
Bewertung: 2 / 5
Die Geschichte des ersten "Alien" nochmal erzählt, hier aber nun mehr oder weniger auf acht Stunden tot gestreckt.
Spoiler...
Trailer zu Alien - Earth
Das mit Aliens kontaminierte Forschungs-Raumschiff stürzt auf der Erde in ein Hochhaus und bleibt dort liegen, aus dem Settingwechsel hätte man ein "Stirb langsam" mit Alien kreieren können, das Potential wird abseits der schwarzhumorigen Dinnerszene leider nicht ausgenutzt, sondern es wird die alte Formel abermals durchdekliniert. Ich stelle fest, dass mich die klassische Xenomorphen-Story in neuen Werken kaum noch begeistert (das erging mir bei "Romulus" auch schon so), der absolute Downer kommt dann mit der fünften Episode, die ernsthaft nochmal in aller Breite die Raumschiff-Vorgeschichte zum Cold Opening der Staffel erzählt.
Spannender wird "Alien: Earth", wenn sich die Serie vom Altbekannten löst. Wenn neue Alienformen auftreten oder wenn geforscht wird, dann trumpht die Serie mit einigen schönen und ekligen Gore-Szenen auf (der Facehugger auf dem Seziertisch, die mit Magensäften extern verdauenden Fliegen). Der Trypanohyncha Ocellus (ich habe ihn für mich den Augen-Oktopus genannt) entpuppt sich als Star der Serie, so intelligent wie ekelhaft in seiner Erscheinung, bedient er durch sein Augen Ausploppen sowie die Gehirn-/Körperkontrolle eine menschliche Grundangst, die dem Xenomorphen in "Alien: Earth" vollkommen abgeht. Bezeichnenderweise lässt sich der Xenomorph nun wie ein Hund dressieren und kommandieren, wenn man dessen Sprache spricht.
Das Lösen vom Altbekannten bezieht sich zudem auf den Blick auf das Leben auf der Erde. Die Weltgemeinschaft wird durch ein Oligopol bestehend auf fünf Konzernen regiert (im Zentrum der Serie steht der Konflikt zwischen Weyland-Yutani und dem jungen Prodigy) und diese Form des Kapitalismus scheint gesellschaftliche Spaltungen durch Rassismus und Religion überwunden zu haben? Davon hätte ich gerne noch mehr gesehen, mir eine tiefergehende Beobachtung gewünscht.
Ferner befinden sich die Konzerne insbesondere auf dem Gebiet des Transhumanismus und der Robotik (Synths, Cyborgs und Hybride) in einem Wettlauf um das Monopol der Zukunft. Hier entwickelt sich "Alien: Earth" prinzipiell mehr zu einer "Blade Runner"- oder "Ex Machina"-Serie über wirtschaftliches und schöpferisches Eigentum und Kontrolle, über Individualität und Freiheit, über die Vergänglichkeit des Menschen und Unsterblichkeit. Auch das hätte gerne noch vertieft werden können. Speziell Sydney Chandler als Hybrid-Hauptprotagonistin Marcy/Wendy und Timothy Olyphant (den ich lange für Paul Bettany gehalten habe) als undurchsichtiger Synth Kirsh stechen schauspielerisch und mit nuancierteren Charakteren hervor und reihen sich innerhalb der Reihe in die Riege der Künstlichen mit Wiedererkennungswert ein.
Trotz der Stärken bleibt das Gesamtergebnis für mich lediglich auf unterdurchschnittlichem Niveau. Zu viel Potential bleibt liegen, Plot und Drehbuch sind zu dünn für die Laufzeit, die klassische Xenomorphen-Story langweilt durch lau Aufgewärmtes, sodass ich mich durch fast jede Episode quälen musste.
Ich hoffe, Staffel 2 findet einen besseren Weg, kompakter und dichter, entweder einen sinnvollen Mittelweg zwischen Alten und Neuem oder gar einen noch stärkeren Fokus auf Neues und Frisches.


