
Seit Jahren ist The Boys bekannt dafür, Machtfantasien und autoritäre Tendenzen in grotesker Zuspitzung darzustellen. Im Zentrum steht dabei die Figur Homelander, gespielt von Antony Starr, ein Superheld mit ausgeprägtem Größenwahn. In einer aktuellen Episode erklärt er sich selbst kurzerhand zu Gott.
Für Showrunner Eric Kripke ist diese Entwicklung jedoch plötzlich beunruhigende Parallele zur Realität. Anlass ist ein Beitrag von Donald Trump auf Truth Social, in dem er sich mithilfe künstlicher Intelligenz als religiöse Figur (Jesus?) inszenierte. Die zeitliche Nähe war frappierend: Zwischen fertiger Episode und Post lagen nur wenige Tage.
Kripke beschreibt diese Überschneidung als grundlegendes Problem für satirisches Erzählen. Was ursprünglich als überzogen gedacht war, wirkt plötzlich realistisch. Die Herausforderung besteht nun darin überhaupt noch Distanz zur absurden Realität zu schaffen. Die Gegenwart ist schwerer zu parodieren als je zuvor.
Gleichzeitig entzieht sich die Serie einfachen politischen Zuschreibungen. Obwohl The Boys klar autoritäre Systeme Machtmissbrauch und Unterdrückung kritisiert, wird sie nicht als „woke“ wahrgenommen. Ein Grund dafür liegt in der bewusst provokanten Tonalität: Die Figuren sprechen häufig politisch inkorrekt, agieren widersprüchlich und moralisieren wenig. Gerade diese Ambivalenz trägt zur breiten Anschlussfähigkeit der Serie bei.
Hinzu kommt, dass die finale Staffel von vielen Fans positiv aufgenommen wird. Insbesondere der unverwechselbare, derbe Sprachstil und die absurden Ideen (Terrors Traum mit Homelander!) sorgen für wohlwollende Reaktionen.
