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Blade Runner

Ein komplett überbewerteter, prätentiöser, hohler, eitler Haufen gequirlte.

Blade Runner Kritik

17 Kommentar(e) - 09.10.2017 von MobyDick
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von MobyDick.

Blade Runner Bewertung: 4/5

Eines vorneweg: Ich bin mir sehr wohl dessen bewußt, dass Blade Runner einer der einflußreichsten Sci-Fi-Filme aller Zeiten ist, der auch heute noch gerne überall weltweit zitiert, kopiert, gehuldigt wird, und den viele Zuschauer vergöttern wie einen heiligen Gral. Nicht umsonst hat man 35 Jahre nach Erscheinen und vermeintlichem Floppen einen sehr aufwändigen Fortsetzungsfilm auf uns losgelassen. Und als Filmfan jeglicher Klassiker habe ich es mehrmals versucht, den Film zu genießen. Aber ich muß sagen, dass es niemals in den 30 Jahren, die ich versuche, den Film für mich zugänglich zu machen, Klick gemacht hat. Und hier werde ich illustrieren, warum dem so ist. Wer danach immer noch behauptet, dass derjenige, der den Film nicht gut findet, entweder dumm oder ignorant ist (und davon gibt es so einige Fritzen heutzutage), der wird wohl für sich gesehen recht haben, ist ja schließlich alles subjektiv!

Erstmal zur Story:

Mittlerweile gibt es Androiden - sogenannte Replikanten - die den Menschen stark ähneln, ihnen lediglich körperlich überlegen sind und die sozusagen als moderne Sklaven ausgebeutet werden. Wenn sich welche von ihnen verflüchtigen, werden sie zum Abschuss freigegeben. Solche Auftragsmörder werden Blade Runner genannt. Nun bekommt ein solcher Blade Runner den Auftrag, 6 solcher geflüchteter Replikanten der besonders gefährlichen Sorte in Rente zu schicken.

Nun zur Handlung:

Die Story verläuft relativ geradlinig ganz im Stile eines Neo-Noir: Der Mann ist eine gebrochene Präsenz, der eigentlich keinen Bock auf den Job mehr hat, aber mit einem (MCGuffin-)Druckmittel dazu gebracht wird, doch seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Immer wieder wird er von einem mysteriösen Handlanger der Mächtigen begleitet, bei dem man nie genau weiß, ob er Freund oder doch Feind ist. Und natürlich darf eine Femme Fatale, die nicht das ist, was sie vorgibt zu sein, auch nicht fehlen. Auf der anderen Seite haben wir die nur auf den ersten Blick irrsinniges Zeug rezitierenden vermeintlichen Bösewichter, sowie einen all umfassenden übermächtigen Machthaber, der in einer riesigen Residenz alle Fäden in der Hand zu haben scheint. Und natürlich gelingt es unserem "Helden", einen der Bösewichter nach dem anderen zu erledigen bis zum finalen Showdown mit dem Hauptbösewicht. Und das sogar mit einer John Woo Gedächtnis-Taube für Superarme. Soweit so gut. Aber was Scott aus diesem eigentlich sehr geradlinigen Plot - nennen wir es mal - "zaubert", ist etwas, was es so niemals hätte geben dürfen. Wen er dafür in der horizontalen wohl beglückt haben dürfte, um solch einen Film zu drehen, möchte ich mir ehrlich gesagt nicht mal im Ansatz vorstellen - Kopfkino, buäh, aber egal, bei Blade Runner ist vieles Kopfkino.

Durchführung:

Von vorne bis hinten wird einem ein mulmiges, unruhiges Gefühl vermittelt, das niemals auch nur eine Sekunde nachlässt. Dieses beunruhigende ständige Gefühl, der Ohnmacht fast ausgeliefert zu sein, immer im Hintergrund eine Kakkafonie von Geräuschen, niemals Ruhe, ein Wirrwarr von visuellen, akkustischen und auch fast schon greifbar riechbaren Eindrücken gibt dem Film einen unfassbaren Sog, dass man dafür wirklich den Hut ziehen muss. Und ein rieisges Kompliment gebührt hier eindeutig Vangelis, der einen solch genialen Soundtrack erschafft, dass er sich regelrecht selbst in den Szenen darin suhlt, wo es überhaupt nicht passt und jegliche Stimmung zerstört (als Beispiel nenne ich mal die Klavierspielszene, wo angeblich superschön Klavier gespielt wird, aber man nur den orchestralen Quatsch von Vangelis vernimmt). Naja gut, sagen wir mal, das ist bewußt als Stilmittel so gewollt. Arbeiten wir uns also weiter am Film ab.

Das ganze bedeutungsschwangere Gesülze, was von allen so über den Klee gelobt wird: Jeder 11.-Klässler mit Sci-Fi-Affinität hat meines Erachtens schon mal solche Ideen gehabt und deutlich reifer zu Papier gebracht. Immer wieder spricht Scott einige Ideen an, nur um sie einfach nicht weiter zu spinnen. Auf der einen Seite ist das ganz reizvoll, aber auf der anderen Seite ist er dann auch nicht konsequent genug, seine Ideen komplett in den luftleeren Interpretations-Raum zu lassen. Nein, er muß Rutger Hauers Replikanten zu einen verlorenen Sohn, gefallenen Engel, tragischen Helden stilisieren, mitsamt der fliegenden Taube Symbolik.

Und um der ganzen sache die Krone aufzusetzen, setzt Scott mehr schlecht als Recht auch noch ein offenes Ende mit Interpretationsspielraum auf, der bei näherer Betrachtung auch nicht wirklich Sinn ergibt, sorry da hilft auch der unbedarft eingestreute Einhorn-Traum nichts.

Alles in allem ist Blade Runner ein grundsolider Neo-Noir mit philosophischen Einlagen, der ehrlich gesagt schlecht geschnitten ist (egal welche Fassung ich gesehen habe, ich habe gehört Final Cut soll da besser sein, aber die Taubenszene dort gefällt mir laut Informationen dazu weniger), der aber bei weitem nicht so stark ist, wie alle ihn machen. Ich würde ihn deutlich schlechter einwerten als beispielsweise Solaris, Stalker, 2001, ja sogar Southland Tales halte ich für gelungener.

Dennoch seine Athmosphäre ist packend, visuell ästhetisch ist er eine Hausnummer und nicht umsonst Inspiration für unzählige Werke, aber so sehr wie sich Scott auf die Intelligenz des Werkes einen runter holt, so infantil ist der Film irgendwie auch. Das fängt alleine schon damit an, dass der Held des Films eigentlich ein Mörder (Sklavenjäger) ist, dies wird nicht so ausreichend behandelt wie es könnte.

Ich könnte ewig weitermachen, aber das hebe ich mir für den Vergleich mit der Fortsetzung auf.

8 Punkte, also 4 Hüte hat er allemal, aber er ist bei weitem inhaltlich nicht das, für was er vielerorts gehalten wird.

Blade Runner Bewertung
Bewertung des Films
810
17 Kommentar(e) / Jetzt kommentieren

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17 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
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MobyDick
Moviejones-Fan
14.10.2017 | 14:37 Uhr14.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Snake und Geist:

Habe eine kleine Diskussion mit Sully bei meiner 2049 Kritik drüben, wo ich auch auf eure Kritikpunkte hier nochmal eingehe.

Werde demnächst auch eure Kritiken lesen und meinen Senf zu geben wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MobyDick
Moviejones-Fan
13.10.2017 | 11:30 Uhr13.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Vergleichskritik BR 2049 ist jetzt drin

Dünyayi Kurtaran Adam
Silencio
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 20:18 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Ich weiß nicht, der Scott ist als ziemlicher Perfektionist bekannt. Denkst du wirklich, er hätte keine Lust einen "Anruf" zu tätigen, wenn das seinen Film retten könnte? Der Mann ist Profi, der ist darauf angewiesen gute Filme zu drehen. Dem ein Scheitern wegen Faulheit zu unterstellen, halte ich für gewagt...

ZSSnake
Expendable
Geschlecht | 12.10.2017 | 18:26 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

@ MobyDick:

Ich denke den Status, dass er das letzte Wort bekommt bei seiner Wunsch-Schnittfassung hatte Scott nie so wirklich. Denn wie du richtig sagtest: er ist jemand der unregelmäßig Meisterwerke raushaut. Bei ihm ist nie sicher ob sein nächster Film einschlägt. Und ein Kassenmagnet wie Nolan oder Spielberg war er nie. Er hatte einige Hits, aber nie die ganz großen Kassenschlager. Und für solches Mitspracherecht reichen keine guten Reviews, dafür musst du dick Geld in die Kassen spülen.

Den Status hatte er eventuell nach Gladiator ne weile. Aber davor oder danach nicht wirklich denke ich.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
MobyDick
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 17:58 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Bei Blade Runner gebe ich dir recht. Hier habe ich das Gefühl, dass er anfangs Carte Blanche hatte und alles auf eine Karte gesetzt hat, später wurde er zurecht gestutzt. Aber vor allem bei Königreich der Himmel denke ich, dass er nach dem Erfolg von Gladiator durchaus den Goodwill des Studios gehabt hat, was er allerdings nicht richtig umsetzen konnte. Nicht umsonst mag ich seinen DC trotz der vielen Macken, die der Film hat, gerade weil er die richtige Message verbreitet. Aber bei allem was er seitdem im Blockbusterbereich anfässt wirkt auf mich so als hätte er keine Lust gehabt, einen Anruf zu tätigen.

Ich denke nämlich, dass es nach wie vor Regisseure gibt, die den Final Cut bekommen können, wenn sie darum kämpfen, und sei es nur für einen Film. Dazu gehört Nolan, dazu gehörte mal Spielberg (der sich allerdings selbst immer wieder selbst beschneidet), dazu dürfte Eastwood gehören, und dazu würde auch Scott gehören, wenn er sich trauen würde.

Dünyayi Kurtaran Adam
Silencio
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 17:45 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

@MobyDick:

Beim MacGuffin müssen wir uns einfach auf uneinig sein einigen. ;)

Aber gerade "Blade Runner" ist das Paradebeispiel dafür, dass Scott eben nicht den "pull" hat, den du ihm zusprichst. Die Produzenten zwangen ihm zB einen Voice Over auf, den er im Film nicht haben wollte (und den der Ford auch entsprechend unmotiviert eingesprochen hat). "Königreich der Himmel" ja wieder das gleiche Spiel, auch da hat man ihm eine vermeintlich kommerzieller Fassung aufgezwungen. Die Zeit der allmächtigen Regissseure, die Filme nach ihrer Vorstellung machen können, ist schon länger vorbei. Ansonsten würde er wahrscheinlich auch nicht seine Schöpfergeschichte rund um David an das "Alien"-Franchise binden, wo es eigentlich nichts zu suchen hat...

MobyDick
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 17:33 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2017 17:39 Uhr editiert.

Silencio:

Ich halte Scott für mächtig genug, dass wenn er darauf besteht, dass er seine gewünschte Fassung auch ins Kino bringen kann. Er ist ja auch mächtig genug Blomkamps Alien 5 zu unterbinden. Da er aber sowieso seine gewünschte Fassung später auf Scheibe rausbringt, ist es ihm einfach nicht wert, auch für eine akurate Kinofassung einzustehen. Ob man dafür jetzt doppelt zahlt oder nicht: Fakt ist, dass die Kinoeinnahmen nunmal wichtig sind, und wenn man weiterhin "gute" Filme von "guten" Filmemachern im Kino sehen will, "muss" man in den sauren Apfel beissen, und sich die schlechtere Fassung auch im Kino ansehen. Dazu zählt für mich nunmal Scott, weil er ganz klar was drauf hat. (Dazu zählt für mich auch Zack Snyder, bei dem es allerdings etwas anders bestellt ist, warum seine DC nie ins Kino kommen, aber andere Story). Wahrscheinlich hat er aus seiner Perspektive einfach irgendwo auch recht, aber für mich als Konsumnenten ist das nunmal ärgerlich.

MacGuffin (manoman, man kann sich wirklich an Kleinigkeiten aufhängen - fast bereue ich es zu Blade Runner eine Kritik verfasst zu haben - das gilt jetzt nicht explizit gegenüber Silencio, sondern allgemein):

Laut deutschem Wikipediaeintrag magst du auf den ersten Blick recht haben: Per Definition ist aber immer noch der Inhalt der Drohung (wenn schon nicht die Drohung selbst) in diesem Fall der MacGuffin, denn wir erfahren nicht, worum es in der Drohung geht, aber sie setzt die Handlung in Gang.

Laut englischem Wikipedia-Eintrag jedoch sieht die Sache etwas noch weiter gefasst aus: "In fiction, a MacGuffin (sometimes McGuffin or maguffin) is a plot device in the form of some goal, desired object, or other motivator that the protagonist pursues, often with little or no narrative explanation." -> und hier fällt die Rolle des "other motivator" eindeutig der Drohung zu!

Wie ich also weiter unten schon schrieb: Auslegungssache, und jeder der hier mitliest weiss eigentlich, was ich meine :-)

(Übrigens halte ich die Bundeslade übrigens für kein MacGuffin, weil ja am Ende geklärt wird, was es damit auf sich hat, aber auch das dürfte Auslegungssache sein)

Dünyayi Kurtaran Adam
Silencio
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 17:10 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

@MobyDick:

"läßt sich immer wieder von den Studios seine Filme für das Kino zerstückeln, nur um dann Monate später einen Directors Cut raus zu bringen, so dass man als Konsument gezwungen ist, doppelt zu zahlen."

Scott vorzuhalten, dass die Studios seine Filme auseinanderpflücken, halte ich doch für einen verqueren Ansatz. Immerhin kann er sich dagegen nur schwer wehren, das letzte Wort hat nunmal das Studio, nicht der Regisseur. Gezwungen wirst du als Konsument übrigens auch zu rein gar nichts. Du musst Scotts Filme nicht sehen, du kannst auf den DC warten oder halt nur die Kinofassung schauen, das steht alles in deinem Ermessen. Der "Blade Runner"-DC erschien übrigens erst Jahre nach der Kinofassung, bei "Alien" lief es auch nicht anders (wo Scott den DC nur anfertigte, damit kein anderer mit wiederentdecktem Material hantiert...).

Eine Drohung ist übrigens kein MacGuffin. Ein MacGuffin ist per Definition eine Sache oder eine Person. Einer der berühmtesten MacGuffins dürfte wohl die Bundeslade aus "Jäger des verlorenen Schatzes" sein.

MrNoname
BOT Gott
Geschlecht | 12.10.2017 | 16:25 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 12.10.2017 16:25 Uhr editiert.

"Bei Deiner Kritik finde ich die vulgären Kommentare zu Scott leider sehr schade und unpassend."

Dachte ich mir auch.

Aussagen wie ", aber so sehr wie sich Scott auf die Intelligenz des Werkes einen runter holt" gehören mM nach in keine Filmrezension. Zumal Deine Aussage nicht bewiesen ist :p ;)

MobyDick
Moviejones-Fan
12.10.2017 | 16:10 Uhr12.10.2017 | Kontakt
Jonesi

Markus76:

Danke für dein Feedback, und in der Tat, ich sehe den Film wirklich auch als gut und diskussionswürdig an, wie man glaube ich mittlerweile unschwer erkennen kann. Allerdings gibt es für mich halt ein paar doch bessere Alternativen...

@Vulgaritätstopic ggü. Scott:

Komisch dass ich jetzt wiederholt darauf angesprochen werde (eigentlich von allen Lesern außer Luhp). Mag sein, dass es tatsächlich so wirkt, als hätte ich was gegen Scott - ohne dass ich dafür einen Grund haben sollte. Daher sehe ich mich jetzt tatsächlich genötigt einen Disclaimer zu verfassen: Ich habe überhaupt nichts gegen Ridley Scott, der Mann beweist seit 40 Jahren, dass er es einfach drauf hat und in (für mich) unregelmäßigen Abständen produziert er wirklich meisterhafte Filme, die den Test der Zeit einfach mal locker überstehen können. Dazu zählen unter anderem Alien, Blade Runner (ja wirklich), Thelma und Louise, Gladiator und Königreich der Himmel DC, nur um einige zu nennen. ABER, und das ist ein großes ABER, er fokussiert sich manchmal (für mich zu oft) auf die Ästhetik seiner Inszenierung, läßt sich immer wieder von den Studios seine Filme für das Kino zerstückeln, nur um dann Monate später einen Directors Cut raus zu bringen, so dass man als Konsument gezwungen ist, doppelt zu zahlen. Und seine Geschichtenerzählung empfinde ich bei fast jedem seiner Filme als fahrig und unfokussiert, und bei den wenigsten seiner Filme gelingt es ihm, den minutiös aufgebauten finalen Showdown auch so bombastisch zu gestalten, wie es eigentlich sein könnte (beispielsweise das Duell Crowe vs Washington in American Gangster verpufft für mich ziemlich unspektakulär). Auch ist er immer darauf erpicht, dem Zuschauer großartige und erwachsene Inszenierungen vorzusetzen, fast so als müsse er uns zeigen wie viel klüger er ist, dabei aber nur seine eigene Sperrigkeit vor Augen führt (Counselor). Manchmal sind solche seiner Werke in der Tat seiner Zeit voraus (Blade Runner), aber sehr häufig sprechen sie mich einfach nicht so an, weil er mit seiner kühlen Ästhetik und nicht gut ausgeführten Geschichtenerzählung (weil er zu viel offen läßt) einfach kein Gefühl des Mitgenommenwerdens auslöst - etwas was man von einem Blockbuster für gewöhnlich erwartet. Hinzu kommt immer aber auch das Gefühl, dass irgendwo in der Materie, die er verfilmt, was wirklich gutes drin versteckt ist, welches durch Scotts Nachlässigkeiten, seine Bereitschaft sich den Produzentenwünschen unterzuordnen, und seinem Stil vieles einfach nur anzudeuten, leider nie das volle Potential dessen erreicht, was möglich gewesen wäre. Und manchmal (vor allem neuerdings) verhaspelt er sich plötzlich in zu viel erklären (als Beispiel muss ich hier diesen Moses Film nennen, wo die ganze Zeit über Ambivalent angedeutet wird, dass Moses vielleicht nur einem Hirngespinst hinter her jagt, nur um am Ende doch die "Message" unters Volk zu bringen). Was mich zum nächsten Kritikpunkt bringt: Obwohl Scott zweifelsohne ein schlauer Mann ist, läßt er sich immer wieder für Hochglanz-Propaganda-Vehikel anheuern, die mal von ihrer Message okay (Black Hawk Down) bis fragwürdig (GI Jane) reichen.

Vielleicht wird es nicht deutlich, aber ich erwarte von Scott eigentlich immer mehr als das was er liefert, weil ich sehe, dass er mehr kann, aber in meinen Augen entweder zu lazy ist, sein Ding gegen die Produzenten durchzusetzen, oder einfach mal eine Auftragsarbeit hinlegt, wo er zwar seine ästhetischen Bilder darbietet, aber den fragwürdigen Inhalt einfach so mal übernimmt, obwohl er es besser weiß.Hinzu kommt, dass er in letzter Zeit auch gerne bereit ist, seine ganzen großartigen Konzepte, die er für lang geplante Reihenumsetzungen einfach mal über Bord wirft, weil er der Meinung ist, dass es beim Publikum anders besser ankommen würde, obwohl er eigentlich wissen müßte, dass FOX ihm wg. seiner Historie und seinem Ruf durchaus mehr Freiheiten einräumen dürfte. Unabhängig davon sehe ich jeden seiner Filme meistens recht zeitnah, gerade weil er handwerklich so gut ist.

Und jetzt wieder zurück zu Blade Runner in dieser Einschätzung: Tatsächlich halte ich Blade Runner für einen seiner ganz wenigen Versuche sein Ding durchzuziehen, und hier hat er einfach zu stark über das Ziel hinaus geschossen, dass der Film einfach auf inhaltlicher Ebene darunter leidet. Ich habe auch überhaupt kein Problem mit der Theorie dass Decker ein Replikant ist, aber die Umsetzung im Film finde ich persönlich sehr forciert.

Die Frage ist wahrscheinlich, ob ich in so einem Ton in einer Kritik schreiben muss? Wahrscheinlich nicht, aber zum einen sollte es mir auch Spass machen, eine Kritik zu schreiben, also baue ich meistens irgendwelche dummen Sprüche in meine Kritiken ein. Und zum anderen möchte ich ja eine Kritik für sich alleine stehen lassen, ohne jetzt Ridley Scott und sein Werk so ewig zu analysieren wie eben passiert. Das kann wohl in der Tat manchmal so wirken als hätte ich was gegen die jeweiligen Filmemacher.

Aber dem ist nicht so - ich warte bis heute beispielsweise auf eine adäquate Umsetzung einer Fortsetzung von Prometheus, denn das was Scott damals andeutete und versprach war deutlich intelligenter und interessanter als das was geliefert wurde. Und das ist leider sehr häufig bei dem Mann der Fall. Er kann mehr .

Dünyayi Kurtaran Adam

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