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Kritik zu House at the End of the Street

"House at the End of the Street" Filmkritik

Alter Stil und doch modern

Nach einem etwas an The Ring erinnernden Intro weiß der Zuschauer noch nicht so recht, ob Mark Tonderais House at the End of the Street ein Horrorfilm oder ein Psychothriller sein soll - doch im Verlauf entpuppt sich das Machwerk von SquareOne Entertainment und Universum Film als Letzteres. Und zwar eins der alten Schule, im positiven Sinne a la Hitchcock. Denn House at the End of the Street lässt sich Zeit für die Story (die auf einer Kurzgeschichte von Jonathan Mostow beruht, der den Film zusammen mit Aaron Ryder und Peter Block produzierte) und die Einführung der Figuren und baut mit einem gespenstisch anmutenden Haus vorerst die Stimmung einer netten kleinen Gruselgeschichte auf. Doch die Schockeffekte wirken durch das Einlullen des Zuschauers in eine gemütliche Geschichte inklusive Lovestory-Romantik umso besser und lassen mehr Zusammenzucken als billiges Horrorsplatter-Gemetzel mit schnellen Schnitten und horribel aussehenden Monstern. So entwickelt sich recht bald ein erschreckend realistisch anmutender, spannender Psychothriller, der den Zuschauer mit knapp über 100 Minuten immer mehr in seinen Bann zieht.

Der angedachte Neuanfang der frisch geschiedenen Sarah (Elisabeth Shue, Leaving Las Vegas - Liebe bis in den Tod) mit ihrer 17-Jährigen Teenager-Tochter Elissa (Jennifer Lawrence, Die Tribute von Panem - The Hunger Games) in einem wunderschönen, mit einem Naturschutzgebiet umgebenen Haus in einer provinziellen Kleinstadt in Pennsylvania bekommt rasch eine etwas unheimliche Note, als die beiden erfahren, dass im scheinbar unbewohnten, recht heruntergekommenen Haus in Sichtweite gegenüber vor Jahren ein geistig behindertes Mädchen (Eva Link) seine Eltern umgebracht hat und danach spurlos verschwunden ist. Noch unheimlicher wird es, als sie feststellen, dass das Nachbarhaus gar nicht unbewohnt ist, sondern der Sohn der Ermordeten, Ryan Jacobson (Max Thieriot, Chloe), dort ein zurückgezogenes Außenseiter-Leben führt. Die Legende, dass Ryans jüngere Schwester Carry-Ann, deren Leiche nie gefunden wurde, im Wald noch herumgeistern soll, macht es nicht gerade besser. Doch es dauert nicht lange, bis Elissa auf den ungefähr gleichaltrigen, von seinen Mitschülern mit Argwohn betrachteten Ryan trifft und sich in den überraschend attraktiv-charmanten, wenn auch etwas oldschool anmutenden Jungen verliebt. Zum Leidwesen ihrer besorgten Mum, die Ryan aufgrund seiner traumatischen Vergangenheit nicht so ganz über den Weg traut. Je näher sich Ryan und Elissa kommen, desto mehr wird auch Elissa von Ryans widersprüchlichen Verhaltensweisen irritiert, die ein weit düstereres Geheimnis bergen als man anfangs hätte ahnen können...

Man kann zwar nicht von durchgehend nervenaufreibender Spannung sprechen, doch der Wechsel von ruhigen Szenen, in die Schockeffekte und rasche Szenenabläufe einbrechen, macht House at the End of the Street weitaus interessanter als manchen Gespensterhaus-Thriller ähnlicher Art. Immer, wenn man sich gerade gemütlich im Kinosessel zurückzulehnen beginnt, reißen erschreckende Szenen und spannende Passagen den Zuschauer abrupt wieder aus der anheimelnden Entspannung, in die man sich gerade sinken lassen wollte. So entwickelt sich eine Spirale, die den Zuschauer immer mehr gefangen nimmt und im Storyverlauf immer rasanter einem Ende zuläuft, das zudem mit einem überraschenden Wendepunkt aufwartet. Die Wechsel werden auch im Bildstil deutlich, nicht nur schnelle Schnitte versus langsame Kamerafahrten, auch die Farbgestaltung unterstützt diesen Effekt. In natürliche oder romantische Tages- und Lovestoryszenen bricht mystische oder verwaschen dreckige Dunkelheit mit fast schon clippigen Schnitten und atmosphärisch-stilvollen Bildstilwechseln. Zugleich sind die ruhigen Szenen nie ruhig genug, so dass eine unruhige Schwingung durchgehend erhalten bleibt. Ein Manko - in der Gewitterszene kommt der Regen doch etwas zu typisch gewollt daher. Insgesamt wirkt die Inszenierung wie ein Mix aus Them, Die Purpurnen Flüsse und Zwielicht.

Die Darsteller überzeugen durchgehend, Jennifer Lawrence mimt sehr natürlich die verliebte, etwas sturköpfige Tochter mit Hang zum Helfersyndrom, Elisabeth Shue spielt mit natürlich-attraktivem Charme die sich sorgende Mutter, Newcomer Max Thieriot überzeugt als schüchterner und dennoch Charming Boy, dem der Oldschool-Touch gut steht und ihm die passend seltsame Note verleiht. Eva Link mimt sehr gruselig und an The Ring erinnernd das Mädchen Carry-Ann, zudem überzeugt sie auch im Verlauf mit noch anderen Nuancen, die hier, um euch nicht zu spoilern, nicht genannt werden können. Wenig Spielzeit bekommt Gill Bellows als Kleinstadt-Polizist Weaver, seinen Part hätte man gern noch etwas mehr ausbauen dürfen.

Mark Tonderais House at the End of the Street wird sicher nicht als nervenaufreibendster Psychothriller in die Geschichte eingehen, doch die Verbindung von zarter Lovestory, klassischen Psychoelementen und einem ästhetisch ansprechenden, modernen Bildstil sowie der überraschende Wendepunkt heben ihn sehenswert aus der Masse ähnlicher Psychothriller heraus, die all zu oft nur noch mit gruseligen Splattereffekten und simplen Mysteryelementen zu schocken wissen. Kleine Logikmängel, die man jedoch fast allen Psychothrillern dieser Art ankreiden kann, tun der Spannung und der guten Darstellerleistung keinen Abbruch. Die letztendliche Auflösung wird zwar rasch und eher in andeutenden Bildern präsentiert, jedoch kann sie sich jeder halbwegs intelligente Zuschauer anhand dieser gut zusammenreimen. Ob man die Auflösung für plausibel genug hält, mag jeder für sich entscheiden.

Bewertung
3.5 Hüte3.5 Hüte3.5 Hüte3.5 Hüte3.5 Hüte3.5 Hüte

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