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Lincoln

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Topbesetzter Geschichtsunterricht

Lincoln Kritik

Lincoln Kritik
34 Kommentare - 28.12.2012 von Moviejones
Wir haben uns "Lincoln" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Lincoln

Bewertung: 3 / 5

"Wenn Sklaverei nicht falsch ist, ist nichts falsch." - Abraham Lincoln, 1865.

Doch um die Sklaverei abzuschaffen und den verheerenden Bürgerkrieg zu beenden, muss Lincoln (Daniel Day-Lewis) es schaffen, den 13. Verfassungszusatz gegen eine starke Opposition, die Demokraten, durchzusetzen, denen die These der Gleichheit auch für Sklaven zu progressiv erscheint. Auch den Argumenten des für seine Radikalität schon berüchtigten republikanischen Kongress-Abgeordneten Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones) zeigen sich selbst Parteifreunde wenig zugänglich. Doch Lincoln braucht die Stimmmehrheit, und so setzt er all sein Verhandlungsgeschick und all seine ihm möglichen politischen Druckmittel ein, um neben den noch Unschlüssigen seiner eigenen Partei auch Stimmen der gegnerischen Demokraten gewinnen zu können. Derweil leidet seine Familie und Ehe mit Mary (Sally Field) unter diesem schon besessenen politischen Kampf...

Trailer zu Lincoln

Nach Die Farbe Lila, Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan reiht sich Lincoln als weitere historische Verfilmung in Spielbergs Vita ein. Während jedoch die beiden letztgenannten Filme verdient vielfach Preise abräumten, ist der mit Daniel Day-Lewis, Tommy Lee Jones, Sally Field, Joseph Gordon-Levitt und noch manch anderem bekannten Gesicht topbesetzte Film zwar ein interessanter Einblick in die historischen Geschehnisse, politischen Intrigen und die Persönlichkeit des legendären Sklavenbefreiers, jedoch gestaltet sich dieser Einblick über weite Strecken der Filmlänge von rund 145 Minuten äußerst langatmig. Der Film verliert sich in endlosen Szenerien politischer Reden, denen in rhetorischer Schlagfertigkeit aber auch in alberner "Ich mache dich persönlich runter"-Manier Politiker des 19. Jahrhunderts den heutigen anscheinend in nichts nachstanden. Neben diesen und den skrupellosen Politintrigen zum Stimmenfang für einen guten Zweck bleibt zu wenig Raum für einen persönlichen Einblick in diesen Abschnitt von Lincolns Biografie, so dass den Zuschauer die Darstellung der Facetten von Lincolns Charakter als Vater und Ehemann nicht wirklich berühren können.

Keine Frage, die Darstellerriege von Lincoln ist beeindruckend und gibt überzeugend ihr Bestes, allen voran Daniel Day-Lewis (Mein linker FußThere will be Blood) als großartiger Staatsvater, der durchaus eines Oscars würdig wäre, sowie Tommy Lee Jones (Men in Black-Reihe), der als süffisant-radikaler Thaddeus Stevens eine fast schon bösartige Augenweide ist. Sehr glaubwürdig ist auch Lincolns Alterungsprozess zu beobachten, bei dem die Maske ganze Arbeit leistete. Spielberg, der neben der Regie auch produzierte, hat sich eigentlich mit einem legendären Präsidenten und einer spannenden Zeit der amerikanischen Historie ein erfolgversprechendes Thema für eine Verfilmung ausgesucht, die zum Teil auf dem Buch "Team of Rivals: The Political Genius of Lincoln" von Doris Kearn Goodwin basiert. Jedoch gestaltet sich nach einem guten Einstieg mit Einführung der Personen der Mittelteil äußerst langatmig. So spannend es ist, politische Druckmittel und Intrigen beim Stimmenfang zu verfolgen, ermüdet dies auf Dauer doch zu sehr, um sich vom Geschehen ausreichend fesseln zu lassen. Interessant ist dennoch das neue Bild, dass der Zuschauer von dieser legendären Persönlichkeit bekommt - denn was für ein knallharter Machtmensch Lincoln war, steht nicht in den Geschichtsbüchern. Für die Durchsetzung des besagten Artikels greift er im entscheidenden Moment zu einer Lüge, derer es in ihrer gewagten Art sicher nicht viele in der amerikanischen Historie gab. Und die wieder einmal die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt, auf den Plan ruft. Insgesamt beweist ein Film wie Lincoln erneut, dass Politik zu allen Zeiten ein dreckiges Geschäft war und ist. 

Neben den schon genannten Darstellern sind vor allem noch David Strathaim als Außenminister William Seward und Jared Harris als Ulysses S. Grant hervorzuheben. Sally Field (Nicht ohne meine Tochter) geht dem Zuschauer jedoch mit ihrer hysterisch leidenden Art der Mary Todd Lincoln zum Teil etwas auf die Nerven - auch wenn es genau das ist, was sie wohl darstellen soll und schon in früheren Filmen bewiesen hat, dass sie das wahrlich auch kann. Wie man es bei einem Spielberg-Film auch erwartet, ist das historische Szenenbild stimmungsvoll und überzeugend gestaltet. Der eigentlich spannende Vater-Sohn-Konflikt, der darstellerisch im Spiel von Day-Lewis und Gordon-Levitt (The Dark Knight Rises) überzeugt, ebenso wie die Ehekrise gehen jedoch im ausgedehnten Politreigen dramaturgisch zusehends unter. Ähnlich mag es auch im realen Leben des Präsidenten zugegangen sein, doch sollte es bewusst so inszeniert worden sein, ist dies ein wenig publikumsfreundlich gedachter Ansatz. 

Wir können sagen, dass Lincoln durchaus ein sehenswerter Film ist, der den legendären Präsidenten zudem auch in einem anderen, weniger bravourösen Licht zeigt. Vor allem Day-Lewis und Tommy Lee Jones halten den Schauwert auf einem hohen Level - doch Spielbergs bester Film ist es sicher nicht. Er kann im Vergleich mit früheren Werken wie Schindlers Liste und Der Soldat James Ryan nur verlieren, in denen es Spielberg weitaus mehr gelang, Historisches fesselnd und vor allem emotional berührend auf die große Leinwand zu bringen.

Lincoln Bewertung
Bewertung des Films
610

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