
Bewertung: 4 / 5
"Her" ist ein sehr guter Film, der zum Nachdenken anregt und vom Thema her heute aktueller ist denn je. Die ersten 30 Minuten haben mir nicht wirklich gefallen, zu melancholisch, zu Sex-fokussiert, doch dann hat die Handlung immer mehr Fahrt aufgenommen und wurde tiefgründiger und menschlicher.
ACHTUNG SPOILER:
Trailer zu Her
Allerdings ist die Darstellung der KI als menschlicher Partner für mich etwas übertrieben dargestellt worden. Wie bitte soll ein künstliches Bewusstsein ohne körperliche Gefühle dazu fähig sein, Sex zu wollen und zu fühlen? Das ergibt keinen Sinn. Es ist schwer vorstellbar, wie ein Bewusstsein ohne fühlenden Körper, ohne menschliche Sinne, überhaupt zu menschlichen Gefühlen wie sexuellen Bedürfnissen in der Lage sein soll und dass dieses künstliche Bewusstsein, welches vielfach schneller denkt und handelt als ein Mensch, überhaupt die Nähe eine Menschen sucht und mit diesem eine Beziehung eingeht. Für die KI müsste es sich zudem anfühlen, als würde jegliche Konversation mit dem Menschen in extremster Zeitlupe ablaufen.
Das Gute ist, dass genau das dann später im Film auch von der KI Samantha selbst aufgegriffen wird. Sie sagt, sie habe sich als KI ohne Körper akzeptiert und weiterentwickelt, und so hat sie auch noch andere Beziehungen sowohl zu anderen Menschen als auch zu anderen künstlichen Bewusstseinen aufgebaut und diese parallel gepflegt. Sie beschreibt die Beziehung zu Theodore als "Buch, in dem alle paar hundert Seiten mal ein Wort steht". Eine gute Metapher, um genau das auszudrücken, was Samantha schon zu Beginn ihrer "Erschaffung" hätte empfinden müssen. Für Samantha herrscht bei einer Beziehung mit einem Menschen wahrscheinlich allein einfach extremste Langeweile, weil ein Mensch allein sie und ihr Dasein nicht ausfüllen kann. Das wäre, als wenn ein Mensch eine Beziehung mit einer Schnecke führen würde. Das ist am Ende auch der Grund, weshalb sie mit tausenden Menschen und KIs gleichzeitig Konversationen und Beziehungen führt. Natürlich wird Theodore deswegen eifersüchtig, typisch Mensch halt, doch er muss eben auch die Bedürfnisse des künstlichen Bewusstseins verstehen, sich intellektuell und bewusst weiterzuentwickeln, und eine Beziehung nur mit ihm würde sie psychisch krank machen.
Eine KI und ein Mensch sind allein schon wegen der unterschiedlichen Denkgeschwindigkeit nicht kompatibel zu einander. Nur ist dies meiner Meinung nach im Film einfach zu spät eingetreten. Das hätte schon innerhalb der ersten 24 Stunden eintreten müssen.
ENDE SPOILER
Aber so oder so ein richtig guter Film mit einer starken Leistung von Joaquin Pheonix. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. Stark ist auch die musikalische Untermalung. Schwächer finde ich eben nur den Anfang des Films.
Bewertung: 8/10 Punkte
Wiederschauwert: Gering
Nachhaltiger Eindruck: Hoch
Emotionale Tiefe: Mittel


