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Die Hände meiner Mutter

Prädikat: besonders wertvoll

Die Hände meiner Mutter Kritik

0 Kommentar(e) - 18.08.2016 von FBW - Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).

Die Hände meiner Mutter Bewertung: 4/5

Markus ist Ende dreißig, glücklich verheiratet, ein geregelter Job, ein gesunder Sohn. Nur das Verhältnis zu seinen Eltern und Geschwistern ist distanziert, man sieht und besucht sich kaum. Warum das so ist, weiß Markus selbst nicht so genau. Als dann aber sein Sohn auf einer Geburtstagsfeier nach einem Toilettenbesuch mit seiner Oma eine kleine Wunde an der Stirn hat, ist es plötzlich, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Denn auf einmal erinnert sich Markus. An seine Kindheit. An die nächtlichen Besuche seiner Mutter in seinem Zimmer. Und an das, was seine Mutter dort mit ihm tat. Als Kind hat er das nicht verstanden. Er hat sich nur geschämt und gewusst, dass es falsch ist. Und er hat es verdrängt. Nun, als Erwachsener, muss er sich der Vergangenheit stellen. Markus Frau Monika will ihm helfen, doch weiß nicht wie. Markus Eltern wiederum wollen "von früher" nichts wissen. Sie verdrängen weiterhin und halten so eine Mauer des Schweigens aufrecht, die sich durch die gesamte Familie zieht.

Mit Die Hände meiner Mutter beendet Regisseur und Autor Florian Eichinger seine Filmtrilogie zum Thema Gewalt in der Familie und überzeugt auf allen Ebenen, sowohl formal als auch emotional. Um dem Zuschauer die schockierenden Details des Missbrauchs durch die Mutter zu vermitteln, ohne ihn zu überfordern, wählt Eichinger dabei ein besonderes Stilmittel: Er lässt Markus die Szenen der Erinnerung als sein erwachsenes Ich durchleben.

Andreas Döhler leistet hier Großes. Im Hier und Jetzt spielt er gebrochen, verzweifelt, doch mit erwachsener Reife. Doch wenn er in seine Erinnerungen zurückkehrt, dann wandelt sich auch sein Spiel. Naiv wird es, jung, verängstigt, unschuldig. Döhler offenbart in seinem Spiel eine kindliche Seele - und genau dieses Spiel macht dem Zuschauer das Entsetzliche der Tat bewusst. Auch Jessica Schwarz als Monika, Heiko Pinkowski als Gerhard und Katrin Pollitt als Markus' Mutter überzeugen in jeder Minute.

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Der Film urteilt niemals lapidar über die Mutter als Täterin und den Vater als Mitwisser, sondern zeigt, wie schwierig es ist, mit einem solchen Thema umzugehen. Für den Film sind alle Mitglieder der Familie Opfer der Tat, der Umstände, ihres Wesens. Die Dramaturgie des Films ist klar, die Erinnerungen bauen sich organisch in die Handlung ein, die Dialoge sind gestochen scharf, viele Szenen leben jedoch auch von stummen Blickwechseln, von inneren Kämpfen, die ohne Worte auskommen. Die Gespräche mit Therapeuten und der undramatische Umgang mit der Problematik schaffen Authentizität, lassen dabei aber nie die Emotionen auf der Strecke.

Ein Lob trifft auch die Auswahl und das Spiel der verschiedenen Therapeuten und Eheberater und die damit verbundene Ausstattung der Praxen – das Resultat einer perfekten Recherche! Eine sehr gute Kamera und die Arbeit der Montage gehören zu den weiteren handwerklichen Pluspunkten eines unter die Haut gehenden, in allen Belangen gelungenen und eminent wichtigen Filmwerkes.

Die Hände meiner Mutter ist eine überzeugende, beeindruckende und tief bewegende Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema. Ein wichtiger, kluger und reflektierter Film, der Mut machen kann, über solch ein Thema zu reden. Denn das Schlimmste, was man tun kann, ist schweigen.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Die Hände meiner Mutter Bewertung
Bewertung des Films
810
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