
Bewertung: 3.5 / 5
Als am 31. Mai 2023 die damals letzte Episode von Ted Lasso ausgestrahlt wurde, fragten sich viele, ob dies jetzt tatsächlich das Ende sein würde. Hängt der Erfolgscoach des AFC Richmond seine Trainingsjacke wirklich an den Nagel? Endet die erfolgreiche und mit vielen Awards ausgezeichnete Serie von Apple TV nach nur drei Staffeln? Diskussionen, Gerüchte und Hoffnungen gab es seither viele. Doch die Fans benötigten Geduld. Vor einem Jahr, im Frühjahr 2025, kündigte man dann endlich eine neue, vierte Staffel an. Doch man machte auch direkt klar, dass die neue Staffel nicht einfach nur eine Fortsetzung werden würde, sondern sogleich ein Neuanfang. Denn ja, es geht zurück zum AFC Richmond, doch der Erfolgscoach wird dieses Mal mit einer neuen, noch viel größeren Herausforderung konfrontiert: Einer Frauenfußballmannschaft.
Unsere Review zu Ted Lasso Staffel 4
Nach drei Jahren kehrt der ehemalige Coach Ted Lasso nach Richmond zurück und nimmt sich seiner bislang größten Herausforderung an: Er wird Trainer eines Frauenfußballteams der zweiten Liga. Im Verlauf der Saison lernen Ted und sein Team, mutig neue Wege zu gehen und Chancen zu ergreifen, die sie sich vorher nie zugetraut hätten.
Trailer zu Ted Lasso Staffel 4
Positivität in Zeiten absoluter Negativität
Es ist sechs Jahre her, seit Ted Lasso an den Start ging. Und viele von euch werden sich erinnern, dass es nicht unbedingt die beste Zeit in unserem Leben war. Die ganze Welt befand sich im Griff einer globalen Pandemie. Wir trugen Masken, mussten an Supermärkten draußen wie im Freizeitpark in der Schlange anstehen, weder auf den Straßen noch in der Luft gab es Verkehr (das war eigentlich ganz schön), und dann noch natürlich das ganze sogenannte Social Distancing. Weihnachten und Geburtstage mussten alleine verbracht werden, Kinder durften nicht mit anderen Kindern spielen, und nicht selten befand man sich ohnehin in Quarantäne der eigenen vier Wände. Vor allem psychisch war es eine verdammt anstrengende Zeit.
Obwohl es natürlich nie so geplant war, war dies die absolut beste Zeit, um eine Serie wie Ted Lasso an den Start zu bringen. Es ist wirklich eines dieser Beispiele, in denen eine Serie zum absolut besten Zeitpunkt erscheint und auch einfach perfekt zur jeweiligen Zeit passt. Denn dies war genau die Serie, die wir damals alle gebraucht haben. Dass überhaupt eine Serie wie Ted Lasso gemacht und produziert wurde und dann auch noch genau während der Pandemie erschien, kann als kleines Wunder angesehen werden.
In einer depressiven Zeit ohne viel Freude und voller Negativität schenkte uns Ted Lasso genau die Positivität und Hoffnung, die wir alle in diesem Moment gebraucht haben. Wäre die Serie auch ohne die Pandemie so erfolgreich und beliebt gewesen? Eine hypothetische Frage, auf die wir keine Antwort wissen.
Drei Staffeln lang beschenkte uns diese Serie mit ihren herzergreifenden Geschichten und Figuren ganz viel Freude, ehe man sich verabschiedete. Wie viel Spaß die Serie machte und wie groß ihr Einfluss damals auf die Welt war, kann man in unserem damaligen Artikel zum (damaligen) Serienende nachlesen:
Nach drei Jahren kehrt die Serie jetzt also mit neuen Folgen zurück auf den Bildschirm. Und natürlich stellt sich die Frage, ob die neue Staffel den Charme und Glanz von einst erneut erreichen kann, oder ob die Zeit von Ted Lasso einfach vorbei ist.
Ted, wir brauchen dich
Erst einmal muss man feststellen: Auch heute haben wir eine Serie wie Ted Lasso bitter nötig. Die Pandemie gehört zwar der Vergangenheit an, aber dieses ganze Jahrzehnt wirkt bislang wie eine große Seuche. Eine Katastrophe folgt auf die nächste. Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich deutlich verschlechtert. Wir alle fühlen diese erdrückende Negativität, die wie eine dichte Wolke um uns herum ist. Und genau in solchen Zeiten zeigt sich eben, wie wichtig Entertainment ist, wie wichtig Filme und Serien für uns alle sind.
Es ist sicher kein Zufall, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit so positiv aufgeladene Geschichten wie Der Astronaut im Kino große Erfolge feiern, oder auch Serien wie Shrinking mehr und mehr Zulauf erhalten. Kürzlich feierte auch Scrubs ein sehr erfolgreiches Comeback. Das alles sind keine reinen Komödien. Es sind Geschichten, die sich mit tief sitzenden, persönlichen Problemen befassen. Trauer, Reue, Einsamkeit. Es sind aber auch Geschichten, die einem Hoffnung geben. Die zeigen, dass Freundlichkeit keine Schwäche ist, sondern eine Stärke und etwas, das wir alle bitter nötig haben. Dass Ted Lasso genau jetzt zu dieser Zeit und im Umfeld dieser anderen Titel ein Comeback feiert, ist kein Zufall. Es ist eine Notwendigkeit.
Vorausgesetzt natürlich, dass die Qualität von einst beibehalten werden konnte. Oder erwartet uns hier schlicht und einfach nur ein lauer Aufguss von alt Bekanntem?
Wie sind die neuen Folgen?
Im Vorfeld der Premiere der vierten Staffel durften wir uns die ersten fünf der insgesamt zehn neuen Episoden ansehen. Und eines können wir direkt sagen: Der von Jason Sudeikis gespielte Coach hat sich kein bisschen verändert. Er ist immer noch derselbe und die Figur Ted Lasso funktioniert auch heute noch wunderbar.
Die vierte Staffel hat dabei den Vorteil, dass sie auf zwei Arten funktioniert. Zum einen für Fans der ersten drei Staffeln, da hier die Geschichte der bekannten Figuren fortgesetzt wird. Da aber gleichzeitig das Kapitel der Herrenmannschaft mit Staffel 3 abgeschlossen wurde und jetzt ein neues Kapitel mit der Frauenmannschaft beginnt, kann die vierte Staffel ebenso als perfekter Einstieg für neue Fans funktionieren. Vorkenntnisse sind dabei nicht zwingend nötig.
Möglich wird dies auch durch den Umstand, dass zwar im Kern die wichtigen Hauptfiguren der Serie erhalten geblieben sind, der inhaltliche Neustart aber auch dadurch deutlich wird, dass fast alle vorherigen Nebendarsteller nicht mehr für Staffel 4 zurückkehren. Aus den ersten drei Staffeln sind nur noch Jason Sudeikis, Hannah Waddingham, Brendan Hunt, Jeremy Swift, Juno Temple und Brett Goldstein übrig.
Das bedeutet, dass viele liebgewonnene Figuren nicht länger dabei sind. Ein Jamie Tartt (Phil Dunster) spielt beispielsweise jetzt für Barcelona, wie man erfährt. Und auch auf Cristo Fernández als Dani Rojas muss man verzichten, da dieser mittlerweile tatsächlicher Fußballprofi geworden ist. Diese und die vielen weiteren Nebendarsteller haben in den ersten drei Staffeln vor allem die Herrenmannschaft ausgemacht, und diese spielt in den neuen Folgen schlicht keine Rolle mehr. Abgesehen von ihrem Coach Roy Kent natürlich, der erneut herrlich von Goldstein verkörpert wird.
Ab jetzt steht die Frauenmannschaft im Zentrum der Handlung, was inhaltlich eben einen Neuanfang bedeutet und darstellerisch natürlich, dass wir eine ganze Mannschaft an neuen Nebendarstellerinnen erhalten. Neue Figuren, die wir im Laufe der neuen Folgen ebenso kennenlernen, wie einst die Jungs der Herrenmannschaft. Zumindest hoffen wir das. Nach fünf Folgen ist die Aussagekraft hierzu noch etwas begrenzt, doch sind gute Ansätze bereits erkennbar.
Für Coach Lasso bedeutet dies alles natürlich viele neue Herausforderungen. So kann er jetzt zum Beispiel nicht mehr einfach so in die Umkleide hineinplatzen. Und nicht nur Verletzungen können zu einem längeren sportlichen Ausfall führen, sondern auch überraschende Schwangerschaften.
Ob das alles aber genauso gut funktioniert und zu unterhalten weiß wie in den Staffeln zuvor, können wir noch nicht abschließend sagen. Fünf Folgen sind schlicht noch zu früh, um hier ein finales Urteil fällen zu können. Gerade die ersten Folgen lassen sich auch etwas Zeit und es dauert, bis auch die emotionale Komponente der Serie in Erscheinung tritt. Diese Review kann daher auch nur als Ersteindruck verstanden werden. Wenngleich es bislang mehr wie ein Ted Lasso-Light wirkt, ist der Anfang dennoch vielversprechend. Und nach den tollen ersten drei Staffeln, haben die Macher sich auch einfach einen Vertrauensvorschuss verdient.
Abgesehen davon tut es einfach gut, wieder zurück in Richmond zu sein und die bekannten Locations und Figuren zu sehen. Staffel 4 fühlt sich einfach genauso an wie die Staffeln zuvor. Es ist derselbe Charme und derselbe Humor, daran hat sich nichts geändert. Die Figuren sind so liebenswert wie eh und je. Und die Thematik mit der Frauenmannschaft sorgt für frische Ansätze und wir sind schon sehr gespannt, wie damit weiter verfahren wird.
Obwohl drei Jahre seit der letzten Staffel vergangen sind, hat man in den neuen Episoden das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Oder sogar zurückgedreht wurde.
Trotz des positiven Ersteindrucks, sehen wir aber auch mögliche Probleme für die neuen Folgen, die teils noch rein hypothetisch sind, teils aber auch bereits als Kritikpunkte gesehen werden können.
Probleme am Horizont?
Da wären zum einen die bekannten Charaktere rund um Ted, Rebecca, Keeley und die anderen. Wir haben drei Staffeln mit ihnen verbracht und ihnen bei ihrer Entwicklung zugesehen. Staffel 3 funktionierte auch deshalb so gut als (vorzeitiger) Abschluss der Serie, weil die Entwicklung dieser Charaktere gefühlt beendet war. Und das könnte jetzt zum Problem werden, denn auch in den ersten fünf der neuen Episoden fühlt es sich so an, als habe man hier auserzählte Figuren. Sie machen zwar immer noch Spaß und sind nach wie vor charmant, aber das könnte sich schnell abnutzen, wenn man keine neuen interessanten Ideen für sie hat. Die fünfte Episode hat uns dahingehend aber schon etwas Hoffnung gegeben.
Ein weiteres mögliches Problem kennt man auch aus dem Sport: Nach einer längeren Pause ist es schwer, wieder hineinzukommen. In einem Mannschaftssport muss man sich zudem erst wieder seinen Platz in der Mannschaft verdienen und zurückerkämpfen. Im Falle von Ted Lasso könnte es ähnlich sein. Als die Serie vor drei Jahren endete, war sie enorm populär. Wie wir im oben verlinkten Artikel aufgezeigt haben, schaffte es die Serie sogar im realen Sport Fuß zu fassen. Echte Sportler trugen Richmond-Kleidung, echte Teams warben mit den fiktiven Matches gegen den AFC Richmond. Nike stellte ganz offiziell die neuen Trikots vor. Dies alles und mehr förderten den Charme der Serie. Ob dies nach der dreijährigen Pause in diesem Ausmaße erneut erreicht werden kann, steht aktuell noch in den Sternen.
Ein weiteres Problem könnte sein, dass sich bereits in den ersten neuen Folgen manche Themen ein wenig wie Wiederholungen anfühlen. Wie in Staffel 1 löst Ted auch hier zunächst ein Problem mit der Kabine. Wie in Staffel 1 muss Ted auch hier eine Lösung für Streitereien innerhalb der Mannschaft finden. Es wird zwar alles etwas anders dargestellt, aber es wirkt doch sehr vertraut. Es wäre schade, wenn man hier nur auf frühere Ideen zurückgreift, statt wirklich neue entworfen zu haben.
Doch dies sind nur mögliche Kritikpunkte, von denen wir erst im weiteren Verlauf der Staffel erfahren werden, ob sie zum Problem für die Serie werden, oder sich dann doch in Luft auflösen und unsere Besorgnis diesbezüglich völlig unbegründet war.
Fazit
Die ersten fünf der zehn neuen Episoden haben uns direkt wieder dieses schöne, vertraute Ted Lasso-Gefühl gegeben. Trotz einer Pause von drei Jahren haben sich weder die Figuren noch der AFC Richmond wirklich verändert. Mit der Ausnahme, dass es dort jetzt eben eine Frauenfußballmannschaft gibt. Doch der Spaß, der Humor, die Emotionalität, es ist genau wie früher. Es macht einfach Freude, sich diese Serie anzusehen.
Ted Lasso erschien einst für viele Menschen zum genau richtigen Zeitpunkt. Damals, in der Zeit der Pandemie, einer sehr schwierigen und für viele auch einsamen und depressiven Zeit, war diese Serie fast schon wie ein Leuchtfeuer positiver Energie und Hoffnung. Sie gab uns etwas, das wir zum damaligen Zeitpunkt einfach gebraucht haben. Und vielleicht brauchen wir sie auch jetzt wieder.
Es ist eigentlich simpel: Wenn ihr von Anfang an dabei wart, guckt ihr eh weiter, denn ihr wisst Bescheid. Steigt ihr mit Staffel 4 ein, wird euch das hoffentlich motivieren, auch die ersten drei Staffeln nachzuholen. Und wenn euch der Start der 4. Staffel dazu bringt, die Serie direkt von vorn zu starten: Herzlichen Glückwunsch, dies ist vermutlich eine der besten Entscheidungen eures Lebens. Denn dies ist Ted Lasso. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Believe!


