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The Game

Let the Game begin...

The Game Kritik

3 Kommentar(e) - 23.08.2016 von pursuyt
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von pursuyt.

The Game Bewertung: 4.5/5

Zwischen seinen zwei größten Hits Sieben (1995) und Fight Club (1999), drehte Starregisseur David Fincher 1997 den Thriller The Game. Der Film, der einige Anleihen beim Regiestil der Großmeister Stanley Kubrick und Alfred Hitchcock macht, gehört heute zu den, leider etwas in Vergessenheit geratenen, Werken Finchers. Aber zu Unrecht.

Der skrupellose und äußerst erfolgreiche Investment-Banker Nicholas van Orton (Michael Douglas) erhält von seinem Bruder Conrad (Sean Penn) zum 48. Geburtstag einen Geschenkgutschein: Er darf an einem Spiel der Firma Consumer Recreation Services (CRS) teilnehmen. Als er widerwillig daran teilnimmt, merkt der kontrollsüchtige Nicholas, dass das Spiel auf irritierende Weise in sein Leben eingreift und die Grenzen zwischen Alltag und Spiel sich immer mehr auflösen.

Es ist das eine, wenn ein Regisseur es schafft, in einer speziellen Situation eine bedrückende Stimmung aufzubauen. Wenn er das schafft, kann man den Regisseur schon mal als gut bezeichnen. Aber das, was David Fincher in The Game von Anfang bis zum Ende durchhält, wird äußerst selten übertroffen. Angefangen von einem Rückblick in die Kindheit des Protagonisten hält eine Atmosphäre an, die es schafft zugleich monoton, wie auch bedeutungsschwanger zu sein. Das Szenenbild, das sehr steril wirkt und die Musik, die sich anfangs auf leichte Klaviernoten beschränkt, ziehen hier am selben Strang, wie Douglas‘ zurückhaltendes Schauspiel. Es passiert so viel zwischen den Zeilen, dass der Film zeitweise komplett ohne Dialogzeile auskommt. Im ersten Drittel des Films kommt hinzu, dass Hauptdarsteller Michael Douglas das Bild selten mit mehr als einer Person teilen muss. Er wird als sehr einsamer Mensch charakterisiert, der durch seine Obsession gegenüber der Arbeit sowohl den Kontakt zu seinem Bruder, als auch den zu seiner Frau und Tochter verloren hat. Fincher nutzt die Wirkung der Hintergrundgeräusche, um das darzustellen: So ist anfangs selten überhaupt etwas Anderes zu hören als die Person, die spricht oder die leisen Klaviertöne. Alles in Allem schafft er so eine Stimmung ein, die es völlig nachvollziehen lassen, dass der Kontrollfreak Van Orton sich auf ein Spiel einlässt, von dem er nicht im Ansatz weiß, worum es geht, einfach um aus seinem langweiligen und tristen Alltag auszubrechen. Dass in seinem Leben nichts weiter Wichtiges passiert ist auch in den harten Schnitten zu sehen, die teilweise einen ganzen Arbeitstag überspringen.

Als das Spiel und gleichzeitig der Film ins Rollen kommen, werden diese wesentlich weicher und die Farboptik deutlich dunkler. Van Orton hat sich jetzt ins dunkle Unbekannte begeben und nimmt dies auch so wahr, als er dem Spiel zum ersten Mal als Feind begegnet. Schnell wird ihm klar, dass er besser nicht eingestiegen wäre und Michael Douglas fährt ein weniger zurückhaltendes Spiel auf. Auch den kompletten restlichen Film durch, nimmt man ihm jede Reaktion, die das sehr intelligente und durchdachte Drehbuch vorgibt, ab. Der Zuschauer ertappt sich andauernd dabei, wie er Van Ortons Entscheidungen selber mittrifft, die durch und durch human erscheinen. Die Drehbuchautoren John Brancato und Michael Ferris brechen aus dem Klischee des Bankers als Unmensch aus und geben Michael Douglas‘ Rolle ein wirklich menschliches Gesicht. Die Kamera fährt diesen Kurs wortwörtlich mit, indem sie von der ersten Sekunde an dicht am Protagonisten bleibt. Für kurze Augenblicke ermöglicht sich dem Zuschauer sogar ein Blick aus der Ego-Perspektive, was diesen Effekt großartig unterstützt. Dennoch bleibt der Ton, und hier vor allem die Hintergrundgeräusche, das Mittel, um The Game zu lesen. Anfangs noch sehr auf Van Orton fixiert, wie er selbst, nimmt er mit der Zeit immer mehr Menschen um sich herum wahr. Ganz unten angekommen, nimmt er die Stadtgeräusche gleichgestellt mit sich wahr und verdeutlicht die abgeschlossene Sinnsuche des, zuvor eiskalten und egoistischen, Bankers. So auch zum Ende hin, das einen bis ganz knapp vor Schluss noch auf die falsche Fährte lockt.

Zuletzt – als dann das Spiel aufgelöst wird – erleben wir noch einmal die ganze Stärke des Casts angefangen bei Hauptdarsteller Michael Douglas, der sich in einer sehr schwierigen Situation zurechtfinden muss, über Sean Penn bis hin zu „Christine“ Deborah Kara Unger, die den ganzen Film über äußerst undurchsichtig bleibt und erst zum Schluss für klare Verhältnisse sorgt.

Dennoch bleiben nach der Sichtung von The Game ein paar Dinge unklar. So spielt das Element Zufall im Film keine Rolle, jedes Detail ist Teil eines perfiden, perfekten Plans. Und Zeit oder Raum für menschliche Unzulänglichkeiten finden sich auch nicht, was den Film leider wieder sehr weit weg von der Darstellung der Realität rückt, die er durch die Rolle des Nicholas van Orton erreichte. Es wirkt so, als ob dieses Element einfach der Spannung wegen geopfert wurde und dass sich, wenn man etwas unter die Oberfläche des Filmes sieht, der Zauber dieser Spannung auflöst. Denn gerade zum Ende hin, wenn ein plot twist den anderen jagt, hätte dem Film ein bisschen mehr Menschlichkeit gutgetan, um nicht ganz so überladen zu wirken. Hätte man ca. die letzten 6 Minuten weggelassen, den Film zu einem konsequenten Ende gebracht und ihn etwas eher geerdet gehalten, er hätte David Finchers bester Film sein können.

Dennoch ist und bleibt The Game nicht zuletzt wegen eines brillant aufspielenden Michael Douglas ein sehr überdurchschnittlicher Film und ein wahrer Fincher und darum vergebe ich 4,5 / 5 Hüten.

The Game Bewertung
Bewertung des Films
910
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3 Kommentare - Moviejones distanziert sich von Userbeiträgen.
sid
Gojira
25.08.2016 | 17:55 Uhr25.08.2016 | Kontakt
Jonesi

Fast hätte ich die Review übersehen vor lauter Suicide Squad-Kritiken...Einer der spannendsten Filme, die ich je gesehen habe. Hat mir persönlich viel besser gefallen als Gone Girl, was möglicherweise auch am Vergleich(en) lag.

Erst dachte ich, der Film ist - wie einige Thriller - nur zum Einmalsehen gedacht (da ist er natürlich am besten), aber wenn er im TV kommt, bleibe ich doch immer wieder hängen.

WiNgZzz
Moviejones-Fan
Geschlecht | 24.08.2016 | 11:48 Uhr24.08.2016 | Kontakt
Jonesi

Wie viele von Finchers Filmen absolut fantastisch! Muss ich mir wirklich bald nochmals zu Gemüte führen!

Ach komm...

pursuyt
Moviejones-Fan
Geschlecht | 24.08.2016 | 10:36 Uhr24.08.2016 | Kontakt
Jonesi

Bitte bestätigt mir nicht, dass wirklich niemand diesen genialen Film angeschaut hat. Die, die noch nicht das Vergnügen hatten, bitte nachholen! smile

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Ich bin traurig, wenn ich keine Pralinen mehr habe.