
Bewertung: 2.5 / 5
Neulich war ich Runner im Kino schauen, weil ich einfach mal wieder einen Actionfilm im Kino sehen wollte. Der Trailer sah wirklich interessant aus, dennoch habe ich meine Erwartungen nicht allzu hochgeschraubt. Und da wir zufällig gerade Kinofest hatten, war das doch das perfekte Timing.
Für mich teilt sich der Film in zwei Hälften. Die erste Hälfte baut die Handlung auf, führt Figuren ein und stimmt den Ton an. Und mein Gott, war ich da noch vom Look des Films gefesselt. Australien als Setting und das Colorgrading haben für mich so schön ausgesehen, dass ich die erste Hälfte des Films mit einem Grinsen dasaß und die erste Klopperei herbeisehnte. Australien fasziniert mich aber auch immer.
Dann kam aber die zweite Hälfte des Films und da wurde es für mich schon fragwürdig. Also, ich erwarte in einem Actionfilm weder eine oscarprämierten Darstellung noch eine makellose Story, aber ein wenig Konsistenz wäre schon schön. Und hier häufen sich dann Logiklöcher, die denen von Das Ende der Sterne in nichts nachstehen. Es fühlt sich an ein, zwei Stellen so an, als gäbe es im Drehbuch Relikte einer älteren Fassung, die im Film gelandet sind und jetzt ohne Kontext dastehen.
Zum Beispiel: Owen Wilson steigt also mit der Leber ins Auto und soll zum Krankenhaus transportiert werden. Die Verfolgung beginnt und Alan Ritchson befiehlt Owen Wilson, ein Foto des Nummernschilds zu machen. Nach dem ersten Aufeinandertreffen äußert er dann die Vermutung, dass sie es hier mit einem Kartell zu tun haben. Diese Szene steht erst einmal für sich.
Bestimmt 30 Minuten Filmlaufzeit später klaut Alan Ritchson dann ein Polizeiauto, um die Figur von Owen Wilson zu retten, die vom Kartell bzw. den bösen Buben entführt wurde. Er tippt was im PC des Autos herum und lässt dann von einem Kontakt bei der Polizei das Nummernschild überprüfen, um rauszufinden, dass es sich wirklich um ein Kartell handelt. Nur war zu diesem Zeitpunkt des Films überhaupt nicht mehr klar, woher der Kontakt bei der Polizei kommt, und es war auch völlig egal, mit wem er es zu tun hat. Die Info, dass es tatsächlich ein Kartell ist, war zu diesem Zeitpunkt schon völlig irrelevant für den Film und dessen weiteren Verlauf. Seine Einordnung beim ersten Aufeinandertreffen hätte völlig gereicht. Und noch wichtiger: Wenn er schon am Polizei-PC, Tablet oder whatever herumtippt, wieso überprüft er das Nummernschild nicht einfach selbst?
Und genau das meine ich: Es fühlte sich für mich so an, als sei dieser Kontakt mal ein größerer Bestandteil einer früheren Drehbuchfassung gewesen und dann einfach beibehalten worden, obwohl man ihn ohne jeden Verlust hätte streichen können. Denn mehr als in dieser einen Szene wird der Kontakt im ganzen Film auch nicht gebraucht.
Die Actionsequenzen sind wie die von Forrest Gumps Mutter beschriebene Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man bekommt. Anfangs sind sie schön eingefangen. Es gibt da eine Kampfsequenz auf einem Wochenmarkt, die echt Spaß gemacht hat, und auch kleinere Action- bzw. Spannungsmomente, die eingestreut sind, lassen im Prinzip nichts zu wünschen übrig. Aber je größer die Szenen werden, desto fragwürdiger erschienen sie mir auch.
Bei einer größeren Verfolgungsjagd gegen Ende schlug das Colorgrading, das mir am Anfang gefiel, dann plötzlich ins Gegenteil um: Da war das Bild so glattgebügelt und hochkoloriert, dass die Szene für mich schon fast nach CGI aussah. Und auch der finale Kampf im Krankenhaus … also ey, ich mag große Actionfilm-Kloppereien, aber wenn man sich mit der Statur des Antagonisten eine von Alan Ritchson fängt, vor allem in dem im Film dargestellten Ausmaß, dann halte ich die Länge und ausschweifende Art des Kampfes schon fast für Slapstick. Hier wird das Krankenhaus in einem Maße zerstört, dass es für mich dann schon fast ein unwürdiges Ende darstellte. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung. Ich habe mittlerweile schon Stimmen gehört, die das Ende mochten.
Ich weiß durchaus um den Ruf, den Netflix-Produktionen haben, und auch darum, dass man damit trotzdem seinen Spaß haben kann. Und genau deshalb hätte es mich nicht gewundert, wenn es sich bei Runner um eine Netflix-Produktion gehandelt hätte – denn genauso fühlt sich der Film beim Schauen stellenweise an.
Was ich allerdings den ganzen Film über mochte, war der Humor. Der Ton, den überwiegend natürlich auch Owen Wilson einbrachte, hatte immer was Auflockerndes und ich musste wirklich an der ein oder anderen Stelle lachen. Er wirkte für mich auch an keiner Stelle fehl am Platz.
Das liest sich jetzt natürlich überwiegend sehr negativ, aber Sympathie hat der Film dennoch erzeugt. Und auch wenn ich hier zwischen 2 und 2,5 Hüten schwanke (wird dann in der Wertung wahrscheinlich 2,5, im Zweifel für den Angeklagten), würde ich ihm dennoch einen höheren Wiederschauwert einräumen, weil ich glaube, dass der auf der Couch mit ein paar Kumpels schon Spaß machen kann, aber das Geld für Kino kann man sich in dem Fall auch gerne sparen.


