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Kritik zu Killing Them Softly

"Killing Them Softly" Filmkritik

Alles ist Business

Der Blick hinter die Fassade des Killers auf der Suche nach etwas Menschlichem gehört seit Tarantinos Pulp Fiction zu den Standards im Genre Gangstermovie. Der australische Regisseur Andrew Dominik fügt dem jetzt in Killing Them Softly eine neue Note hinzu und lässt vor allem seine Hauptfigur Jackie Cogan, gespielt von Brad Pitt, wichtig über Politik daherschwafeln. Angesiedelt im Jahr 2008 geht es um den wirtschaftlichen Niedergang der mächtigen Vereinigten Staaten. Und auch in Cogans Business war die Arbeitsmoral und Bezahlung schon mal besser.

Killing Them Softly erzählt von einem Überfall, der schiefläuft. Schieflaufen muss, was allen sofort klar ist, nur den beiden Kleinganoven Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) nicht. Letzterer gehört zu den verlumptesten und armseligsten Figuren, die je in einem Gangsterfilm zur Waffe gegriffen haben. Alkohol und Drogen haben ihm das Gehirn zerfressen, was die anfänglichen langen Dialoge zur Planung des Coups entsprechend anstrengend für den Zuschauer machen.

Nachdem die beiden den Pokerfreunden eines illegalen Spielsalons ihr Geld abgenommen haben und damit sogar entkommen konnten, scheint auch der weitere Plan, den ihnen ein Dritter eingeflüstert hat, zu klappen. In Verdacht gerät der Veranstalter der Runde Markie Trattman (Ray Liotta), der sich schon einmal aus der Kasse bedient hatte. In einer extrem brutalen Szene wird Markie niedergeprügelt - entgegen der Prämisse des Films, auf "stylishe Tötung", eben aus der Ferne, und damit "sanft" zu setzen.

Vielleicht war das aber auch nur das Vorspiel, nachdem man sich über den Auftritt von Jackie Cogan (Brad Pitt) mit nach hinten gegeltem Harr und Bart richtig freuen soll. In diesem Universum der Loser, Junkies und Dummköpfe erscheint der Profikiller, der seinen Job beherrscht, wie eine Lichtgestalt. Andrew Dominik auf jeden Fall schätzt Pitt sehr. Mit ihm realisierte er bereits Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007). Hier gibt er dem Hollywoodstar wieder eine Art Titelrolle, denn der Film beruht auf dem Roman "Cogans Trade" von George V Higgins aus dem Jahr 1974. In seiner filmischen Umsetzung transportiert Dominik den immer gut kommenden Seventies-Gangster-Style ins Jahr 2008 und untermalt fast penetrant viele seiner Szenen mit Wahlkampfreden der damaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama.

Die Herausforderung mit dieser Rolle hält sich für Brad Pitt in Grenzen. Coolness ausstrahlen, Pseudoweisheiten von sich geben und Leute aus der Distanz erschießen. Für Letzteres ist er sich im Fall des Lumpengauner-Duos sogar selbst zu schade und fordert einen weiteren Killer extra aus New York an. Ex-Soprano James Gandolfini zeigt als Mickie jedoch, wie weit es mit den Mitgliedern seiner Branche schon gekommen ist. Einst als exzellenter Killer gefürchtet, vermasselt er jetzt den Job, weil er nicht von Sex und den Drogen lassen kann.

Cogan muss selbst ran und feststellen, dass nicht nur die Arbeitsmoral, sondern auch die Preise für einen Mord verfallen. Kapitalismus und Kriminalität funktionieren nach dem gleichen Prinzip - wo weniger eingenommen wird, wird auch weniger bezahlt. Cogan resümiert dann auch noch mal für alle, die den Anspruch des Films noch nicht begriffen haben: "Amerika ist kein Land, Amerika ist ein Geschäft."

Killing Them Softly will mehr sein als ein Unterweltkrimi und scheitert an seinem Anspruch. Andrew Dominik trägt dick auf und lässt seine Story während der sich zuspitzenden Finanzkrise in einem aufgrund der Folgen des Hurrikans Katrina besonders brach liegenden New Orleans spielen. Die Wahlkampfparolen im Hintergrund klingen hohl, zeigt doch das Leben - nicht nur der Kriminellen -, dass der Stärkere den Schwächeren am Ende auslöscht. Ein Zynismus, der in seiner filmischen Umsetzung als Geschwafel der wenig zeitgemäßen Figuren wie eine große leere Pose wirkt. Dabei zeigt sich das Hauptproblem des Films, der anscheinend keine genaue Zielgruppe im Visier hat.

Killing Them Softly bekommt 2 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Diemuth Schmidt)

Bewertung
2 Hüte2 Hüte2 Punkt(e)2 Hüte2 Hüte

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1
luhp92 | BOTman Begins | 09.11.2013 | 02:40 Uhr
Jonesi0  
luhp92
Huch? Das ist ja eine sehr mäßige Kritik. Da muss ich den Film schon verteidigen und kontra fahren^^
Ich kopiere mein Review einfach mal hierein:

Sehr ruhig, aber interessant inszenierter Abgesang auf den American Dream.
Die USA im Wahlkampf zwischen Obama und McCain, die Wirtschaftskrise vor der Tür. Das Volk befindet sich in einem Teufelskreis. Alles dreht sich nur um Geld, oft wird es dann für Drogen und Prostituierte ausgegeben. Dialoge sind inhaltslos und voll von Belanglosigkeiten (gefühlt jedes dritte Wort ist "Fuck"). Dem kleinen Mann geht das Geld aus, er bedient sich bei den Reichen. Unruhe breitet sich aus, das Geld fließt nicht mehr. Den mächtigen Reichen (im Film sehr schön nur als "sie" bezeichnet) geht das ordentlich gegen den Strich. Sie möchten, dass die Sache in Ordnung gebracht wird, das Geschäft soll ja schließlich weiterlaufen.
Der Film ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass ihn viele Leute als langweilig bezeichnen. Das ist der wohl dialoglastigste Film, den ich bisher gesehen habe. Zudem kommt er komplett ohne Musik aus (was er in meinen Augen aber gar nicht braucht). Des Weiteren lässt sich ein roter Faden nur schwer ausmachen, man erfährt erst am Ende wirklich, worauf der Film hinauswill. Die Schauspieler machen einen guten Job. Und neben den zumeist ruhigen und langsamen Szenen gibt es auch manche, die spannend, überraschend, sehr brutal und daher erschreckend inszeniert sind.
Was mich am Film aber gestört hat, ist dass er in einigen Szenen extrem auf "Ich will ein Kunst-Film sein" pocht, was ihm dann aber nicht gelingt. Diese Szenen sind dann so dermaßen anders, bewusst auf pure Ästhetik und Coolness ausgelegt, dass es einfach nur unglaubwürdig rüber kommt.

Ein ungewöhnlicher Film, aber empfehlenswert.
8,5/10 Punkten
______________________
Halfman´s Song ------- When Winter Comes ------- The Bear and the Maiden Fair
Dabei seit: 16.11.11 | Beiträge: 4.952 | Kritiken: 5 | Jonesi: 91
Umleitung | Moviejones-Fan | 27.11.2012 | 10:58 Uhr
Jonesi0  
Umleitung
Meine Kritik fällt etwas kürzer aus: Der Streifen ist eine reine VERGEUDUNG von Mensch, Material und am schlimmsten, meiner eigenen Zeit! Selten so etwas hohles und einschläferndes gesehen...Würg! Von mir kriegt er nicht mal ne Bewertung!
Dabei seit: 22.10.11 | Beiträge: 485 | Kritiken: 2 | Jonesi: 10

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