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Ghost in the Shell

Die recht Geistlose Dose - Ghost in the Shell

Ghost in the Shell Kritik

0 Kommentar(e) - 26.04.2017 von ZSSnake
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von ZSSnake.
Filmkritik

Ghost in the Shell Bewertung: 3/5

Tja, da hab ich Ghost in the Shell ja dann doch noch gesehen. Ein Film, der mich eigentlich nicht wirklich interessierte, sieht man mal vom Setting ab, aber dank MarieTrins freundlicher Anfrage nach einem gemeinsamen Kinobesuch und dem Umstand dass ich Option 2 (Fast and Furious 8) bereits gesehen hatte, wurde es dann die Manga/Anime-Verfilmung. Kleine Info vorab - ich bin völlig unbelastet in den Film gegangen, da ich weder das Manga gelesen noch das Anime gesehen habe.

Trailer zu Ghost in the Shell
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Inhalt:
Major Mira Killian ist ein Geist in einer Maschine, ein Roboter mit einem menschlichen Bewusstsein und Gehirn, der für die geheime Regierungsorganisation Sektion 9 arbeitet. Als ein Cyberterrorist ein Meeting der Hanka Robotics Corporation angreift und dabei an wichtige Informationen gelangt kommt Major mit diesem in Kontakt und erfährt von ihm, dass ihre gesamte Existenz möglicherweise auf einer großen Lüge aufgebaut ist...

Kritik:
Ghost in the Shell basiert, wie den meisten sicherlich bekannt sein dürfte, auf dem populären Manga von Masamune Shirow und der darauf folgenden Anime-Verfilmung des Stoffes durch Mamoru Oshii. Nicht nur ist das Manga ein maßgeblicher Meilenstein in der Geschichte des Sci-Fi-Genres, es diente auch unter anderem den Wachowskis als Inspiration für The Matrix. Die Einflüsse, insbesondere philosophischer Natur, sind definitiv auch in dieser Realverfilmung zu spüren. Der Film zentriert sich insbesindere um die Frage was einen Menschen ausmacht und ob das "Gehirn in der Büchse" letztlich nicht nur Instrument in den Händen von Programmierern sein kann.

Diese höchst interessante Idee, welche sich um sehr reale Zukunftsängste dreht, wird im Film zunächst durchaus spannend angegangen. Das Katz- und Mausspiel zwischen Johanssons Major und Cyberterrorist Kuze (Michael Pitt) ist zunächst der Aufhänger für die letztlich weit größere Verschwörung innerhalb der Geschichte und wirft Fragen danach auf, was die menschliche Realität wirklich ausmacht. Das Ego, die Erinnerung oder doch nur endlose Zeilen von Programmcode, die nach Belieben manipuliert werden könnten.

Doch so stark der Grundgedanke dieses Konfliktes ist in dessen Zentrum Major steht, so oberflächlich bleibt leider seine Abhandlung innerhalb der Geschichte des Films. Sicher, die Fragen werden aufgeworfen, doch wurden sie eben bereits im oben genannten Matrix weit tiefgehender und wesentlich spannender abgehandelt. Die Lösungen und Ideen, die Ghost in the Shell in seiner Realverfilmung anbietet, sind im Wesentlichen vorwiegend flacher Natur. Der Film traut sich leider zu keinem Zeitpunkt über Plattitüden hinauszugehen und wirklich philosophische Gedanken aufzuwerfen oder den Zuschauer intellektuell herauszufordern. Was wirklich schade ist, denn die Ideen wären da. Majors Geschichte ist im Kern interessant, die Konflikte ihrer Erschaffer spannend und ihr Konterpart Kuze scheint weit mehr zu bieten als der typische 08/15-Bösewicht.

Doch all das hat keinen Wert, wenn die Charaktere so oberflächlich bleiben wie hier. Major ist dabei noch der vielschichtigste Charakter, das aber insbesondere weil man über sie am meisten erfährt. Ebenfalls einigermaßen spannend, zumindest in ihren Ansätzen, ist ihre Erschafferin Dr. Ouélet (Juliette Binoche), die jedoch vom Skript auch eher als wohlmeinende Mentorin verwurstet wird. Weitere Nebenfiguren, wie der markant aussehende Batou (Pilou Asbæk), stechen maximal durch ihre optischen Eigenheiten - beim Genannten z. B. die aus den Trailern bekannten Cyber-Augen - hervor, hinterlassen aber bei der Frage nach ihren Motiven und Hintergründen nur fragende Blicke.

Dabei wäre das Fundament so großartig: Visuell feiert Rupert Sanders durchaus ein Fest für die Augen. Das Framing des Films ist brilliant und erinnert durchgehend an die Panels von Comics oder in diesem Fall Mangas. Der künstlerische Stil ist bestechend und die kunterbunte Zukunftsvision des Films weiß durchgehend zu gefallen wenn nicht gar zu begeistern. Das wird zudem gestützt durch einen übersichtlichen und weitestgehend unaufgeregten Schnitt und viele längere Takes, die dem Film Zeit geben visuell für sich zu wirken.

Zudem gibt es mit Lorne Balfe und Clint Mansells Score einen der besseren Sci-Fi-Scores der letzten Jahre. Zwar ohne markantes Leitthema, bietet der Score doch einiges für den Hörer und stützt den Film perfekt ohne zu aufdringlich zu wirken. Offensichtlich inspiriert von beispielsweise den Scores zu Deus Ex: Human Revolution und Mankind Divided - interessanterweise Videospiele die ähnliche Themen behandeln wie der Film - schmiegt sich der Sound perfekt an die visuelle Kulisse an.

Doch all diese Ansätze reichen nicht aus um das Skript aus einer unangenehmen "Mainstreamigkeit" heraus zu elevieren. All die grundlegend klugen Ansätze und der intellektuelle Anspruch werden zugunsten eines Publikums zurückgestellt, dass vermutlich ohnehin eher von Action und Visuals geködert wurden. Johansson als Lead läuft mit der gewohnt gleichgültig-dümmlichen Mine wie ein Cyborg durch den Film, was wenn es gewollt war sicherlich als cleverer Castingmove zu werten wäre. Doch das Problem dabei bleibt, dass der Film einen so emotionslos zurücklässt wie sein Hauptcharakter. Majors Probleme und Sorgen werden vorgetragen und oberflächlich aufgelöst, die Geschichte bewegt sich an Allgemeinplätzen statt spezifisch zu werden und grade in einer Zeit in der die Ideen des Films zunehmend realer zu werden scheinen kann das nicht genügen. Nach Filmen wie The Matrix, Dark City oder ExistenZ und auch Videospielen wie Bioshock 1 und 2, Deus Ex: Human Revolution und Mankind Divided, die sich allesamt philosophischer, spannender und fordernder mit den Thematiken um Menschlichkeit, freien Willen, zunehmende Technisierung und den "Geist in der Maschine" auseinandergesetzt haben wirkt Ghost in the Shell als der eigentliche Vorreiter wie die abgespeckte Mainstream-Konsumenten-Variante seiner eigentlich tollen Ideen.

Fazit:
Ich bin der festen Überzeugung, dass Manga und Anime die im Film behandelten Themen mit wesentlich mehr Tiefe und auch mutiger behandelt haben als diese Realverfilmung, andernfalls könnte ich mir den Meilenstein- und Kult-Status der Vorlage nicht erklären. Diese Umsetzung jedoch ist leider so handzahm, mainstream und langweilig, dass neben einer halbwegs interessanten Hauptfigur, ein paar guten Ansätzen und einer Riege schwacher Nebenfiguren nicht viel bleibt, abgesehen von der atemberaubenden Optik und dem starken Score. So ist Ghost in the Shell (2017) ohne Erwartungshaltung sicherlich kein schlechter Film, jedoch einer der stark hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und grade in der heutigen Zeit wesentlich mutiger und unkonventioneller hätte sein müssen, um dem großen Ruf der Vorlage gerecht zu werden. In seiner Realfilm-Inkarnation bleibt Majors Abenteuer so leider eine mittelschwere Enttäuschung und kommt für mich nicht über

3/5 Hüte bzw 6/10 Punkte hinaus.

Das Potenzial war ersichtlich, aber ob es nun für die etwas unter 2 Stunden Laufzeit zu viel Stoff war, oder die Autoren sich einfach nicht getraut haben das Publikum ein wenig herauszufodern, wer weiß. So kam leider nicht mehr als ein gut gemeinter und visuell beeindruckender Science-Fiction-Actioner heraus...schade.



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610
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