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Suffragette - Taten statt Worte

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Prädikat: besonders wertvoll

Suffragette - Taten statt Worte Kritik

Suffragette - Taten statt Worte Kritik
0 Kommentare - 25.01.2016 von FBW
Hierbei handelt es sich um eine Kritik der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW).
Suffragette - Taten statt Worte

Bewertung: 4 / 5

Im kollektiven Bewusstsein sind sie nicht viel mehr als ein Klischee: Jene Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem in Großbritannien für das Wahlrecht und die Gleichstellung der Frauen gekämpft haben, werden in erzählenden Werken fast immer als komische Figuren gezeichnet: sogenannte Blaustrümpfe in heute absurd wirkenden Kleidern, die auf den Straßen Transparente schwenken und dabei lächerlich ernsthaft wirken. Dass ihr Kampf ähnlich leidenschaftlich und verlustreich gefochten wurde wie jene gegen Rassismus und Kolonialismus, ist kaum bekannt und so erzählt Suffragette - Taten statt Worte eine Geschichte, für die die Zeit schon lange überreif ist.

Wie die meisten Zuschauer weiß auch die Protagonistin zum Beginn des Films wenig über die Bewegung der Suffragetten. Maude arbeitet in einer Londoner Wäscherei, versucht gemeinsam mit ihrem Ehemann genug zu verdienen, um ihren jungen Sohn großzuziehen und gerät zufällig während einer Besorgung in eine Demonstration von Frauenrechtlerinnen, die von Polizisten mit Gewalt aufgelöst wird. Eine der Aktivistinnen arbeitet im gleichen Betrieb und durch sie lernt Maude auch andere Frauen kennen, die den Widerstand organisieren.

Trailer zu Suffragette - Taten statt Worte

Die Drehbuchautorin Abi Morgan hat Szenen entwickelt, in denen für die Zuschauer von heute nachvollziehbar deutlich wird, wie nach und nach das emanzipatorische Bewusstsein von Maude geweckt wird. Bald ist sie eine der radikalen Aktivistinnen, und der Preis, den sie dafür zahlen muss, ist hoch. Sie kommt ins Gefängnis, verliert ihren Sohn, ihren Mann, ihre Arbeit und diese Opfer werden nicht melodramatisch verklärt, sondern machen deutlich, mit welchen Mitteln sich das System gegen diese emanzipatorische Bewegung zur Wehr setzte.

Dagegen feiert der Film die Solidarität unter den Frauen der Gruppe. Geschickt werden reale und fiktive Personen und Vorkommnisse miteinander vermischt. So hat Meryl Streep einen kurzen Auftritt als Emmeline Pankhurst, eine der einflussreichsten Fürsprecherinnen der Bewegung und den dramaturgischen Höhepunkt des Films bilden die Geschehnisse auf dem Epsom Derby von 1913. Das historische Drama hat nichts Museales an sich, sondern ist stattdessen packend inszeniert. Eine nahe Kameraführung, die starke Inszenierung von Massenszenen sowie eine historisch authentische Ausstattung und Kostümierung versetzen den Zuschauer in die damalige Zeit. Die Demütigungen der Frauen von damals werden durch eine straffe und klug gestrickte Dramaturgie greif- und auch fühlbar gemacht.

Das Produktionsdesign wirkt von Ausnahmen abgesehen (bei wenigen Straßenszenen wurden erkennbar mit dem Computer gearbeitet) authentisch und der Film ist bis zu kleine Nebenrollen hochkarätig besetzt. Carey Mulligan gelingt es besonders eindrucksvoll, Maudes Entwicklung von einer sich den Männern in ihrem Leben unterordnenden zu einer selbstbewusst für ihre Rechte kämpfenden Frau intensiv und glaubwürdig darzustellen. Helena Bonham Carter spielt ähnlich inspiriert eine altgediente Kämpferin und Brendan Gleeson überrascht in der Rolle eines Geheimdienstlers (mit dem anspielungsreichen Namen Steed), der nicht dämonisiert wird, sondern stattdessen als ein einfühlsamer und intelligenter Gegenspieler umso gefährlicher wirkt.

Am Ende des Films wird auf einer durchlaufenden Liste gezeigt, ab wann Frauen in den Ländern der Erde wählen durften, und in einigen Staaten haben sie dieses Grundrecht auch heute noch nicht erkämpft. So erzählt Suffragette - Taten statt Worte eine auch heute noch aktuelle Geschichte.

Prädikat: besonders wertvoll

Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung

Suffragette - Taten statt Worte Bewertung
Bewertung des Films
810
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