
Bewertung: 4 / 5
Mit Glennkill - Ein Schafskrimi verfilmt Regisseur Kyle Balda den gleichnamign Bestseller von Leonie Swann als charmante Mischung aus Familienfilm, Krimikomödie und emotionalem Abenteuer. Das eigentliche Highlight sind dabei jedoch die sprechenden Schafe selbst, die den menschlichen Figuren erstaunlich oft überlegen erscheinen.
Glennkill - Ein Schafskrimi: Kritik zur ungewöhnlichen Buchverfilmung
Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) geht mit seinen Tieren gut um. Er stellt eine große Wiese bereit, füttert und pflegt sie und gibt ihnen Medizin. Jeden Abend liest er ihnen, als großer Krimifan, eine Geschichte vor. Er glaubt zwar nicht, dass sie ihn verstehen, doch ist genau das tatsächlich der Fall. Eines Nachts wird George jedoch ermordet und die Schafe überlegen, es einfach zu vergessen. Sie entscheiden sich aber dagegen und wollen den Mord aufklären. Die Schafe Lily, die als klügste der Herde gilt, Mopple, der nichts vergessen kann, und Sebastian, der als einsamer Wolf gilt, untersuchen ebenso wie der Journalist Elliot Matthews (Nicholas Galitzine) jedes Detail. Doch die Realität ist weitaus komplizierter und chaotischer als ein Buch.
Die Schafe stehlen allen die Show
"Wisst ihr, wie Menschen Leute nennen, die zu dumm sind, einen eigenen Gedanken zu fassen? Schafe," erklärt eines der wolligen Tiere, als die Herde den Mord an ihrem Hirten aufklären möchte. Die Schafe in Glennkill - Ein Schafskrimi aber sind alles andere als dumm. Einige sind vielleicht tollpatschig und naiv, aber sie sind mutiger und hartnäckiger als es zunächst den Anschein hat. Vor allem aber halten sie trotz ihrer Eigenheiten zusammen - egal ob jemand wegen seines Fells nicht richtig sehen kann, jemand ängstlich ist oder jemand nicht ganz so clever ist.
Das hilft den Tieren auch, den herrlich überzeichneten menschlichen Figuren einen Schritt voraus zu sein. Die mögen sich und vor allem George nämlich nicht wirklich, weshalb sie sich nur aus eigennützigen Gründen für die Aufklärung des Mordes interessieren. So etwa der Metzger, der in einer Szene zur Schafswiese fährt und schon mal vorsorglich anfängt zu zählen. Eine von vielen Szenen, in denen der Humor des Films zuverlässig zündet. Glennkill - Ein Schafskrimi erzählt somit unter anderem vom Zusammenhalt einer Gruppe in leichten und schwierigen Zeiten - und das auf äußerst unterhaltsame Weise.
Überraschend emotional statt nur albern
Perfekt ist die Schafsherde aber nicht - genauso wie deren Zusammenhalt. Schafe, die im Winter geboren werden, gehören nicht zur Herde und werden grundlos ausgestoßen. So etwa das namenlose Winterlamm. Ebenso ist Sebastian kein vollwertiges Mitglied und verzichtet lieber auf die Anwesenheit der anderen. Genau hier entwickelt Glennkill - Ein Schafskrimi eine emotionale und starke Nebengeschichte über Zugehörigkeiten und Ausgrenzung, die uns zwischenzeitlich ziemlich betrübt und berührt hat. In internationalen Kritiken wird häufig angemerkt, der Film sei deutlich emotionaler, als es die Trailer vermuten ließen. Das können wir klar bestätigen.
- Die Resonanz zum Film im Überblick: Positive Kritiken zu "Glennkill - Ein Schafskrimi"
Falls der Film mit der Familie geschaut werden soll, können wir euch trotzdem beruhigen. Zwar schlägt der Film besonders im Mittelteil etwas ernstere Töne an, dauerhaft bedrückend wird Glennkill - Ein Schafskrimi jedoch nie. Nichtsdestotrotz nimmt Regisseur Kyle Balda das Publikum ernst und traut ihm auch zu, ein bisschen Kummer zu verkraften. Schließlich gehören auch die schmerzhaften Momente zum Leben eines Schafs (und Menschen) dazu, um das Schöne am Vergangenen weiterleben zu lassen, wie uns Schaf Mopple erklärt. Glennkill - Ein Schafskrimi ist eine klare Mischung aus Familienfilm und Whodunnit, die sich irgendwo zwischen Paddington und Knives Out - Mord ist Familiensache einordnen lässt.
Humor funktioniert für Kinder und Erwachsene
Wir haben bereits erwähnt, dass die Figuren herrlich überzeichnet sind. Gerade zu Beginn ist der Dorfpolizist sehr ungeschickt. Die Art und Weise, wie Nicholas Braun das spielt, hilft den lustigen Dialogen dabei, voll aufzugehen. Auch die restlichen Darsteller machen ihren Job wirklich gut. Die Bildschirmpräsenz von Emma Thompson als Anwältin ist derweil fabelhaft und sie verleiht ihrer Rolle sowohl die nötige Autorität als auch einen besonderen Charme.
Gemeinsam mit den Figuren zünden die Gags daher auch fast immer und wir saßen mit einem breiten Lächeln im Kinosaal. Von albernen und kindgerechten Witzen bis hin zu Witzen, die auch Erwachsene zum Lachen bringen, ist alles dabei. Dass der Film überhaupt so gut funktioniert, liegt auch an den guten Effekten bei den Schafen. Die sehen glaubwürdig aus und reißen uns nicht ständig aus dem Filmgeschehen heraus.
Der Kriminalfall bleibt eher simpel
Natürlich ist der Mordfall Glennkill - Ein Schafskrimi etwas vorhersehbar und der oder die Schuldige ist für den Zuschauer auch recht schnell gefunden. Wir glauben aber nicht, dass das hier der Anspruch ist. Vielmehr geht es um eine spaßige und zugleich emotionale Geschichte, die ihrem Publikkum zutraut, mehr als "nur" den Mordfall zu sehen. Es gibt auch ein bis zwei kurze Längen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen.
Fazit - Wie gut funktioniert die Buchverfilmung?
Das Überzeugende an Glennkill - Ein Schafskrimi ist nicht der eher klassische Krimi, sondern vielmehr die warmherzige Familiengeschichte über Zusammenhalt, Ausgrenzung und Verlust. Gerade weil der Film sein Publikum ernst nimmt und emotionale Themen nicht scheut, bleibt die Buchverfilmung länger im Gedächtnis als viele andere Familienkomödien. Gerade die Mischung aus überraschend ernsten Themen, Humor und Wärme hebt Glennkill - Ein Schafskrimi angenehm von vielen ähnlichen Familienfilmen ab.
Glennkill - Ein Schafskrimi läuft seit dem 14. Mai in den deutschen Kinos.


