AnzeigeR
AnzeigeR
AnzeigeR

Vaterland

Kritik Details Trailer News
Wenn die Familie der Heimat gleicht

Vaterland Kritik

Vaterland Kritik
0 Kommentare - 09.09.2026 von Moviejones (Elijah H.)
Wir haben uns "Vaterland" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Vaterland

Bewertung: 4.5 / 5

Was oder wen kann man eigentlich als "Heimat" bezeichnen? Viele würden diese vermeintlich banale Frage vermutlich mit der Angabe ihres Familiennamens und ihrer Adresse beantworten, doch was, wenn man gezwungen ist, aus eben jenem Heimatland zu fliehen und es später ganz verändert wieder vorfindet?

Dieser Frage geht der biografisch anmutende Schwarz-Weiß-Streifen Vaterland des polnischen Filmemachers Pawel Pawlikowski (Cold War - Der Breitengrad der Liebe) auf den Grund, welcher dieses Jahr beim Filmfestival in Cannes Premiere feierte und für dessen Regie prämiert wurde.

Seit dem 3. September können Kinogänger das Werk auch hierzulande sehen, das mit der Oscarnominierten Sandra Hüller (Anatomie eines Falls) nicht nur prominent besetzt ist, sondern welches zugleich auf eine tiefgründige, kurzweilige Reise in die Vergangenheit einlädt. Ob wir euch den Arthousefilm ans Herz legen können, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Thomas Mann (Hanns Zischler) und seine Tochter Erika (Sandra Hüller) reisen zur Hoch-Zeit des Kalten Kriegs im Jahr 1949 vom sonnigen Kalifornien ins vom Zweiten Weltkrieg gebeutelte Deutschland. Was sie dort vorfinden, sind Ruinen, Überbleibsel der NS-Diktatur und ein von den USA und der Sowjetunion gespaltenes Land, das wenig mit jenem zu tun hat, welches der angesehene Literaturnobelpreisträger vor über 15 Jahren verließ. Während ihrer Reise, trifft Vater und Tochter, neben den Bemühungen von Ost und West, ihn für ihre Zwecke zu gewinnen, ein Schicksalsschlag, der ein Bild der Familie Mann sichtbar macht, das dem gespaltenen Deutschland gar nicht so unähnlich sieht …

Kritik - Vaterland

Im Vordergrund des Films steht natürlich die Bebilderung des Nachkriegseuropas und die Verdeutlichung dessen durch die schicksalhafte Reise von West nach Ost. Visuell bekommen wir allerhand Eindrücke geboten, unter anderem etwa Trümmer von zerbombten Gebäuden und Straßen. Der eingangs erwähnte Schwarz-Weiß-Look, sowie der gezielte Dreh im 1,33:1-Format (4:3) verleihen aus optischer Perspektive einerseits eine gewisse räumliche Enge, andererseits eine omnipräsente Melancholie, die ideal zum Stimmungsbild und zum politischen Pulverfass der damaligen Zeit passt.

Inhaltlich gibt es ein paar Gegebenheiten, die Pawel Pawlikowski mit seinem Co-Autoren Hendrik Handloegten für den Film anglich. So fuhr Thomas Mann eigentlich mit seiner Frau Katia durch Deutschland und auch der Schicksalsschlag ereignete sich lange vor der Reise. Diese Abänderungen tun dem filmischen Erlebnis aber keineswegs einen Abbruch, sondern machen die interessante, familiäre Dynamik erst möglich.

Pawlikowski legt großen Wert auf meist lange Einstellungen, um seinen Figuren emotionalen Raum zu geben, was gerade bei der schlichten, aber höchst effizienten Anfangssequenz zur Geltung kommt. Die Kameraarbeit von Łukasz Żal gestaltet sich oft statisch, jedoch ist sie immer unmittelbar präsent, wenn es im Hotelzimmer beispielsweise zum Streit der Familie Mann kommt. Der gut getaktete Gegenschnitt bei Dialogen trägt sein Übriges dazu bei, dass emotionalere Szenen, unserer Meinung nach, so gut funktionieren.

Auch die Musik spielt in Vaterland eine tragende Rolle und geht dafür genreübergreifend ineinander über. Neben der brav von einem FDJ-Chor vorgetragenen DDR-Hymne hin zu Schellack-Schlagern und Mozart- und Bach-Sinfonien ist musikalisch so einiges vorhanden, was die Familie Mann mit der Zeit und mit sich selbst verbindet. Das von Marcin Masecki komponierte Orgel-Thema findet sich im Laufe des Films des Öfteren wieder und macht den Verlust und die Trauer akustisch greifbar.

Das Herzstück von Vaterland ist allerdings das von Sandra Hüller und Hanns Zischler porträtierte Vater-Tochter-Duo, dessen Spiel man nur zu gern zusieht. Die Toni Erdmann-Darstellerin, die im kommenden Oktober in Digger an der Seite von Tom Cruise zu sehen ist und mit dem Historiendrama Rose 2027 für Österreich ins Oscarrennen geht, erinnert uns noch einmal daran, welche Aura sie ausstrahlt und was für eine tolle Charakterdarstellerin sie ist.

Während Hüller nämlich die emotionale Erika spielt, die die Ambitionen beider Siegermächte mehr als nur anzweifelt und ihren Vater für seine eigensinnigen Ansichten verurteilt, gibt Zischler den in die Jahre gekommenen Schriftsteller, der seine Heimat kaum wiedererkennt und kein großes Interesse an einer Versöhnung mit seinem Sohn Klaus hegt. In weiteren Nebenrollen stehen Devid Striesow, August Diehl und Milan Peschel vor der Kamera, die mit ihren Rollen den Druck auf Erika und Thomas erhöhen und sie nach ihrer wahren Heimat fragen lassen.

Mit einer Lauflänge von straffen 82 Minuten ist Vaterland recht schnell erzählt und man ist eigentlich nicht bereit, der Familie und ihrer aufwühlenden Odyssee schon wieder den Rücken zuzukehren. Dies ist auch unser einziger Kritikpunkt, da wir uns ruhig noch etwas mehr Lauflänge gewünscht hätten, um mit weiteren Stationen die Rückkehr ins Vaterland ein kleines bisschen auszudehnen.

Fazit

Mit Vaterland erwartet euch ein arthousiges Historien-Biopic, das sich zwar künstlerische Freiheiten nimmt, dafür aber mit seiner unkonventionellen Inszenierung und den Parallelen vom Heimatland zur Familie überzeugt. Das Lead-Duo ist ideal besetzt und kreiert eine besondere Atmosphäre mit seiner Performance, während vor allem Sandra Hüller der Emotionswelt des Films Leben einhaucht.

Der breit gefächerte Score sowie der minimalistische Look tragen zum passenden Gesamteindruck bei, lediglich die recht kurze Lauflänge können wir als Manko aufführen, da der Film sonst vielleicht sein maximales Potenzial voll hätte ausschöpfen können.

Vaterland Bewertung
Bewertung des Films
910

Weitere spannende Kritiken

Die Vergessene Insel Kritik (Redaktion)

Eine Freundschaft, die niemals vergisst

Poster Bild
Kritik vom 12.10.2026 von Moviejones - 1 Kommentar
In Zeiten von faden Fortsetzungen und träger Animationskost ist DreamWorks Animation eine echte Überraschung gelungen. Die Vergessene Insel erweist sich als berührendes, visuell mutiges Fantasyabenteuer über das Wesen wahrer Freundschaft, das weit über typische Kinderunterha...
Kritik lesen »

Digger Kritik (Redaktion)

Zerstört Tom Cruise die Welt?

Poster Bild
Kritik vom 02.10.2026 von Moviejones - 13 Kommentare
Mit Digger startete der neue Film von Alejandro González Iñárritu in den Kinos. Der erfolgreiche mexikanische Regisseur, Autor und Produzent besetzt die Hauptrolle mit Tom Cruise und inszeniert eine bitterböse Realsatire.Digger Rockwell ist im Ölgeschäft täti...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Was denkst du?
Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!

Forum Neues Thema
AnzeigeR