Fast Eddie Felson war einmal ein großer Billardspieler. Den ganz großen Sprung an die Spitze hat er aber nie geschafft, weshalb er seinen Queue niemals mehr anrührte. 25 Jahre lang. Bis ihm der junge Vincent Lauria auffällt. Ein Spieler mit riesigem Talent und vielem von dem, was Eddie einmal auszeichnete. Er überredet Vincent und dessen Freundin Carmen, sie zur großen Billardmeisterschaft in Atlantic City zu bringen, und Vincent darauf vorzubereiten. Als Vincent immer besser wird, kommt es zum Bruch des Trios. Schließlich meldet sich Eddie selbst auch zum Turnier in Atlantic City an. Die Begegnung zwischen dem Meister und seinem Schüler am Pool-Tisch ist unvermeidlich...
25 Jahre nach den Ereignissen in "Haie der Großstadt" kehrt Paul Newman als ehemaliger Poolbilliard-Profi Fast Eddie Felson zurück. Er verdient sein Geld nun als Spirituosen-Händler, bis er auf den jungen und arroganten Billiard-Spieler Vincent Lauria (Tom Cruise) trifft, in dem er sein früheres Selbst erkennt und ihn fortan als Mentor unter seine Fittiche nimmt.
Martin Scorseses Legacy Sequel zu Robert Rossens Film von 1961, der mir womöglich besser gefallen hätte, würde ich den Vorgänger nicht kennen. "Die Farbe des Geldes" wirkt im Vergleich wie die altersmilde und domestizierte Version der Geschichte. Das Schwarzweiße bringt das Billiard-Spielen in den dämmrigen und verrauchten Kneipen und Spelunken, ebenso die Schattenseiten der Figuren atmosphärisch wesentlich besser zur Geltung als es dem beliebiger erscheinenden Farbfilm gelingt. "Haie der Großstadt" geht zudem härter und radikaler mit seinen Charakteren und den Hustler-/Betrüger-Machenschaften ins Gericht, während "Die Farbe des Geldes" einer klassischeren Mentor-Schüler-Dramaturgie folgt und die Beziehung zwischen Eddie und Vincent auf einer versöhnlichen und positiven Note enden lässt.
Tom Cruise spielt klasse, Paul Newman bewegte sich in "Haie der Großstadt" mit seiner fiebrigen Performance zerfressen von Ehrgeiz und Alkoholsucht allerdings auf einem ganz anderen, existenzielleren und basaleren Niveau.* Auch der gealterte Paul Newman erreicht nicht die Tiefe seines jüngeres Selbst, gleichwohl dies vor allem in Momenten ver Verletzlichkeit immer mal wieder aufblitzt; Newman erhielt hierfür den Oscar, den er eigentlich 1962 verdient gehabt hätte (damals aber auch das Pech hatte, gegen Maximilian Schell konkurrieren zu müssen).
Außergewöhnlich bleibt aus heutiger Sicht zweifelsohne die Castzusammenstellung. Der 23-jährige Tom Cruse, der 28-jährige John Turturro und der 24-jährige Forrest Whitaker - alle drei noch mehr oder weniger am Anfang ihrer Karrieren - interagieren hier mit der 60-jährigen Legende Paul Newman. Speziell Whitaker beeindruckt nachhaltig, der in seiner Szene als Hustler Amos die Leinwand dominiert und Paul Newman ebenbürtig die Stirn bietet.
Ein allgemeines Problem, welches ich persönlich nicht nur mit "Die Farbe des Geldes" sondern auch mit "Haie der Großstadt" habe: Ich empfinde Poolbilliard nicht als allzu spannenden Sport zum Zusehen, wenn man nicht selbst aktiv mitspielt, es fehlt mir hier zum Vergleich das komplexere Spielsystem sowie Stil und Eleganz vom Snooker. "Haie der Großstadt" bekommt es zumindest besser hin, das Spielen per Kameraeinstellung glaubwürdig im Bild zu präsentieren, während "Die Farbe des Gedes" viel mit Nahaufnahmen und Schnitt arbeitet, wodurch schnell auffällt, dass hier niemand wirklich Poolbilliard spielt.
* Timothee Chalamet nennt Paul Newmans Hustler in "Haie der Großstadt" als eine der Hauptinspirationen für seinen Marty Mauser in "Marty Supreme". Das ist einer der Gründe, warum ich mir die beiden Filme nun angesehen habe.
Meine Bewertung
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Ich habe mir den Film am 11. Juni 2024 angeschaut. (Zum Filmtagebuch)
Würde mich nicht als Fan von Billard bezeichnen, aber die starken Darbietungen von Paul Newman, Tom Cruise und Mary E. Mastrantonio machen den Film dann trotzdem zum Erlebnis. Auch die Kameraeinstellung beim Billardspiel hat mir teilweise echt gut gefallen und ist definitiv etwas besonderes. Auf Blu-Ray ist dieser Film leider mittlerweile sehr teuer geworden, mit 30 Euro aufwärts muss man auch gebraucht schon rechnen.
Meine Bewertung