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Nocturnal Animals

Eine Kritik von MovieHunter87

Nocturnal Animals Kritik

5 Kommentar(e) - 23.12.2016 von MovieHunter87
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von MovieHunter87.
Filmkritik

Nocturnal Animals Bewertung: 4/5

Kritik zu:
Nocturnal Animals
Kinostart in Deutschland: 22.12.2016
Produktionsland/Jahr: USA 2016
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Genre: Buchverfilmung, Thriller, Drama
Regie & Drehbuch: Tom Ford (A Single Man)
Filmmusik: Abel Korzeniowski (A Single Man)
Kamera: Seamus McGarvey (The Accountant, Marvel´s The Avengers)

Trailer zu Nocturnal Animals
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Handlung:
Der Film basiert auf dem 1993 erschienen Roman "Tony & Susan" vom Autor "Austin Wright".

Susan Morrow (Amy Adams), bekommt eines Tages von ihrem Exmann, dem Schriftsteller Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), den sie vor ca. 10 Jahren, das letzte mal gesehen hat, ein Manuskript mit dem Titel "Nocturnal Animals" geschickt.

Das Manuskript handelt von Tony Hastings (ebenfalls von Jake Gyllenhaal gespielt), der sich zusammen mit seiner Frau Laura (Isla Fisher) und seiner Tochter India (Ellie Bamber), auf einer Urlaubsreise befindet. Während der Autofahrt, mitten in der Wüste von West Texas, werden sie von 3 Männern (gespielt von Aaron Taylor Johnson, Karl Glusman und Robert Aramayo), zum anhalten gezwungen. Die 3 Männer entführen Laura und India. Tony wird währenddessen mitten in der Wüste ausgesetzt. Er beschließt fortan, mit Hilfe des Polizisten Bobby Andes (Michael Shannon), die Spur der Entführer aufzunehmen, um seine Familie zu finden.

Während Susan das Manuskript aufmerksam ließt, denkt sie darüber nach, aus welchem Grund, Edward, ihr das Manuskript geschickt haben könnte, bzw. ob diese Story, etwas mit ihrer und Edwards gemeinsamer Vorgeschichte zutun hat.

Kritik:
Nach dem (für mich) sehr ansprechendem Trailer und der interessanten Handlungsbeschreibung, war meine Vorfreude auf den Film sehr hoch. Das Konzept, mittels zwei Geschichten, eine Geschichte zu erzählen, indem man die beiden Geschichten miteinander verbindet, ist für mich eine sehr interessante Erzählform. Ich dachte also, ich bekomme es hier, mit einem Film zutun, der eine interessante, spannende und wendungsreiche Geschichte erzählt, bei der das Publikum, von Beginn an versucht, parallelen zwischen den beiden Geschichten zu erkennen, um auf die Auflösung des Puzzles zu kommen, und zum Schluss mit einem "WOW Effekt" belohnt wird. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich doch etwas zuviel erwartet habe!

Die beiden Geschichten sind zwar interessant, aber beide sehr viel simpler gestrickt, als ich erwartet habe.
Bei der fiktionalen Geschichte, handelt es sich im Grunde nur um eine 08/15 Entführungsgeschichte, die zwar mMn. keine blassen, aber uninteressante Figuren beinhaltet (sprich: Die Charaktere sind mir egal). Wer z.B. interessante Antagonisten erwartet, liegt falsch. Stattdessen bekommt man es hier, mit einer nahezu klischeehaften Bande aus dem White Trash Milieu zutun. Allerdings kann die fiktionale Geschichte, mit einigen guten Wendungen bei mir punkten. Allerdings finde ich eine gewisse Reaktion, von einem der Charaktere zu harmlos dargestellt, welche dadurch sogar etwas unstimmig wirkt. Was ich der fiktionalen Geschichte allerdings positiv anrechnen muss, ist dass sie auf auf unnötig in die Länge gezogene Ermittlungsarbeit verzichtet, und nur die wesentlichen Entwicklungen der Ermittlung, sprunghaft, mittels eines gelungenen Timings (vor allem in Bezug auf den Wechsel, von der realen auf die fiktionale Handlung) aufzeigt. Die fiktionale Geschichte soll eben nur als Mittel zum Zweck, für die reale Geschichte dienen und das tut sie auch!
Bei der Geschichte, die in der Realität spielt (von mir "reale Geschichte" genannt^^), hätte ich mir im Gegensatz zur "fiktionalen Geschichte", mehr Ermittlungsarbeit (in Form von privater Nachforschung) seitens der Hauptperson gewünscht, um einen höheren Spannungsbogen zu erreichen. Die reale Geschichte dient hingegen überwiegend der Charakterzeichnung von Susan und zeigt unter anderem viele Szenen ihres Alltags auf. Trotzdem bittet die reale Geschichte eine interessante Erzählform, die mittels Flashbacks erzählt wird, und dadurch die wesentliche Vorgeschichte von Susan (Amy Adams) und Edward (Jake Gyllenhaal) aufzeigt.
Das größte Problem, dass ich während der Sichtung, mit diesem Film hatte, ist dass die beiden Erzählstränge (die fiktionale und die reale Geschichte) mMn. viel zu wenig aufeinander aufbauen bzw. zu wenig in ihrem Kontext im Film behandelt werden. Die beiden Geschichten waren mir einfach zu eigenständig erzählt. Als ich mir allerdings nach der Sichtung, nochmal eindringlicher Gedanken über die Symbolik bzw. Deutung über den Kontext der beiden Geschichten gemacht habe, konnte ich das ganze bei weitem besser in Einklang bringen. Was mich allerdings enttäuscht hat, war das (für mich) etwas zu subtil dargestellte Ende des Film´s. Dieses hätte ich mir (z.B. mittels einer zusätzlichen Szene) etwas intensiver gewünscht.
Schauspielerisch war das ganze von den Hauptrollen (Amy Adams und Jake Gyllenhaal) bis in die kleinste Nebenrolle (Isla Fisher oder Karl Gusman) gut und vor allem glaubwürdig gespielt. Allerdings eine wirklich oscarreife Performance konnte ich bei diesem Film nicht entdecken. Auch nicht von Aaron Taylor Johnson, der beispielsweise für den Golden Globe 2017, als bester Nebendarsteller nominiert ist. Er hebt sich mMn. eher durch seine relativ exzentrische Rolle des Ganoven Ray Marcus an sich ab, die einen Kontrast zu den anderen eher ruhigeren Charakteren darstellt, als durch eine (wohlgemerkt) "oscarreife Darstellung".
Von Michael Shannon, der den Polizisten Bobby Andes spielt und auf dessen Rolle ich mich mitunter am meisten gefreut habe, hätte ich allerdings etwas mehr erwartet. Das Handeln von Bobby Andes ist zwar aufgrund seiner Hintergrundgeschichte nachvollziehbar, aber seine Rolle hätte ich mir trotzdem etwas intensiver gespielt gewünscht.
Susan, deren Charakter trotz einer recht verständlichen Hintergrundgeschichte etwas kühl wirkt, wird von Amy Adams gut gespielt. Gleiches gilt für Edward und Tony, die beiden von Jake Gyllenhaal dargestellt werden.
Der Film ist aber was Charaktere und Handlung betrifft vor allem in punkto Glaubwürdigkeit gut gelungen und Jenseits von jedem Kitsch.
Inszenatorisch gefällt mir das ganze, bis auf die (für mich) sehr geschmacklose Eröffnungssequenz relativ gut. Kamera und Schnitt sind durchgehend übersichtlich und ruhig gehalten. Wodurch man den Film (bis auf die Eröffnungssequenz) richtig geniessen kann. Nervende Kamerafahrten oder hektische Schnitte gibt es in diesem Film nicht. Stattdessen viele Einstellungen, wo man Szenen in aller Ruhe auf sich wirken lassen kann. Tom Ford hat in meinen Augen, wie schon in "A Single Man" inszenatorisch eine gute Arbeit abgeliefert.
Die Filmmusik ist ebenfalls positiv zu erwähnen. Sie passt sich immer gekonnt jeder Situation an,baut Atmosphäre auf und funktioniert im Kontext mit den Bildern sehr gut. Ob er unabhängig von den Bildern (also als OST auf CD o.ä.) ebenfalls funktioniert kann ich allerdings nicht beanworten.

Fazit: Direkt nach der Erstsichtung ist man vlt. etwas enttäuscht und das ganze kommt einem vlt. zu unspektakulär vor (so war es bei mir der Fall). Wenn man sich allerdings im Nachhinein, nochmal Gedanken bzgl. des Zusammenhangs und der Deutung der beiden Geschichten in ihrem Kontext macht, kommt man auf ein (bei weitem) zufriedenstellenderes Ergebnis.
Es ist eben kein Film, der einen an der Hand nimmt und alles bis ins kleinste Detail erklärt.
Negative Punkte sind für mich:
*Die eher sparsame Performance von Michael Shannon;
*Das mir die Charaktere insgesamt relativ egal waren (trotz guter Performance und Hintergrundgeschichte);
*Das mMn. zu subtile Ende (das man mit einer zusätzlichen Szene intensiver hätte machen können).
* Die (für mich) geschmacklose Eröffnungsszene;
Ich möchte jetzt bei der Punktevergabe nochmals darauf hinweisen, dass ich aus "oben genannten Gründen" direkt nach dem Film stark enttäuscht war, aber nach einer ausgiebigen Reflexion (vor allem während ich diese Kritik verfasst habe), viel zufriedener mit dem Ergebnis bin. Allerdings einen Wiederschauwert hat dieser Film für mich (wahrscheinlich) keinen allzu hohen. Ich vergebe diesem Film:

7,5/10 Punkte oder 4/5 Hüte (kurz nach der Sichtung wären es ca. 6/10 Punkte bzw. 3/10 hüte gewesen)

P.S.: Ich empfehle, wegen der Anfangssequenz, auf Essen und Trinken vollständig zu verzichten! :D :D :D



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Nocturnal Animals Bewertung
Bewertung des Films
810
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eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 21.01.2017 | 12:59 Uhr21.01.2017 | Kontakt
Jonesi

@luhpXVII.
Ich denke, die "Buchhandlung" (laughing) funktioniert so gut, weil sie ersten super und auf den Punkt inszeniert ist und weil man sich auf das wesentliche beschränkt. Vom Plot her ist es ja eigentlich nichts neues (worin ich wie anderswo beschrieben gar kein Problem sehe).
Aber deshalb denke ich, dass sie als eigenständiger Film und auf 90+ Minuten ausgedehnt lang nicht so gut funktioniert hätte.

luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 21.01.2017 | 04:11 Uhr21.01.2017 | Kontakt
Jonesi

Ich habe die beiden Handlungsstränge komplett anders wahrgenommen, für mich hielt die Buchhandlung den Spannungsbogen hoch, während mich die nicht-fiktionale Handlung etwas langweilte. Von der Buchhandlung hätte ich gerne mehr gesehen, eventuell hätte es hier sogar für einen eigenständigen Film im Stil von "No Country For Old Men" gereicht.

Das Ende ist meiner Meinung nach perfekt, so wie es von Tom Ford geschrieben wurde. Mich hat es wie der Schlag getroffen, danach wurde mir alles klar und ich saß während des Abspanns nachdenklich-begeistert in meinem Kinosessel.

Amy Adams Leistung würde ich schon als oscarwürdig bezeichnen. Allgemein erhält sie für "Arrival" ja das größere Lob - mit wahrscheinlicher Oscarnominierung -, mir hat sie hier jedoch besser gefallen. Aaron Taylor-Johnson scheint sich echt zu mausern, vom Kinderschauspieler zum Durchbruch als Jugendstar ("Kick-Ass"), über Blockbuster ("Godzilla", "Age of Ultron") zum Golden Globe Gewinner. Sei es nun verdient oder nicht, in "Nocturnal Animals" lieferte er seine bisher beste Leistung ab. Ähnliches gilt für Isla Fisher, die normalerweise in irgendwelchen Komödien auftritt. Zuletzt sah ich sie abermals in "Scooby Doo" und danach hier. Was für Hölle?!^^

@eli4s
Ist dir aufgefallen, dass die "fiktionale Geschichte" viel "realer" wirkt als die "reale" Geschichte?

Das trifft es perfekt!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 27.12.2016 | 13:19 Uhr27.12.2016 | Kontakt
Jonesi

@Beachwater

Nein, schlimm sicher nicht. Irritierend auf jeden Fall. Ästhetisch und inhaltlich kann man drüber reden...

Beachwater
Moviejones-Fan
27.12.2016 | 12:38 Uhr27.12.2016 | Kontakt
Jonesi

Ist die Eröffnungsszene so schlimm?

eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 23.12.2016 | 14:04 Uhr23.12.2016 | Kontakt
Jonesi
1

Dieser Beitrag wurde am 23.12.2016 15:46 Uhr editiert.

Spoiler ahead!

Also ich empfand die Subtilität der ganzen Inszenierung, wie auch des Endes gerade als Stärke des Films, (genau wie die zurückhaltende Performance von Shannon) auch,dass eben nicht alles bis ins kleinste Detail erklärt wird. Mehr noch hätte ich eine bestimmte Szene die mit dem Kunstwerk "Revenge" noch herausgelassen, um dem Zuschauer noch mehr zu fordern.
Einen "Wow-Effekt" hat bei mir der Film von Anfang bis Ende ausgelöst. Das ist mir auch viel lieber wie ein Film, der in den letzten Minuten irgendeinen Höhe/Wendepunkt aufbringt, um überhaupt dort hin zu kommen.

Auch fand ich gerade die Eigenständigkeit der Erzählstränge an sich sehr ansprechend vor dem Hintergrund, dass sie gleichzeitig trotzdem sehr geschickt und subtil ineinander verschwimmen. Dass hier eben subtil die Bedeutung erarbeitet und nicht zu offensichtlich gemacht wird. Ich finde gar nicht, dass die Geschichten zu wenig aufeinander aufbauen, sondern vielmehr sich in einem andauernden Prozess gegenseitig ergänzen und vertiefen. Aber eben aufgrund dessen, dass sie so eigentständig sind, sind sie eben NICHT nur Mittel zum Zweck, sondern lassen sich auch für sich genießen, aber eben eine "dritte Geschichte" im Raum zwischen beiden entstehen lassen. Das war in meiner Kritik auch der Fokus.

Dass die Geschichten an sich vergleichsweise simpel gestrickt sind, empfinde ich dabei gar nicht als Problem, sondern hat das ganze dann sehr zugänglich gemacht. Außerdem fand ich die Handlungsstränge sehr intensiv und toll inszeniert. Auch die Figuren fand ich sehr glaubwürdig und toll gespielt. Ich weiß, was du mit der "nahezu klischeehaften Bande aus dem White Trash Milieu" meinst. Aber für mich funktionierte der Handlungsstrang perfekt, auch da das durch diesen narrativen Kniff, dass es sich dabei um dieses Buch handelt, etwas distanzierter für mich betrachtet werden konnte.

Zum Antagonisten: der eigentliche Antagonist ist ja Edward ;). Ich fand das eigentlich toll gemacht, da er ja eigentlic h nur in der Backstory auftaucht , aber trotzdem irgendwie durchgehend präsent wirkt. Nicht nur deswegen, fand ich das Ende vollkommen passend.

Zur Eröffnungsszene^^: ich hab mich damals im Kino direkt drauf einlassen können - dennoch kann ich deine Irritation sehr gut nachvollziehen. Da hab ich einige Leute im Saal etwas irritert wahrgenommen.

Ansonsten fand ich den Film sehr rund, die Inszenierung atemberaubend. Von der Farbdramaturgie bis Schnitt und Kamera... da ist Ford wirklich begabt. Mir gings wie dir, dass ich noch ewig darüber nachgedacht habe, und meine Begeisterung seither eigentlich nur gewachsen ist.
Interessant fand ich auch den Gedanken: Ist dir aufgefallen, dass die "fiktionale Geschichte" viel "realer" wirkt als die "reale" Geschichte?