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Raum

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Prädikat: besonders wertvoll

Raum Kritik

Raum Kritik
0 Kommentare - 06.03.2016 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Raum

Bewertung: 4 / 5

Es sind nur 9m², die der fünfjährige Jack in seinem bisherigen Leben kennengelernt hat. Ein einziger Raum, mit einem Bett, einer Badewanne, einer kleinen Küchenzeile, einem Fernseher. Außer durch ein kleines Dachfenster kommt kein Licht herein. Doch für Jack ist das nicht so wichtig, denn da draußen gibt es sowieso nur die "Aliens". Für ihn zählt nur der Raum - und seine Mutter Joy, mit der er glücklich zusammen lebt. Außer nachts. Denn da kommt "Old Nick" in den Raum, und Jack muss sich im Schrank verstecken. Doch eines Tages entschließt sich seine Mutter, Jack die Wahrheit über die Welt da draußen zu erzählen. Sie sagt, es gäbe sie wirklich. Sie sagt, sie hätte selbst einmal dort gelebt. Und sie schmiedet einen Plan, wie Jack die Welt kennenlernen kann. Doch Jack weiß gar nicht, ob er das will. Denn "Raum" ist mehr als nur ein Gefängnis. "Raum" ist auch Zuhause...

Mit Grausen erinnern wir uns an den Fall Fritzl, der vor einigen Jahren nicht nur Österreich, sondern die ganze Welt erschütterte. Über viele Jahre hatte der Mann seine eigenen Tochter in einen Kellerraum eingesperrt und sich vielfach an ihr vergangen, insgesamt sieben Kinder hatte die junge Frau geboren (von denen vier überlebten), bis das Martyrium ein Ende hatte. Emma Donaghue hat in ihrem Roman "Room" diesen und andere Fälle aufgegriffen und zu einem beeindruckenden Stück Literatur geformt. Mit Raum, der Verfilmung des gleichnamigen Erfolgsromans von Emma Donoghue - die auch das Drehbuch schrieb - gelingt Regisseur Lenny Abrahamson das Kunststück, eine Welt voller Emotionen, Erinnerungen und auch dramatischen Entwicklungen in nur einem Raum zu erzeugen.

Trailer zu Raum

Denn von der ersten Minute an, als Jack das beengte Zimmer durchschreitet, wird mit jedem Gegenstand ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit verknüpft. Dass hier auch mit Leichtigkeit erzählt wird, liegt vor allen Dingen an dem umwerfenden Spiel von Brie Larson und Jacob Tremblay. Larson zeigt die zermürbte Verzweiflung einer jungen Frau, die von einem Monster aus ihrem Leben gerissen wurde und seit sieben Jahren seine Gefangene ist. Doch im Umgang mit Jack, der ihr einziger Lichtblick und emotionaler Halt in einer Welt der Trostlosigkeit ist, schafft sie es, gelöst und liebevoll umzugehen. Sie ist alles, was Jack hat - und umgekehrt.

Unglaublich, was Tremblay diesem Spiel entgegensetzt. Völlig glaubwürdig stellt er die pure Unschuld einer zerbrechlichen Kinderseele dar, mit einem entwaffnenden Blick, in dem die Liebe zur Mutter und die Zuversicht liegt, zusammen mit ihr alles schaffen zu können. So gelingt es, die Situation auch für den Zuschauer aufzufangen, mit Leichtigkeit und dem Glauben an das Gute. In wunderschönen stillen Momenten verschmelzen Mutter und Sohn zu einer unzertrennlichen Einheit, die sich nicht ihrem Schicksal ergibt, sondern sich aus den gegebenen Umständen ein eigenes Schicksal schafft. Auch die Nebendarsteller spielen eindrucksvoll und authentisch, vor allem Joan Allen als Joys Mutter, die behutsam versucht, sich ihrer Tochter und ihrem Enkelsohn zu nähern und dabei selbsteiniges verarbeiten muss.

Dramaturgisch teilt sich der Film auf in die Zeit in und außerhalb des Raums. Als die Flucht nach draußen gelingt, sieht der Zuschauer die Welt mit den Augen eines Fünfjährigen, der sie bisher nur aus dem Fernseher kannte. Kamera, Ton- und Musikebene, die Montage und das gut gewählte Vorstadt-Setting, all die Elemente fügen sich klug und behutsam ineinander, sodass der Zuschauer völlig in die Welt von Joy und Jack eintauchen kann. Das macht Raum zu einem unglaublich berührenden und meisterlichen Kino-Erlebnis, das sensibel und mit großer Zärtlichkeit erzählt und mit ungeheurer erzählerischer Kraft beeindruckt.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Raum Bewertung
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810
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