
Bewertung: 3 / 5
Spätestens seit Backrooms sind Liminal Spaces, also stark frequentierte Räume wie Gänge, Treppen oder Bahnhöfe, die ohne Menschen unheimlich wirken, in aller Munde. International gab es vor dem A24-Erfolg von Kane Parsons aber noch einen Film, der mit eben jenem Phänomen spielt: Exit 8. Knapp vier Monate später als in den USA startet die japanische Produktion nun auch endlich in Deutschland. Dabei weiß der Film mit seinem Konzept durchaus umzugehen, überzeugt uns aber nicht auf ganzer Linie.
Exit 8 Kritik
Ein junger Mann (Kazunari Ninomiya) telefoniert gerade mit seiner Ex-Freundin (Nana Komatsu), als mitten beim Verlassen der U-Bahn-Station in einem ungüngstigen Moment die Verbindung abbricht. Er sucht den Ausgang stellt jedoch fest, dass er immer wieder im gleichen Gang landet, in dem ihm der gleiche Mann (Yamato Kochi) entgegen kommt. Nur wenn die Regeln befolgt und alle Anomalien entdeckt und umkehrt, kann er entkommen. Dass ihm bei seiner Suche nach dem Ausgang ein Junge (Naru Asanuma) begegnet, der seine Mutter verloren hat, macht die Sache nicht einfacher.
Kurzes Videospiel in Filmlänge
Bei Exit 8 handelt es sich streng genommen um eine Videospielverfilmung des Spiels The Exit 8, welches von Kotake Create entwickelt wurde. Daran wird sich vor allem optisch orientiert, sodass wir die ersten Minuten gar aus der Perspektive des verlorenen, jungen Mannes sehen. Auch die Gestaltung der Gänge ist nah beim Original. Daraus lässt sich jedoch noch kein 94 Minuten langer Film kreieren. Schließlich braucht es dafür auch eine mitreißende Geschichte.
Daran hat Regisseur Genki Kawamura gedacht. Zu Beginn und vor allem in der zweiten Hälfte bricht Exit 8 das erstmal eintönige Konzept der liminalen Räume mit Geschichtsfetzen und Rückblenden auf. Das funktioniert zwar so gut, dass uns die Charaktere fortschreitend wichtiger werden und wir auch emotional berührt werden, allerdings passiert das alles eben auch recht spät. So begleiten wir zuerst jemanden, der uns nicht mal besonders sympathisch ist, nichts sagt und nicht besonders rational handelt. Das ist gerade so spannend genug, dass die Zeit bis zur tieferen Geschichte überbrückt werden kann. Richtig Fahrt bekommt der Film so aber nur am Ende.
Abhilfe schaffen da zwei Dinge. Das Konzept, jede Anomalie bemerken zu müssen, lädt uns Zuschauer dazu ein, ebenfalls auf alles ganz genau zu achten. Aufgrund der Eintönigkeit und der teilweise nicht nachvollziehbaren Handlungen der Charaktere, ist der Effekt zum Ende des Films aber schon wieder erloschen. Hilfreich ist ebenso ein zwischenzeitlicher Perspektivwechsel, der uns die U-Bahn-Station nochmal aus einer anderen perspektive erleben lässt.
Mitreißende Musik und gute Darsteller
Während der Film mit seiner Geschichte ein wenig langsam und unterwältigend ist, überzeugen uns dafür die Darstellerleistungen. Yamato Kochi bekommt zwar nur wenig Raum, um sich schauspielerisch austoben zu dürfen, das macht er dafür aber sehr solide. Vor allem Kazunari Ninomiya und Naru Asanuma wachsen uns mit der Zeit aber ein wenig ins Herz und tragen den Film auf ihre eigene Weisen.
Die Musik macht derweil einen ebenso guten Job. Für unsere Verhältnisse ist die zwar teilweise etwas drüber, in der Regel überzeugt sie uns aber mit stimmungsvollen Themen. Gerade die emotionaleren Szenen sowie die "Titelmelodie" beim Betreten des Gangs sind einfach mitreißend.
Überzeugend sind auch die Effekte, insbesondere bei einer der gruseligeren Szenen mit besonderen Tieren. Diese sehen gut aus und ekeln uns. Allerdings spielt Exit 8 deutlich weniger mit Horror und gruseligen Situationen, als man es anhand der Trailer und des Backrooms-Vergleichs vermuten mag. Die Vorlage ist zwar ebenso nicht im Horror-Genre einzuordnen, für den Film bedeutet das dennoch, dass einiges an Intensität fehlt.
Fazit
Für Fans des Phänomens der Liminal Spaces, ist Exit 8 eine Empfehlung. Der Film weiß mit seinem Konzept gut umzugehen und kann dieses auch größtenteils spannend verpacken. Dennoch fehlt es uns an Spannung und Intensität und wenn sie doch mal kommt, ist der Film auch schon zu Ende. Dafür hinterlassen Musik und Darsteller einen positiven Eindruck. Wenn euch auch Backrooms gefallen hat, bekommt hier nicht einfach nur mehr vom Gleichen, sondern eine durchaus interessante Abwandlung, die aber auch weniger Horror beinhaltet.


