
Bewertung: 2.5 / 5
Seit rund einer Woche ist Der Kinderflüsterer auf Netflix zu sehen. Schon die Besetzung macht neugierig: Robert De Niro, Adam Scott und Michael Keaton stehen im Mittelpunkt des düsteren Thrillers. Doch reicht das aus, um einen entspannten Filmabend zu rechtfertigen? Oder sollte man um Der Kinderflüsterer besser einen großen Bogen machen? Wir haben uns für euch auf diese Erfahrung eingelassen.
Tom Kennedy (Adam Scott) zieht nach dem Tod seiner Frau mit seinem Sohn Jake in deren Heimatstadt. Dort verschwinden Kinder, wie schon vor 30 Jahren, und bald gerät auch Jake in Gefahr. Hilfe bekommt Tom ausgerechnet von seinem entfremdeten Vater Pete (Robert De Niro), einem ehemaligen Polizisten. Doch der Täter von damals (Michael Keaton) sitzt noch immer im Gefängnis und kann für die neuen Morde unmöglich verantwortlich sein. Gibt es einen Nachahmer?
Kritik
Interessant ist dabei vor allem, dass Der Kinderflüsterer eigentlich mehrere Geschichten über Väter und ihre Söhne miteinander verbindet. Tom ist selbst angeschlagen und kämpft mit Trauer und Alkohol, würde für seinen Sohn aber alles tun. Pete wiederum muss sich mit seiner eigenen Vergangenheit und dem schwierigen Verhältnis zu seinem Sohn auseinandersetzen. So zeigt der Film ganz unterschiedliche Formen von Familie und Elternschaft, und wie unterschiedlich Kinder mit dem umgehen können, was ihnen ihre Eltern mitgeben.
Gerade weil diese Rollen mit Robert De Niro, Adam Scott und Michael Keaton hochkarätig besetzt sind, funktioniert diese Ebene erstaunlich gut. Die Schauspieler verleihen ihren Figuren eine emotionale Tiefe, die das Drehbuch nicht immer selbst liefern kann. Vor allem die Beziehung zwischen Tom und Pete gibt dem Film einen Kern, der über die eigentliche Serienkiller-Geschichte hinausgeht.
Hinzu kommt das Gruselelement. Der Kinderflüsterer ist nicht einfach nur ein klassischer Krimi über einen Kindermörder. Stimmen, rätselhafte Erscheinungen und das unheimliche Mädchen im blauen Pullover sorgen für eine zunehmend beklemmende Atmosphäre. Gerade diese übernatürliche Note macht den Film in seiner Tonart noch dunkler und düsterer. Immer wieder entsteht das Gefühl, dass hinter den Ereignissen mehr steckt, als sich zunächst erklären lässt.
Doch: Trägt das alles auch als Thriller?
Leider nur bedingt. Die Atmosphäre stimmt, die Besetzung funktioniert und die Vater-Sohn-Geschichte ist durchaus interessant. Die eigentliche Krimihandlung kann mit diesen Stärken allerdings nicht immer mithalten. Einige Entwicklungen sind recht vorhersehbar, und je näher der Film seinem vorhersehbaren Finale kommt, desto stärker macht sich bemerkbar, dass dies kein wirklich herausragender Thriller geworden ist.
Das ist besonders schade, weil Der Kinderflüsterer mit seinen Figuren eigentlich etwas zu erzählen haben könnte. Die Frage, was Eltern ihren Kindern mitgeben, wie sich familiäre Verletzungen weitervererben können und ob man sich von seiner eigenen Vergangenheit lösen kann, ist durchaus ein spannender Ansatz.
Fazit
Der Kinderflüsterer ist kein schlechter Netflix-Abend-Film, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Die hochkarätige Besetzung funktioniert überraschend gut, die Vater-Sohn-Geschichten verleihen dem Thriller emotionale Substanz und das Gruselelement sorgt für eine schön düstere, beklemmende Atmosphäre.
Wer einen unkomplizierten, atmosphärischen Thriller für einen entspannten Abend sucht, kann durchaus für De Niro und Keaton einschalten. Wer allerdings einen wirklich raffinierten Serienkiller-Thriller erwartet, dürfte eher enttäuscht sein.
Unterm Strich bleibt ein solider, gut besetzter und angenehm düsterer Thriller, bei dem die Figuren interessanter sind als der eigentliche Kriminalfall.


