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Hat Netflix zu wenig unternommen?

Wegen mutmaßlicher Irreführung: Aktionäre verklagen Netflix

Wegen mutmaßlicher Irreführung: Aktionäre verklagen Netflix
6 Kommentare - Do, 05.05.2022 von A. Seifferth
Im Hause Netflix kochen die Probleme weiter hoch. Nun haben sich Aktieneigner für eine Sammelklage gegen den Konzern vereint. Es ist von "bewusster Täuschung und/oder Irreführung" die Rede.

Im vorangegangenen April gab Netflix einen Verlust von 200.000 Abonnenten für das letzte Quartal bekannt. Es war das erste Mal seit über 10 Jahren, dass der Streaminganbieter seine Nutzerzahl nicht steigern konnte. Besonders verheerend: Der Konzern plante eigentlich mit einem Zuwachs von satten 2,5 Mio. neuen Nutzer:innen. Nun blüht dem Konzern deshalb ein Rechtsstreit mit einigen erbosten Aktionären.

In einer am Dienstag bei einem kalifornischen Bundesgericht eingereichten Klage gehen einige Investoren gegen den Streamer vor, weil er seine Geschäftsaussichten zu optimistisch eingeschätzt und sie über den Verlust von Abonnenten getäuscht habe. Bei der Klage lässt man absichtlich offen, ob bewusste Verschleierung der Tatsachen oder schlichte Fehlkalkulation im Spiel sei. Die Nachricht wurde vom Hollywood Reporter in Umlauf gebracht.

Der Wortlaut der Klage macht unmissverständlich klar, dass man Netflix die volle Verantwortung für den drastischen Kurseinbruch zuweist:

"Infolge der rechtswidrigen Handlungen und Unterlassungen der Beklagten und des drastischen Rückgangs des Marktwerts der Wertpapiere des Unternehmens haben der Kläger und andere Mitglieder der Klägerschaft erhebliche Verluste und Schäden erlitten."

Netflix sprach vor der Klage in einem Brief an die Anteilseigner von vielen verschiedenen Faktoren, die die Lage am Markt drastisch verschärft hätten. Als wesentliche Punkte nennt der Streaming-Gigant die schwache Konjunktur, den steigenden Konkurrenzdruck durch andere Plattformen sowie den andauernden Krieg in der Ukraine.

Allein durch die Sperrung des Dienstes in Russland habe Netflix circa 500.000 User eingebüßt. Zwei Millionen weitere Abonnement-Verluste befürchtet der Dienst zum nächsten Quartalsende. Die wenig erfreuliche Botschaft ließ den Aktienkurs wiederum um 35 Prozent einbrechen. Die von einem Treuhänder der Anwaltskanzlei Imperium Irrevocable Trust geführte Klage zielt darauf ab, Anleger zu vertreten, die zwischen dem 19. Oktober 2021 und dem 19. April 2022 Aktien von Netflix gekauft haben.

Am Beginn des Sammelklagezeitraums gab Netflix seine Ergebnisse für das dritte Quartal 2021 bekannt und rechnete weiterhin mit einem positiven Trend, der durch das baldige Pandemie-Ende begünstigt werde. Die Abwanderung sei auf niedrigem Niveau gewesen, ließ Finanzchef Spencer Neumann in einer Telefonkonferenz gegenüber Analysten und Anlegern am selben Tag verlauten.

Die Aktionäre lassen verlauten, dass die Aussagen irreführend gewesen seien und über die Tatsache hinweg täuschten, dass Netflix tatsächlich ein langsameres Akquisitionswachstum als in den Vorjahren verzeichnete. Man habe die Wertpapiere des Konzerns demnach "zu überhöhten Preisen gehandelt", wie es in der Klageschrift heißt.

Netflix lehnte eine Stellungnahme zum Sachverhalt ab. Das ist aber keinesfalls ungewöhnlich, schließlich muss man beim Konzern eine plausible Argumentation vorbereiten, die den Vorwürfen möglichst treffend begegnet. Gleichzeitig will man mit Sicherheit nicht für noch mehr negative Publicity als ohnehin schon sorgen. Rechtsstreitigkeiten in den USA sind immer ein zweischneidiges Schwert:

Als Beobachter aus der Ferne fällt es uns sichtlich schwer, etwaige Chancen für die Klage zu bemessen. Auf unserem Fachgebiet, also aus Sicht von Streaming-Enthusiasten, haben wir übrigens einen persönlichen Vorwurf zum Thema "Absetzung beliebter Serien" an Netflix gerichtet.

Erfahre mehr: #Netflix, #Streaming, #Debatte
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6 Kommentare
MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
05.05.2022 11:05 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 4.987 | Reviews: 55 | Hüte: 444

@ Rotwang

Ehrlicherweise würde mir das sogar gut gefallen. Amazon Prime habe ich schon, und wenn Netflix aufgelöst werden würde, könnte ich mir einen weiteren neuen Streamingdienst dazuholen. Also entweder AppleTV+ oder das irgendwann startende Paramount+.

Aber Amazon würde sicher nicht auf die Netflix-Einnahmen verzichten und einfach den Dienst einstellen. Vorstellen kann ich mir das nicht.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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Rotwang : : Moviejones-Fan
05.05.2022 10:27 Uhr | Editiert am 05.05.2022 - 10:35 Uhr
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Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 282 | Reviews: 0 | Hüte: 8

@Raven13

Könnte mir Amazon durchaus vorstellen um das Portfolio zu erweitern, die Lizenzen würden dann einverleibt und der Dienst aufgelöst.

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AlwaysPositive : : Moviejones-Fan
05.05.2022 09:30 Uhr
0
Dabei seit: 12.04.22 | Posts: 7 | Reviews: 0 | Hüte: 0

Die Börse ist halt keine Einbahnstraße. ;)

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AlwaysPositive : : Moviejones-Fan
05.05.2022 09:29 Uhr
0
Dabei seit: 12.04.22 | Posts: 7 | Reviews: 0 | Hüte: 0

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WiNgZzz : : Moviejones-Fan
05.05.2022 08:37 Uhr
0
Dabei seit: 14.01.11 | Posts: 2.042 | Reviews: 0 | Hüte: 74

@Raven13: Interessanter Gedanke!

Ach komm...

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
05.05.2022 08:30 Uhr | Editiert am 05.05.2022 - 08:30 Uhr
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Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 4.987 | Reviews: 55 | Hüte: 444

Es dauert bestimmt nicht mehr lange, dann kauft jemand Netflix, z. B. Elon Musk oder Microsoft oder Google. Amazon und Disney schließe ich wegen Wettbewerb als mögliche Käufer aus.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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