Allein gegen die Zeit

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Jack Bauer meets Indiana Jones

Allein gegen die Zeit Kritik

Allein gegen die Zeit Kritik
0 Kommentare - 13.10.2016 von Moviejones
Wir haben uns Allein gegen die Zeit für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Allein gegen die Zeit

Bewertung: 2 / 5

Von 2010 bis 2012 zeigte KIKA, dass aus Deutschland moderne Unterhaltung kommen kann, die zwar nicht das Rad neu erfindet, sich aber passabel an den großen Vorbildern aus den USA orientiert. Die Serie Allein gegen die Zeit lehnte sich stark an den Abenteuern von Jack Bauer in 24 - Twenty Four an und präsentierte ein ähnliches Serienkonzept, nur mit Kindern. Mit vielen Jahren Verspätung kommt nun der Film zur Serie, wo die Helden von einst noch einmal auftrumpfen können.

Klassenfahrt für Ben, Jonas, Özzi, Leo und Sophie! Seit Jahren sind die drei Jungen und zwei Mädchen dicke Freunde und haben schon viele Abenteuer gemeinsam erlebt. Doch beim Besuch in Hildesheim geraten sie in Kontakt mit einer Sekte, die pünktlich zur Sonnenfinsternis ein uraltes Ritual um die sagenumwobene Irminsul-Statue abhalten will. Während die gesamte Klasse in Gefangenschaft gerät, können die fünf Freunde fliehen und haben nur wenig Zeit, das Ritual zu stoppen und hinter das Geheimnis des Kults zu kommen, denn gerade hinter Jonas sind die Übeltäter her. Warum nur...?

Trailer zu Allein gegen die Zeit

Allein gegen die Zeit Kritik

Es ist immer wieder schön, wenn sich das deutsche TV- und Kinoprogramm aus der Komfortzone bewegt und Themen abseits des erwartbaren Geschichtenpools angenommen werden. Auf diese Weise wurde die Serie Allein gegen die Zeit vor einigen Jahren zum Erfolg und den gilt es natürlich im Kino fortzusetzen. Was dabei herauskam, erinnert aber nicht nur an ein großes Serienvorbild, sondern man fragt sich nicht selten, ob nicht auch Indiana Jones auf der Suche nach der Bundeslade gleich hinterm Baum hervorspringt.

Die KIKA-Serie nahm sich 24 - Twenty Four zum Vorbild, doch was die Jugendlichen in Allein gegen die Zeit leisten, lässt sogar Jack Bauer vor Neid erblassen. Da werden in wenigen Minuten ganze Burgzinnen erklommen und Kontrahenten ausgeschaltet, Abstecher nach Hildesheim und wieder zurück durchgeführt und die Ausrottung einer ganzen Schulklasse in 60 Minuten verhindert. Das ist echt Wahnsinn! Natürlich soll das in erster Linie Jugendlichen gefallen und spannend gemacht ist vieles auch, wenn dann aber in absolut bedrohlichen Situationen noch die ewige Liebe offenbart wird, dann ist das schon arg haarsträubend.

Aus solchen Szenen resultiert eine Unglaubwürdigkeit, die Regisseur Christian Theede einfach nicht schafft auszuräumen. Das fängt bei den unlogischen Szenen an und setzt sich im schlechten Szenenschnitt fort. In einer Szene verstecken sich die Helden in den Burgzinnnen, nur um kurz danach einen gefühlt mehrere hundert Meter tiefen Schacht hinunterzuklettern. Doch statt im tiefsten Verließ entkommen sie im Obergeschoss der Burg. Ernsthaft? Genauso schaffen es die Gegenspieler nicht wirklich, böse zu sein. So hat die Sekte zwar keine Skrupel, Bomben zu zünden, mit Nazis zu kooperieren und eine Klasse rituell zu opfern, aber vor Gewalt schreckt sie zurück, und so bedrohen drei Leute eine ganze Schulklasse, bestehend aus nicht wenigen kräftigen Typen - mit einem Stock...

Genauso unerklärlich ist es, warum stets Klischees bedient werden müssen. Quotenschwarze und neuerdings Quotenchinesen gehen in US-Produktionen ein und aus, unserer lokalen gesellschaftlichen Zusammensetzung geschuldet darf hier natürlich der Quotentürke - sorry, das Gruppenmitglied mit Migrationshintergrund - nicht fehlen. Nicht, dass Ugur Ekeroglu den Jungen Özgür nicht überzeugend spielt, doch warum muss gerade er derjenige sein, der nicht ganz so helle ist und dessen Abi auf der Kippe steht? Das füttert Stereotype und ist einfach scheiße.

Unverzeihlich bei all dem ist aber vor allem die schauspielerische Leistung in Allein gegen die Zeit, die den jugendlichen Zuschauern zugemutet wird. Wir klammern hier die Jungdarsteller explizit aus, die alle einen sehr guten Job machen, insbesondere Janina Fautz, die als Leo ihre Teeniegefühle und die Rettung ihrer Freunde und Klassenkameraden auf die Reihe bringen muss. Hier wächst ein echtes Talent heran, doch im Gegensatz dazu stehen die erwachsenen Darsteller. Was hier geleistet wird, ist mit das Schlechteste, was wir seit sehr langer Zeit im Kino erlebt haben. Violetta Schurawlow als Frau Tuschner schießt den Vogel ab, denn ihre Präsentation würde in jedem anderen Beruf als Arbeitsverweigerung durchgehen. Fast alle Szenen mit ihr, in denen sie unfreiwillig komisch versucht, böse zu schauspielern, sind Fremdschämmomente. Einzig Stipe Erceg kann als Albrecht Stürmer etwas überzeugen und rettet so ein wenig das Ansehen der erwachsenen Darsteller. Natürlich werden Erwachsene in Filmen, in denen es Jugendliche mit Kriminellen zu tun bekommen, immer etwas dümmlich dargestellt, aber gerade in Hinblick auf die Handlung ist das schon dummdreist.

Allein gegen die Zeit Bewertung

Dieser Film ist ganz klar für Fans der Serie gemacht und Jugendliche, die damit aufgewachsen sind, dürften sich auf ein Wiedersehen mit ihren Helden freuen. Ohne Fanbrille ist es aber deutlich schwerer, Allein gegen die Zeit positiv zu sehen, auch wenn die Jungdarsteller alle einen tollen Job machen und die Erwachsenen gnadenlos an die Wand spielen. Immer wieder rettet Janina Fautz den Film mit ihrer Leo und gibt so auch denjenigen einen Grund, sich den Film anzuschauen, die sich versehentlich in den Kinosaal verirrt haben oder all jenen, die abseits der Handlung einfach nur den ein oder anderen YouTube-Star in Gastauftritten sehen wollen.

Allein gegen die Zeit Bewertung
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410
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