
Bewertung: 1.5 / 5
Habt ihr diesen Sommer wegen der Temperaturen besonders viel Lust auf leckere Eiscreme? Dann solltet ihr lieber Eisdiele eures Vertrauens pilgern, statt ins Kino, um den neuen Slasher Ice Cream Man von Eli Roth (Borderlands) zu schauen. Denn hier führt die kühle Nascherei zu einer Horde tötender Kinder. Doch selbst die wenigen Ansprüche, die so ein Film des Genres wegen hat, verfehlt er deutlich. Für wen sich ein Kinobesuch trotzdem lohnen könnte, lest in unserer Kritik.
Ice Cream Man Kritik
In einer idyllischen Vorstadt sind die Kinder im Sommer mit ihren üblichen Aktivitäten beschäftigt. Als die Melodie eines Eiswagens ertönt, können sie es kaum erwarten, eine Kugel Eis zu essen. So auch Jared (Charlie Zeltzer), dessen Schwester Lizzie (Sarah Abbott) ihn jedoch an seine Laktoseintoleranz erinnert. Dass sie ihn damit davor bewahrt, sich wie die anderen Kinder in willenlose Wesen zu verwandeln, die die Erwachsenen umbringen, erfahren sie allerdings erst am nächsten Tag. Nun müssen sie mit wenigen anderen Kindern, die noch nicht verwandelt sind, einen Weg finden, den Ice Cream Man (Ari Millen) aufzuhalten.
Trailer zu Ice Cream Man
Grauenvolle Dialoge, die schlecht synchronisiert sind
Beim Ice Cream Man fangen die Probleme von Ice Cream Man schon an. Denn mal nennt Jared ihn exakt so, mal ist es nur der Eismann. Das mag kleinlich klingen, allerdings machen die Synchronsprecher ihren Job im Allgemeinen nicht besonders gut. Teilweise wirken ganze Gespräche daher extrem künstlich. Das liegt aber auch an den Dialogen selbst. Eli Roth hält sich wohl für richtig jung und cool, anders lässt sich die übermaßige Verwendung scheinbarer Jugendsprache im ersten Drittel kaum erklären.
Es gibt etwa eine viel zu lange Szene, in der Jared und Lizzie mit ihrer Familie essen. Nicht nur sind die Dialoge so uninteressant, dass den Hinweisen, die für das Ende gestreut werden, gar nicht erst zugehört wird. Die Mutter (Karen Cliche) spricht zusätzlich noch davon, dass es als "Boomer" ihre Aufgabe sei, "cringe" zu sein. Auch Eli Roth als Vater darf ein paar hippe Wörter in den Mund nehmen und die nicht existente Failiendynamik aufbauen. Im weiteren Verlauf werden die Dialoge, teilweise, besser, was sich aber vor allem damit erklären lässt, dass sie weniger werden.
Ernste Geschichte, absurde Atmosphäre
Nun hätte dieses Werk noch Potenzial als Horrorkomödie. Denn es gibt durchaus spaßige Momente. Wenn Jared mitten im Chaos randalierender Kinder, diese mit einer abgetrennten Hand fernhält, statt einfach zu fliehen, ist das dumm und kann daher auch lustig sein (man erinnere sich an die Anfangssequenz des ersten Scary Movie). Auch ein Mann auf einem Hoverboard, der sich darüber lustig macht, dass die Kinder ihn nicht bekommen, nur um kurz darauf seinen Kopf zu verlieren, sorgt für Lacher.
Diesem derben und simplen Humor steht allerdings die Tonalität des gesamten, restlichen Films gegenüber. Denn Jared, Lizzie und ihre Gefährten sollen uns wichtig und sympathisch sein. Sind sie aber nicht. Die Hintergrundgeschichte des Ice Cream Mans soll tragisch sein. Sie ergibt aber nur wenig Sinn, wenn man ein wenig drüber nachdenkt. Und vor allem sollen diese Kinder eine Bedrohung darstellen. Und selbst das funtkioniert nie so, dass uns vor Spannung der Atem stockt oder wir uns gar gruseln.
So weiß Ice Cream Man einfach nicht, ob er jetzt lustig und dumm, oder ernst und erschreckend sein möchte. Selbst die Schauspieler helfen uns da nicht aus, denn sie bekommen entweder keine Chance, gut zu spielen, oder sie können es einfach nicht. Überzeugt hat uns jedenfalls niemand, wenngleich einige Auftritte zumindest solide sind.
Als Slasher kaum interessant
Die Provokation, Kinder als Mörder auf Erwachsene loszulassen, wird wohl ohnehin das Hauptargument sein, weshalb sich die meisten Leute den Film ansehen. Doch sind die Kills lange nicht so spannend wie etwa bei Terrifier. Es gibt exakt eine Szene, die aus dem Eis-Thema etwas spannendes macht, die hat man allerdings schon im Trailer verschossen. Alle anderen Kills glänzen vor allem durch viel CGI, wenig Schockeffekte und kaum Kreativität. Die Menge an Chaos und Tod im mittleren Teil verliert schnell jeglichen Reiz, zumal die beiden anderen Drittel eher langweiliger daher kommen.
Die Kameraarbeit ist ähnlich uninspiriert, vor allem im Chaos nervt sie sogar eher. Die Effekte sind immerhin ordentlich, dafür gibt es Kritik an der möglichen Verwendung von KI in den Zeichentrickausschnitten. Wir können den Vorwurf nachvollziehen, ob es aber wirklich KI ist, können wir nicht beurteilen.
Fazit
Mit einer viel zu langen und aufgrund der Dialoge unangenehmen Einleitung, einem uninspirierten und tonal seltsamen Chaos in der Mitte und einem bedeutungslosen Ende ist Ice Cream Man eine komplette Enttäuschung. Die Kills sind nicht spannend, Darsteller und Dialoge schrecklich und der Film kann sich nicht entscheiden, ob er nun ein albernes Schlachtfest oder ein ambitionierter Horrorfilm sein möchte. So ist Eli Roths neuestes Werk gar nichts von beidem, sondern vor allem einfach nicht gut.
Hier setzt auch unsere eingeschränkte Empfehlung an: Falls ihr Spaß an dummen Slashern habt, die nicht gut sind oder einfach einen entspannten Abend ohne die Notwendigkeit des Denkens mit euren Freunden haben wollt, dann könnte Ice Cream Man etwas für euch sein. Denn als lustige Kinoerfahrung eignet sich der Film wegen seiner Qualität durchaus (und das meinen wir eher negativ).


