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Young Adult Kritik

Young Adult Kritik
1 Kommentar - 18.02.2012 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Young Adult

Bewertung: 4.5 / 5

Außen zwar noch ganz ansehnlich, innen aber ziemlich abgenutzt: Eine junge Erwachsene ist Mavis laut Filmtitel. Doch die 37-jährige Blondine ist weder jung noch erwachsen. Als ewiger Teeanger hat sie sich nicht die guten, unschuldigen Seiten bewahrt, sondern die zickigen. Für Mavis ist das Leben ein Hofstaat, der ihr gefälligst zujubeln soll. In der Highschool hat das noch ganz gut geklappt. Doch die Zeiten sind in Jason Reitmans tragischer Komödie Young Adult längst vorbei. Trotzdem setzt die brillante Charlize Theron in der Hauptrolle Himmel und Hölle, vor allem Hölle, in Bewegung, um ihre längst verwelkte Jugend festzuhalten.

Mavis schreibt Romane für eine einst erfolgreiche Jugendbuchreihe, als Ghostwriterin mit Pseudonym. Sie hat es aus ihrem Provinzkaff herausgeschafft, lebt jetzt in der Metropole. Doch das ist eben auch nur Minneapolis, Minnesota. Ganz ehrlich: Sie ist nur irgendwie semi-erfolgreich, irgendwie semi-cool, ihr Leben ist irgendwie semi-lebenswert. Das fasst Reitman in den ersten paar Minuten wunderbar zusammen. Lustlosigkeit in der Endlosschleife, beim Schreiben, Gassi gehen, Saufen, Vögeln, Fernsehen.

Und dann holt sie ihre Vergangenheit ein: Ihr Highschool-Darling Buddy (Patrick Wilson) ist Vater geworden. Er lebt ein normales, bürgerliches Leben - und ist glücklich damit. Glück ist genau das, was Mavis nicht hat. Eigentlich auch nie hatte und keinem anderen gönnt. Aber das sieht sie natürlich anders. Es kann doch nicht sein, dass Familie, Haus und ein stinknormaler Job alles sein können. Was sind das für Spießer in ihrer Heimat. Sie haben alle keine Ahnung, und überhaupt: Sie war das schönste und beliebteste Mädchen an der Highschool. Es ist ihr verdammtes Recht, in ihr Heimatkaff Mercury zurückzukehren und Buddy den Klauen seiner spießigen Existenz zu entreißen.

Mit ruhigen Ton und der Komik der Verzweiflung erzählt Young Adult von großen Lügen und kleinen Wahrheiten. Das fantastische Drehbuch stammt von Oscargewinnerin Diablo Cody, die nach Juno zum zweiten Mal mit Jason Reitman zusammenarbeitet. Eine fruchtbare Beziehung, weil Cody ihren Figuren ehrlich schnoddrige Dialoge in den Mund legt und Reitman präzise inszeniert, nah dran ist und trotzdem Distanz wahrt. Er zeigt Mavis, wie sie ist: eine fürchterliche Schlampe, aber eben auch eine verlorene Seele. Man muss sie verabscheuen, hat aber gleichzeitig Verständnis für diese traurige Figur. Zumindest aber Mitleid, wie alle ihre Bekannten.

Denn beliebt war Mavis nie, sie hat es auch nie gelernt, andere zu akzeptieren. Oder sich einzugestehen, dass ihr Leben die Geschichte eines Scheiterns ist, dass hinter ihrer Schminke die Falten des Vergänglichen lauern und ein Wonderbra die Schwerkraft nicht aufhalten kann. Sie ist eher kindisch als jung geblieben: Mit Mavis' Rückkehr zieht der Terror ein in Mercury. Sie macht kaputt, was sie kaputt machen kann.

Präzise beobachtet, unsentimental geschildert - Reitman und Cody schicken Mavis durch ein Fegefeuer, dass sie selbst kräftig anheizt. Das ist ganz schön befremdlich und zynisch: Young Adult destilliert die tragische Komik des Lebens in grotesken Szenen, die mit leichter Feder gezeichnet und von Charlize Theron mit Mut zur Hässlichkeit grandios gespielt sind. Zum Beispiel wenn sich Mavis mit dem dicken, unattraktiven Matt (Patton Oswalt) verbündet. Der wurde an der Highschool einst zum Krüppel geschlagen, was Mavis nie interessierte. Nun aber braucht sie ihn, und er lässt sich gebrauchen.

Aber Matt bleibt realistisch und spricht bei Saufgelagen mit selbstgebranntem Bourbon die Wahrheiten aus, die Mavis nicht hören will: Man lacht nicht mit ihr, man lacht über sie. Sie ist eine gescheiterte Existenz. Kann man sich das eingestehen? Mavis denkt ganz kurz darüber nach. Will sie sich ändern? Entdeckt sie vielleicht ein verschüttetes besseres Ich? - Jason Reitman und Diablo Cody, das macht ihre Größe aus, zeigen das wirkliche Leben. Und das ist manchmal bitterer als erwartet. Aber eben auch unterhaltsam und fesselnd. Weil es nicht nur die besten, sondern auch die ehrlichsten Geschichten schreibt.

Young Adult bekommt 4,5 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Andreas Fischer)

Young Adult Bewertung
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910
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