, denn die Alien werden als perfekt von David angesehen, sind aber in gewisser Weise eine Perversion der Schöpfung: Die perfekte Schöpfung ist das perfekte Raubtier? Hierbei ist aber das größte Problem, dass er die Reihe und die Aliens entmystifiziert, nur um seine Thesen unters Volk zu bringen. Mich als jemand, der die ersten drei Alien Filme gut bis sehr gut findet, sie aber nicht unbedingt vergöttert, stört das recht wenig, kann mir aber vorstellen, dass mindestens der eine oder andere Die Hart Fan hier vor den Kopf gestossen wird.

5. Die Handlung und Inszenierung: Die Inszenierung ist sehr souverän und meines Erachtens auch runder als noch in Prometheus. Wenn man mal von der Alien-Story abrückt, und es als irgendwie philosophische Abhandlung über Schöpfung und Perversion ansieht, und die ganze Story als David-Epos betrachtet, dann ist das ganze auch wirklich gut und stimmig inszeniert. Allerdings, und dies ist eigentlich ein großes ABER, die Handlungsebene ist nicht wirklich neuartig oder revolutionär in seinen Gedanken. Da wird aus einem herrlich ambivalent undurchschaubaren David im ersten Teil ein bitterböser grotesker Schablonen-Bösewicht mit Gottkomplex und Größenwahn , der einfacher nicht gestrickt sein könnte. Und die Story vom bösen Original, der durch ein vermeintlich "gutes", weil gehorsameres, Modell ersetzt wurde, ist so alt wie die Geschichte der Schöpfung durch Menschenhand (ein aktuelles Beispiel, das sehr frappierned ähnlich ist in seiner Thematik Data und Lore in Star Trek Next Generation), genauso der "Twist" am Ende. Die Entscheidung, einen Großteil der Handlung auf dieser Burg spielen zu lassen, bremst die Handlung auch fast genauso aus, wie damals die Borg-Doppelfolge mit Lore und Data im zweiten Teil ausgebremst wurde. Auch muss ich leider konstatieren, dass die psycholgische Tiefe jener Folge selbst für damalige Zeiten nicht berauschend tief war und hier sogar noch unterboten wird. Außerdem finde ich, dass nicht das volle Potential der Schöpferrasse erkundet wurde, wie so vieles, was in Prometheus angeteasert wurde. Da macht es sich Scott einfach zu einfach, weil ihn etwas völlig anderes interessiert. Das ist ja auch alles interessant und spannend, keine Frage, aber was er vor Jahren versprochen hatte, ist nunmal was anderes. Hier geht es Scott aber womöglich darum, vor seinem unvermeidlichen Ableben irgendwann, sein Werk möglichst noch zu vollenden und sich nicht in, wenn auch sehr spannenden, Nebenschauplätzen zu verheddern.

6. Ganz ehrlich: Bei zweiter Sichtung, wenn man das alles halbwegs so akzeptiert, dann ist der Film durchaus eine Wonne zu schauen, dann ist der Ärger über die verpufften Versprechungen nicht mehr so hoch, dann ist der Ärger über nicht gedrehte Aliens-Fortsetzungen nicht mehr so schwerwiegend. Dann ist halbwegs alles wieder im Lot. Halbwegs!

7. Denn spannend ist der Film allemal und er bietet genügend Material für mindestens eine Fortsetzung, dann hoffentlich auch mit einem finalen Ende für unseren immer böser werden David, dann hoffentlich auch mit einem bösen Erwachen bzgl. dem vermeintlichen freien Willen, das ja ein genialer Twist wäre und Guy Pearce nochmal die Möglichkeit des Scheinens geben könnte.

Ich bin irgendwie hin- und hergerissen zwischen 3,5 und 4, gebe aber erst mal nur 3,5 Hüte, denn wenn es keinen Abschluss gibt, wonach es ja derzeit ein bißchen ausschaut, dann hat man nicht die ganze Story und dann kann man unmöglich eine gute Wertung abgeben.



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