
Bewertung: 4.5 / 5
Staffel 2:
Noch hat Apple seine Serie „John Sugar“ nicht für eine dritte Staffel verlängert, auch wenn das Ende der zweiten Staffel bereits ein paar Ausblicke andeutet, dass es weitergehen wird oder zumindest sollte.
Trailer zu John Sugar
Zum Glück ist Apple nicht so schnell im Absetzen ihrer Serien wie viele andere Streaminganbieter und ziehen ihre Geschichten auch gerne mal durch. Siehe auch „For all mankind“.
Es wäre eine Schande eine so großartige Serie wie „John Sugar“ jetzt fallen zu lassen, wo doch noch so viel Potential für weitere Staffeln und weiteren Fällen im Raum stehen.
Ich fand es bereits bei der ersten Staffel etwas schade, dass die Serie wohl unter dem Radar der meisten Zuschauer lief, war aber erfreut das Apple weiter daranhält und nicht einen auf Cancelflix macht, wo man wohl unweigerlich nach einer Staffel bereits wieder abgeschaltet hätte.
Dabei kann ich noch nicht mal sagen, ob es die guten Drehbücher sind, dass in die Moderne gerettete Noir-Setting, oder die brillante Performance von Colin Farrell ist, dass die Serie so großartig ist und das wiederholt auch in der zweiten Staffel.
Oft haben Serien eine gute Idee und können sie nicht lange halten. Hier hatte man wohl wirklich eine gute Idee und wusste auch wie man sie langfristig als Waffe einzusetzen mag.
Die dichte Atomsphäre der „Detective Story“ wird erneut wunderbar in imposanten Bildern eingefangen, die der Serie noch einen weiteren Extrabonus verleihen, während Privatermittler John Sugar sich einem neuen Fall zuwendet. Wieder geht es darum eine Person zu finden, denn das ist es, was Sugar am besten kann… Menschen wiederfinden.
Dabei ist es eben diese ganze Art von Farrell, die einfach so hervorragend auf den Charakter der Figur passt, die im Prinzip den Menschen einfach nur helfen will. Das mag eine gewisse Naivität mit sich bringen, aber die Figur hat ihre Gründe, die man ihre auch jederzeit abkauft.
Dazu diese unerschütterliche Liebe zu L.A., Hollywood und zu den alten Filmen der Filmschmiede, vor allem natürlich alten Noir-Detective Streifen in Schwarzweiß, die immer wieder eine Rolle spielen, ob als Referenz in Gesprächen, denn Sugar redet gern und oft über Filme, oder als direkter Ausschnitt, gerne in Verbindung mit einem Voiceover von Sugar, wenn er über den Fall, die Menschen oder das Leben an sich philosophiert.
Im neuen Fall von Sugar, ist es dann gerade das Thema der Menschlichkeit, das eine zentrale Rolle spielt und Sugar hier auf eine harte Probe gestellt bzw. mit seinem eigenen Moralkompass konfrontiert wird. Ein sehr spannender Ansatz, der für mich ein Gros der zweiten Staffel tragen konnte.
In den weiteren Rollen konnte für mich gerade Tony Dalton ziemlich hervorstechen in der zweiten Staffel. Ein immer wieder gern gesehener und äußerst charismatischer Darsteller, der hier einige beeindruckende Szenen mit Sugar hat. Aber auch Dennis Boutsikaris, James Cromwell und nun Sugars neue Gehilfin Sasha Calle, sowie Jin Ha und Raymond Lee als die Moon-Brüder, waren jeder für sich eine ausgezeichnete Besetzung.
Es gibt weiterhin diese größere Rahmenhandlung, die im Hintergrund, oder auch als zusätzliche Handlung mitläuft, diesmal aber weniger Platz eingeräumt wird. Ich denke hier wurden nur die Weichen für evtl. weitere Staffeln gestellt.
„Sugar“ ist eine weitere Attraktion unter den Apple Serien, von denen es ja nicht gerade wenige hochklassige Vertreter gibt. Eine Serie die neben seinem besonders charismatischen und eindrucksvoll geschriebenen Hauptcharakter, von der besonders lebendigen Welt von L.A. lebt und dass die Serie seinem Protagonisten genug Zeit und Raum zu atmen lässt, um sich in dieser Umgebung auch zu gepflegt zu bewegen. Das Ausnahmedarsteller Colin Farrell hier kaum eine bessere Wahl für die Rolle des Protagonisten hätte sein können, bleibt wohl kaum ein Geheimnis. Die Ermittlungen und damit auch der aktuelle Fall des Privatermittlers sind spannend inszeniert, dienen aber teils auch nur als Spielwiese für Sugar bzw. Farrell, um seine Figur weiter auszubauen und weitere Nuancen des Lebens zu verpassen. Damit hat die Serie für mich einen so hochphilosophischen Ansatz, wie man ihn heute nur noch selten in der Serienlandschaft zu sehen bekommt und bleibt auch in der zweiten Staffel absolutes Elitefutter unter den Serien.


