
Bewertung: 4 / 5
John Sugar dürfte in Deutschland nur wenigen ein Begriff sein, was schade ist, denn die Serie mit Colin Farrell in der Hauptrolle ist definitiv einen Blick wert. Auf Apple TV startet am 19. Juni die zweite Staffel der Neo-Noir-Krimiserie, und nachdem uns die erste Staffel schon so gut gefallen hat, hoffen wir, mit unserer Review zu Staffel 2 auch den ein oder anderen weiteren Zuschauer auf dieses kleine Juwel aufmerksam machen zu können. Und keine Sorge, wir achten natürlich darauf, auch niemanden zu spoilern, der noch Staffel 1 vor sich hat.
John Sugar Staffel 2 Review
Der in Los Angeles ansässige Privatdetektiv und Cineast John Sugar (Colin Farrell) widmet sich in Staffel 2 einem neuen Fall: Er nimmt die Spur des mit Problemen belasteten älteren Bruders eines aufstrebenden lokalen Boxers auf, während er zugleich weiter nach seiner geliebten, vermissten Schwester sucht. Als sich die Ermittlungen zu einer stadtweiten Verschwörung mit finsteren Absichten ausweiten, muss John Sugar sich selbst hinterfragen: Wie weit wird er gehen, um das Richtige zu tun?
Trailer zu John Sugar
John Sugar war so eine Serie, die man nicht auf dem Zettel hatte, über die man nicht viel gelesen hat, und die man dann einfach mal so eingeschaltet hat, alleine schon, weil Colin Farrell hier die Hauptrolle innehat. Und schnell fragt man sich dann, warum nicht viel mehr Leute von dieser Serie wissen und über sie reden. Denn sie ist wirklich ein kleines, funkelndes Juwel. Uns hat Staffel 1 wirklich sehr gefallen.
Vor allem, und hier wird es jetzt etwas tricky, weil die erste Staffel mit einem sehr coolen Twist daherkommt, den man so nicht unbedingt kommen sieht. Und den wir hier jetzt natürlich auch nicht verraten wollen. Die Serie ist vielleicht nicht ganz das, was sie zu sein scheint. Und weil vermutlich viele von euch die erste Staffel noch gar nicht gesehen haben, werden wir uns hier inhaltlich deutlich zurückhalten. Denn dieser Twist spielt natürlich auch in Staffel 2 eine sehr große Rolle.
Was macht John Sugar so sehenswert? Die Serie ist mehr als einfach nur ein weiterer Krimi-Noir, vor allem dank ihrer Hauptfigur, die auch selbst dieses Element durch seine cineastischen Vorlieben stets thematisiert. Doch wo die meisten Noir-Geschichten etwas Düsteres haben, einen Schwarz-Weiß-Filter, Rauch und Nebel und all das, kommt John Sugar wesentlich positiver daher. Die Figur John Sugar hat zwar seine Probleme, jedoch kämpft er nicht so sehr mit inneren Dämonen oder ist heruntergekommen oder etwas dergleichen wie die meisten Privatdetektive in diesen Geschichten. Er ist höflich, charmant, zu so ziemlich jedem freundlich und glaubt an das Gute im Menschen. Er besitzt bei alldem keine Hintergedanken. Das, was er tut, tut er nicht, weil er keine andere Wahl hat oder im Leben irgendwo falsch abgebogen ist, sondern weil er sich aktiv dafür entschieden hat. Weil er das Bedürfnis empfindet, Menschen zu helfen. John Sugar ist fast schon auf naive Weise gut, doch genau das ist auch das Erfrischende an ihm.
Vor allem das Thema Menschlichkeit steht oftmals im Zentrum der Geschichte. John Sugar fungiert hier als Außenseiter, als Beobachter der Menschheit, wenn man so will. Als jemand, der Gutes tun will in dieser Welt, und dabei Zeuge all des Schlechten wird, wozu die Menschen fähig sind. Doch er verliert dabei nie den Glauben, da er gleichzeitig eben auch all das Gute sieht, wozu die Menschen imstande sind. Er ist ein Optimist, der erst mit Worten und Freundlichkeit versucht, eine brenzlige Situation zu lösen, ehe dann doch vielleicht andere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Und sollte dies nötig sein, so weiß er sich zu behaupten.
Gleichzeitig gibt es da aber diese eine Grenze, die er nicht überschreiten möchte. Und hier befinden wir uns in einem der zentralen Themen der zweiten Staffel. Was ist nötig, um selbst jemanden wie John Sugar zur Grenzüberschreitung zu treiben? Kann man das Gute und Optimistische in sich wirklich erhalten, wenn man ständig mit den schlechten und bösartigen Seiten der Menschen konfrontiert wird? Kann man verhindern, nicht doch früher oder später von all dem korrumpiert zu werden?
Sowohl die erste als auch die zweite Staffel behandeln voneinander unabhängige Fälle, die gleichzeitig aber auch irgendwie mit etwas Größerem verbunden sind. In der zweiten Staffel ist es nicht ganz so gut gelungen, dies miteinander zu verknüpfen wie noch in der ersten, und man wird etwas mehr auf die Folter gespannt, ehe auch die andere Thematik mehr ins Zentrum rückt. Wir müssen hier leider aus Gründen etwas kryptisch bleiben.
Ein weiterer positiver Aspekt an der Serie ist ihre Laufzeit. Einzelne Folgen können zwar auch schon mal eine Laufzeit von einer Stunde haben, doch die meisten pendeln sich zwischen 30 und 40 Minuten ein. Hinzu kommt der tolle Stil der Serie. Das sommerliche Los Angeles wird wunderbar eingefangen, das Bild ist für Apple-Produktionen gewohnt hochwertig. Wenn Sugar in seinem feinen Anzug bei offenem Verdeck und mit Sonnenbrille durch die Stadt fährt, ist das schon die halbe Miete für die tolle Atmosphäre der Serie.
Colin Farrell ist hier natürlich der Star und die absolut perfekte Besetzung für John Sugar. Er spielt wunderbar den gutherzigen Privatdetektiv, der den Menschen helfen möchte. Gleichzeitig nimmt man ihm aber auch die manchmal nötige Härte vollkommen ab. Als Bonus bringt er dann noch seinen Charme und sein gutes Aussehen mit in die Rolle hinein. Doch auch das, was vor allem unter der Oberfläche seiner Figur lauert, bringt er wunderbar zum Vorschein. Vor allem die eher verletzliche Seite von Sugar.
Auch die restliche Besetzung darf sich sehen lassen. In Staffel 1 spielt zum Beispiel Oscarpreisträger James Cromwell eine wichtige Rolle. In Staffel 2 stoßen Sasha Calle und der wie immer tolle und charismatische Tony Dalton dazu.
Die tolle Besetzung, der tolle Stil, das hochwertige Bild und die Geschichte eines Privatdetektivs, der stets versucht, das Gute in den Menschen und der Welt zu sehen, und jederzeit bereit ist, jemandem in Not zu helfen, machen aus John Sugar ein Krimi-Noir der optimistischen Sorte. Nimmt man dann noch den überraschenden Twist aus der ersten Staffel hinzu, entsteht eine erfrischende Serie, in die man gerne einmal hineinsehen darf.
Fazit
Was die übergeordnete Geschichte angeht, die wir aus Spoilergründen nicht näher erwähnen wollen, benötigt Staffel 2 für uns etwas zu lange, um in Fahrt zu geraten. Sie darf hier mehr als Teaser auf eine kommende dritte Staffel verstanden werden. Dennoch überzeugt auch Staffel 2 erneut, vor allem mit demselben Charme und dem sommerlichen L.A.-Noir-Stil, mit dem uns auch bereits die erste Staffel für sich gewinnen konnte.
John Sugar setzt in einer unperfekten Welt die Menschlichkeit in den Mittelpunkt. Colin Farrell spielt voller Charme eine Figur, die aufgrund ihres fast schon naiven Optimismus dabei behilflich ist, das Gute in uns selbst zu finden. In einer Welt, in der gefühlt jeder den Glauben an das Gute im Menschen verloren hat, ist es gut, einen John Sugar zu haben, der diesen Glauben für einen selbst übernimmt.


