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Ein Mann namens Ove

Eine Geschichte über Menschlichkeit und Freundschaft

Ein Mann namens Ove Kritik

6 Kommentar(e) - 09.11.2017 von MrBond
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von MrBond.

Ein Mann namens Ove Bewertung: 4/5

Wer kennt ihn nicht? Den griesgrämigen, alten Sack, der ausgerechnet im Haus nebenan wohnt… ich hatte zu Kindertagen einen Nachbarn, der jenem Ove erschreckend ähnelte. Er war dieser typische alte Kauz, der uns Kinder "terrorisierte", herüber brüllte, wir sollten endlich leise sein. Unsere Definition von "Gartenpflege" war ein wildwüchsiger Dorn, der durch die akkurat geschnittene Hecke, quer über den englischen Rasen hinweg im Auge jenes Nachbarn kratzte. Beizeiten flog ein Steinchen über selbige Hecke und platschte in unser Tümpelchen, mit dem Ziel eines der darin lebenden, laut quakenden Frösche zu massakrieren. Auch unsere Katze, die sich ihm auf wundersame Weise hingezogen fühlte, wusste mit seiner Antipathie wenig anzufangen und glaubte wohl, er mache all die Zisch- und Pfeifgeräusche nur, um sie anzulocken.

Trailer zu Ein Mann namens Ove
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Lange Rede kurzer Sinn, als ich kürzlich Ein Mann namens Ove sah, kamen mir all die Erinnerungen an meine Kindheit wieder hoch. Ove ist genau diese Person, der man als Nachbarn wünscht, vom Blitz erschlagen zu werden. Er liebt die Siedlung, in der er lebt. Warum? Weil es ein kleines abgekapseltes Reich ist, in dem es für alles und jeden Regeln gibt. Ein Schilderwald am Rande der Siedlung weist darauf hin, was alles verboten ist. Autos: Verboten. Fahrrad abstellen: Verboten. Freilaufende Hunde: Verboten. Das geht bis zu solch abstrusen Regeln, wie jene, dass jeder im Besitz einer Leiter sein muss. Für einen pedantischen, notorischen Querulanten ein wahres Paradies.

Dieses idyllische, regelkonforme Leben gerät für Ove aus den Fugen, als sein Nachbar – ehemaliger Mitstreiter und dennoch Kontrahent – erkrankt und an den Rollstuhl gefesselt wird, pflegebedürftig und unfähig weiterhin als "Oberhaupt" der Siedlung zu agieren. Das geregelte Machtverhältnis droht gänzlich zu kippen, da Ove zu allem Überfluss durch Beamte der Stadt und neue Nachbarn, die von Ordnung keine Ahnung zu haben scheinen, das ordentliche Leben zur Qual gemacht wird.

All dieser geballte Ärger erleichtert letztlich Oves Entscheidung, sich nach dem Tod seiner geliebten Frau, selbst das Leben zunehmen (zumindest versucht er es) – selbstverständlich nicht, ohne vorher seinen Telefonanschluss pflichtbewusst gekündigt zu haben.

Die Rahmenhandlung von Ein Mann namens Ove ist grundsätzlich ziemlich simpel. Was jedoch ist der Grund, dass dieser Film so gut funktioniert? Warum mag ich Ove, obwohl ich seine Charakterzüge verabscheue? Wieso gewinnt er meine Sympathie und mein Mitgefühl? Der Grund liegt in der Art und Weise, wie der Film Oves Geschichte erzählt.

Er nimmt sich Zeit – lang genug um Oves Leben zu beleuchten und dennoch kurz genug, um nicht langweilig zu werden. Die Geschichte der Gegenwart, in der Ove seine neue hochschwangere Nachbarin kennenlernt, die sich von seinen Allüren und seinem emotionalen Schutzschild nicht einschüchtern lässt und durch ihre unorthodoxe, liebenswerte und teilweise tollpatschige Art, sein Herz erobert.

Zwischendurch wird Oves Charakterzeichnung durch Rückblenden in die Kindheit, seine Jugend und die Zeit als junger Erwachsener weiter entwickelt. Man lernt die Beziehung zu seinem Vater kennen, und wie er seine Frau kennenlernt. Nach und nach erfährt man, welche Ereignisse und Schicksalsschläge ihn zu dem machten, der er "heute" ist.

Gespickt wird die Story durch eine Prise Humor, der teilweise recht schwarz daher kommt. Auf der anderen Seite werden verschiedene Schicksalsschläge kompromisslos und brutal inszeniert – ich musste das ein, oder andere Mal schlucken, ob der Intensität, die dem Film jedoch nicht schadet. Alles in allem ist hier ein kleines Schwedisches Meisterwerk gelungen, das mit seinen knapp 2 Stunden Laufzeit viel für`s Herz, eine schöne Geschichte über Menschlichkeit und Freundschaft, wenn nicht sogar eine Ode an das Leben selbst, liefert.

Nach diesem Film wünschte ich, ich hätte als Erwachsener einmal mit unserem Nachbarn von früher sprechen können. Vielleicht gibt es da draußen so manche verbitterte, durch das Leben gezeichnete, Person, die einfach mal dankbar ihre Geschichte erzählen würde, wenn man sie nur fragen würde.

Ein Mann namens Ove Bewertung
Bewertung des Films
810
6 Kommentar(e) / Jetzt kommentieren

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6 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 10.11.2017 | 09:29 Uhr10.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Danke Euch für die Lobs.

@bartacuda

"Geplant ist ja offenbar ein US Remake mit Tom Hanks. Obwohl ich ein bisschen neugierig bin, wie Hanks diese Figur interpretiert bin ich mit dem Original mehr als zufrieden und befürchte, das Remake setzt andere Schwerpunkte, die mir weniger gefallen könnten."

Das ist eben das Problem. Ich mag Tom Hanks sehr. Er ist ein super Schauspieler und könnte diese Rolle garantiert tragen, auch wenn ich eher - wie Du schon anmerkst - Eastwood in der Rolle sehen würde. Es ist aber, so glaube ich, die Art, wie in Hollywood Geschichten erzählt werden. Ein Mann namens Ove erzählt die Geschichte einfach sehr liebenswert - beinahe so, wie ein Spielberg eben in den 80ern erzählte. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was da im Remake rüber kommt, bin aber ebenfalls skeptisch, ob die "Magie" des Originals erreicht werden kann.

@Luhp & Sully

Freut mich, dass ich bei Euch eine Sichtung des Films anregen konnte.

@MobyDick

Adams Äpfel war ja doch etwas "krass". Ove geht da definitiv eher in die Richtung des 100jährigen - nur anders wink...

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

MobyDick
Moviejones-Fan
09.11.2017 | 16:24 Uhr09.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Bond:

Schöne Kritik mit wirklich sehr guter Einleitung!

Hmm scheint ja in die gute Tradition skandinavischer "Kracher" zu passen. Ist er so etwa in der Tradition von Adams Äpfeln oder eher der 100-jährige etc. einzuordnen?

Dünyayi Kurtaran Adam
bartacuda
Mitternächtlicher Haijäger
Geschlecht | 09.11.2017 | 15:45 Uhr09.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 09.11.2017 15:52 Uhr editiert.

@Bond

Teile deine Bewertung. Hier mein damaliger Kommentar zu meiner Bewertung

...und dabei will er sich doch nur in Ruhe das Leben nehmen... :-)

Ove ist ein pedantischer Stinkstiefel und so richtig mögen tut ihn keiner. Doch wie wurde er so und vor allem, lässt sich die Schale knacken?

Unglaublich sympathischer Film, der mir sehr gefallen hat. Kenne die Romanvorlage nicht, kann daher zu seiner Qualität als Adaption nichts sagen. Er wirkte hier und da fast wie ein schwedischer "Gran Torino". Sicher nicht mit der Wucht, aber Ove hat was vom muffeligen Eastwood.

Absolute Empfehlung

Meine Bewertung 4/5

Geplant ist ja offenbar ein US Remake mit Tom Hanks. Obwohl ich ein bisschen neugierig bin, wie Hanks diese Figur interpretiert bin ich mit dem Original mehr als zufrieden und befürchte, das Remake setzt andere Schwerpunkte, die mir weniger gefallen könnten.

... ... aber lass uns ganz offen sein, Du hast nie Wert gelegt auf meine Freundschaft!
luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 09.11.2017 | 15:13 Uhr09.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 09.11.2017 15:20 Uhr editiert.

Abermals ein sehr schön geschriebenes Review!
Von "Ein Mann names Ove" hörte ich zum ersten Mal im Zuge der Oscarverleihung im Februar, bei welcher der Film für den Besten fremdsprachigen Film und Bestes Make-Up (ging an "Suicide Squad") nominiert war, danach geriet er allerdings wieder in Vergessenheit.
Jetzt merke ich mir den Film mal vor!

So einen netten Nachbar-Opa hatten wir ebenfalls, beziehungsweise er war berüchtigt bei uns im Dorf und im Speziellen in unserer Wohngegend. Erst Jahre später wurden wir seine Nachbarn, weshalb er sich prompt bei der Stadt beschwerte, weil wir ihm mit unserem neu gebauten Haus angeblich seine freie Sicht auf die Natur stehlen würden. Einen guten Freund im Kindesalter sperrte er nach einem Streich für mehrere Stunden in seinen Gartenschuppen, meinen Freunden und mir wollte er mal eine Anzeige auf den Hals jagen, weil wir sein Haus von unserer Baustelle aus mit Lehm bewarfen laughing Irgendwann vor mindestens sechs Jahren ist er gestorben, jetzt lebt dort nur noch seine Frau, die schon immer sehr nett war.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

Sully
Elvis Balboa
Geschlecht | 09.11.2017 | 14:19 Uhr09.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Sehr gut, mit viel Feingefühl geschrieben. Macht mich auf jeden Fall neugierig.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!

MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 09.11.2017 | 14:09 Uhr09.11.2017 | Kontakt
Jonesi

Habe den Film diese Woche erst gesehen und hat mir sehr gut gefallen, zumal ich ihn ohne Hintergrundwissen anschaute. Ist immer wieder schön, so eine Perle auszugraben, die man so überhaupt nicht auf dem Radar hatte.

Hier nun meine Kritik.

Empfiehlt sich übrigens auch für solche, die immer nette Nachbarn hatten wink

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"