Anzeige
Anzeige
Anzeige

Les Misérables

Kritik Details Trailer Galerie News
Konsequente Musicalverfilmung

Les Misérables Kritik

Les Misérables Kritik
2 Kommentare - 30.01.2013 von Moviejones
Wir haben uns "Les Misérables" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Les Misérables

Bewertung: 4 / 5

1815, Toulon Digne - Sträfling Jean Valjean (Hugh Jackman) wird nach 19 Jahren an der Kette von Aufseher Javert (Russell Crowe) freigelassen. Doch als mitteloser Ex-Sträfling geächtet, nimmt nur Bischof Myriel in Digne (Colm Wilkinson) ihn bei sich auf. Die Zeit als Gefangener hinterließ Spuren bei Valjean und so rächt er sich an Gott und den ihn sowieso als "einmal Dieb, immer Dieb" sehenden Menschen, indem er genau das tut - stehlen. Doch er wird samt der silbernen Kerzenleuchter erwischt, allerdings bezeugt der Bischof, es sei nichts gestohlen worden, sondern alles ein Geschenk. Dieser Schlüsselmoment bewegt Valjean, sein Leben zu ändern...

1823, Montreuil-sur-Mer - Valjean ist untergetaucht und hat sich über die vergangenen acht Jahre unter der neuen Identität Monsieur Madeleine zum Fabrikbesitzer und Bürgermeister hochgearbeitet. Fantine (Anne Hathaway), eine seiner Arbeiterinnen, hat keinen guten Stand in der Fabrik, die ihr uneheliches Kind Cosette (Isabelle Allen) unterstützt, das als Pflegekind der Thénardiers (Sasha Baron Cohen, Helena Bonham Carter) in einem Gasthaus aufwächst. Eines Tages wird Fantine unverdientermaßen entlassen - wovon Valjean nichts erfährt - und um weiterhin an Medizin für ihre Tochter heranzukommen, verkauft sie alles, was ihr bleibt - schließlich auch ihren Körper. Später verhindert Valjeans Einschreiten ihre Inhaftierung, der die abgemagerte, kranke Fantine ins Krankenhaus bringt. Valjean wäre wiederum fast von Javert, der inzwischen Polizeiinspektor ist, enttarnt worden, doch jener hat keine Beweise. Valjean, der schockiert erst jetzt offene Ohren für Fantines Geschichte hat, verspricht der Sterbenden, dass er sich um Cosette kümmern werde. Trotz Javerts Nachstellungen gelingt es ihm, Cosette den Thénadiers abzukaufen und mit dem Mädchen in Paris unterzutauchen...

Trailer zu Les Misérables

Die Oscarnominierungen für Tom Hoopers (The King's Speech) Musicalverfilmung Les Misérables ("Die Elenden"), deren populäre Musicalvorlage von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg wiederum auf dem gleichnamigen 150 Jahre alten Romanklassiker von Victor Hugo beruht, wundern nicht, denn selbst wenn man Musicals nicht mag, ist die Leistung beeindruckend, die Cast und Crew hier auf die Beine gestellt haben. Andererseits muss man Musicals schon lieben, um die tatsächlich konsequente Musicalverfilmung in einer Läge von über 2,5 Stunden genießen zu können - die herzlich wenigen gesprochenen Sätze hätten ruhig unsynchronisiert bleiben können. Was die Darsteller an gesanglicher Leistung, die als OmU präsentiert wird, über diese Länge vollbringen, ist dabei erstaunlich. Das gilt zwar vor allem für die Gänsehaut-Leistung der dafür oscarnominierten Anne Hathaway (The Dark Knight Rises) als verzweifelte Fantine mit dem unter die Haut gehenden Song "I dreamed a dream", aber auch für alle anderen Darsteller und hier noch besonders zu erwähnen Eddie Redmayne mit "Empty chairs at empty tables".

Russell Crowe (Gladiator) als wahrlich tragisch-finsterer Javert wollen wir ebenfalls hervorheben, da sich auch bei ihm darstellerische Natürlichkeit und Gesang unerwartet gut verbinden und er im Gegensatz zu einer ebenfalls beeindruckenden Samantha Barks als Éponine kein Musicalsänger ist. Zudem ist seine Stimmlage auch in den hohen Tönen sehr gefällig. Etwas schwerer wird es da Amanda Seyfried (Das Leuchten der Stille) als Cosette haben, die zwar perfekt trällert, deren insgesamt hohe Stimmlage aber vielleicht nicht jedem Ohr zusagt, so gut diese auch zu ihrer engelhaften und als solche überzeugend gespielten Rolle passen mag. Hugh Jackman (X-Men Origins - Wolverine) ist darstellerisch ein bravouröser Valjean, auch gesanglich sehr beeindruckend, doch in den hohen Tönen dürfte es auch hier Geschmacksache sein, wie angenehm man diese empfindet. 

Ein Manko so mancher Szene in Les Misérables ist jedoch, dass man wohl für den Gesang die Darsteller oft sitzend oder stehend inszeniert hat, Marius hätte am Ende ruhig ein paar Tische oder Stühle umwerfen und mehr Gestik an den Tag legen dürfen. Bei Javert wiederum fühlte man sich fast an Batman erinnert, wie er da einsam in der Nacht hoch über Paris steht. Éponines Gang durch den Regen beim Song "On my own" passt ebenfalls hervorragend und gehört zu den stärksten Gänsehautmomenten. Daniel Huttlestone als der kleine Straßenjunge Gavroche, der diesen schon in einer West-End-Inszenierung des Musicals spielte, kam pfiffig und schön frech daher, hätte aber ruhig noch eine Schippe drauf legen können, an einer bestimmten Stelle hätte er jedoch seine Augen besser im Griff haben sollen.

Die Kamera ist sehr häufig ganz nah dran, was zwar einerseits toll ist, da man in einem tatsächlichen Musical die Darsteller so nah einfach nicht erleben kann, andererseits hätte dies nicht so extrem und nicht so oft mit Wackelkamera eingesetzt werden müssen. Es gab so manche Szene, in der man sich eine etwas weitere und ruhigere Einstellung gewünscht hätte. Natürlich gibt es auch tolle Aufzieher und weite Räume gerade in den Barrikadenszenen, aber auch sonst, die man auf der Bühne so nun einmal nicht umsetzen kann und daher ein deutliches, beeindruckendes Plus der Verfilmung darstellen. Die Art der Aufzieher erinnert hier und da etwas an Moulin Rouge, was nicht jedem zusagen mag. Auch ist manche Kulisse erkennbar, doch da es sich um ein Musical und nicht um ein möglichst authentisches Drama handelt, sind solcherlei Dinge verschmerzbar. Schon eine Szene wie die, wenn Javert durch einen Säulengang auf dem Pferd hinter Valjean herjagt, lässt die schnell vergessen.

Überhaupt wird die Geschichte von Les Misérables spannend, dramatisch, opulent, episch und fast etwas ausufernd erzählt - wenn einen der fast durchgehende Gesang stilistisch nicht abschreckt, der es dabei aber oft schafft, einen noch intensiver in die Handlung zu reißen. Zumal bei einer so tragischen Geschichte, die verbunden mit tragischen Songs einfach kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Es gibt auch leichte und witzige Szenen, vor allem dank der ulkig-fiesen Thénardiers, die mit Cohan und Bonham Carter passender kaum hätten besetzt werden können, aber das sind nicht viele und im Verlauf spitzt sich die Tragik so ziemlich aller Figuren immer mehr zu. Die Lovestory mag manchem auch zu kitschig daherkommen, auch in der Inszenierung: ein aufflatternder Schmetterling beim Auftauchen der Herzensdame kann schmücken oder eben kitschig wirken. Das Gleiche gilt für das dramatische Ende, das manchem auch too much sein könnte.

Insgesamt wird Les Misérables die Geschmäcker spalten, denn wer mit Musicals nichts anfangen kann, wird wahrscheinlich trotz Topbesetzung und der glanzvollen Leistung diesen Film schwer mögen und sich gegebenenfalls eher früheren Verfilmungen zuwenden. Musicalfans dagegen werden begeistert sein, die bekannten Songs von Schönberg und Kretzmer über Träume, Leidenschaft, Liebe, Opferbereitschaft und Erlösung in einer solch aufwendigen Verfilmung zu erleben und Mankos kaum wahrnehmen oder eben leichter verschmerzen können.

Les Misérables Bewertung
Bewertung des Films
810
Galerie Galerie Galerie Galerie Galerie Galerie
DVD & Blu-ray

Weitere spannende Kritiken

Resident Evil - Welcome to Raccoon City Kritik (Redaktion)

Besser, aber nicht gut

Poster Bild
Kritik vom 24.11.2021 von Moviejones - 18 Kommentare
Verglichen mit den letzten Filmen der Resident Evil-Reihe und dem, was man sonst von Videospielverfilmungen erwarten kann, ist Resident Evil - Welcome to Raccoon City fast schon ein Lichtblick. Doch was sagt dies schon aus, wenn die Messlatte so niedrig hängt? Fans werden mit massig Fanservice ...
Kritik lesen »

House of Gucci Kritik (Redaktion)

House of Gaga

Poster Bild
Kritik vom 23.11.2021 von Moviejones - 4 Kommentare
2021 ist durch die ganze, uns momentan treibende Situation immer noch kein wirklich erhebendes Kinojahr, aber immerhin besser als das vergangene. Und daran hat unserer Meinung nach auch Altmeister Ridley Scott seinen Anteil, der vor einigen Wochen mit The Last Duel und nun mit dem lebensechten Thril...
Kritik lesen »
Mehr Kritiken
Horizont erweitern

Was denkst du?
oder direkt auf MJ registrieren Ich stimme den Anmelderegeln beim Login zu!
2 Kommentare
Forum Neues Thema
AnzeigeN