
Bewertung: 3.5 / 5
Ich weiß noch, wie ich damals ziemlich enttäuscht aus dem Kino gekommen bin nach der Sichtung von „Am Ende der Welt“ und auch jetzt, nach mehreren weiteren Sichtungen über die Jahre, hat sich hierzu meine Meinung nicht geändert, oder der Film plötzlich zum besseren gewandelt. Nein, der Film fühlt sich weiterhin nicht wie ein Heidenspaß, sondern wie anstrengende Arbeit an.
Was allein schon an der ausufernden Spielzeit von beinahe drei Stunden liegt und daran, dass obwohl der Film gleich mehrere Schauplätze abarbeiten muss, ein ganzes Arsenal an Charakteren befriedigen und seine Handlung zu einem wünschenswerten, gelungen Abschluss bringen soll, an jedem dieser Punkte ins Straucheln kommt.
Trailer zu Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt
Hatte der erste Film der Reihe noch eine recht geschlossene Handlung und ein Ende mit dem man hätte gut leben können, sind die beiden direkten Fortsetzungen, welche zusammen eine Dilogie ergeben, ein weiterer Handlungsstrang in der Filmreihe, der zwar hier zu einem Abschluss kommt, ihn aber in der letzten Szenerie wieder verwischt, in dem er bereits den potentiellen Nachfolger angeteasert hat und klar und deutlich Stellung nimmt, dass die Abenteuer von Captain Jack Sparrow noch nicht zu Ende sind. Das hatte ich gar nicht mehr im Gedächtnis und hat mich schwer enttäuscht, dass man es sich einfach nicht verkneifen konnte. Von heutigen Blockbustern bin ich solche Unarten gewohnt, aber dass man damals schon seine Geschichten nicht abrunden konnte, zeigt nur, dass Erinnerung oft ein goldener Rahmen ist.
Die Charaktere im Film sind größtenteils eher unbefriedigend in ihrer Entwicklung und Abarbeitung gehalten. Ich denke aber am schlimmsten trifft es das Herz der Reihe mit Jack Sparrow. Hat man seine Rolle im zweiten Film bereits deutlich gestutzt und bedingt durch andere Charaktere nach hinten gedrängt, so verkommt Jack im dritten Teil zu einer weiteren Figur im Cast, der man nicht mehr die Rolle des Hauptprotagonisten zusprechen mag. Zwar darf Johnny Depp hier zwischendurch noch weiterhin den Pausenclown durchziehen, schafft es diesmal aber nicht mehr, den Film an sich zu reißen.
Immerhin hat man mit Geoffrey Rush und der Figur des Captain Barbossa, meine Lieblingsfigur der ganzen Reihe zurückgeholt und Rush, der zwar nicht der Mittelpunkt der Story ist, hat trotzdem einige der besten Szenen im ganzen Film. Überhaupt hatte ich hier weiterhin den Eindruck und war abermals erstaunt, mit welcher Leichtigkeit Rush sich die Rolle aus dem Ärmel schüttelt.
Die Figur des Davy Jones ist interessant angelegt und bekommt meines Erachtens auch ein paar wenige gute Szenen im Film, incl. einem gelungenen Abschluss, wird aber leider auch deutlich zu weit nach hinten geschoben, dafür dass sie so ein zentraler Punkt der Erzählung ist. Das man Bill Nighy, bis auf eine einzige Szene, weiterhin hinter Effekten versteckt, finde immer noch komplett verschenktes Potential eines großen Darstellers.
Nebenfiguren wie Pintel, Ragetti oder Mr. Gibbs, bekommen zwar hier und da ihre kleinen Szenen, aber durch den deutlich zu umfassenden Cast, verkommen sie im Film zur beiläufigen Nebensächlichkeit.
Ähnlich schaut es dann mit Jonathan Pryce als Governor Swann aus, den man, aus welchen Gründen auch immer, ziemlich schnell aus der Geschichte geschrieben hat und das irgendwie nicht mal besonders gut. Ganz ähnlich verhält es sich dann mit Jack Davenport und seiner Rolle als Norrington, der zwar immer wieder mal im Film auftaucht, aber leider ebenfalls nicht mehr als Beiwerk ist, bis er zu einem späteren Teil in der Handlung recht unschön abgehandelt wird. Halte ich für nicht besonders gut geschrieben.
Gut, das Drehbuch an sich ist nicht die Stärke des Films. Auch wenn alle Filme der Reihe ein wenig vom Chaos leben, so ist besonders der dritte Film, der am meisten davon geschädigt wird. Es verwundert auch heute noch, dass ein Film mit einem Budget von etwa 300 Millionen, die Dreharbeiten ohne fertiges Drehbuch begonnen hat, was man ihm leider immer und immer wieder anmerkt.
Bei schlecht geschriebenem Drehbuch kommt man dann auch nicht an Knightleys Elizabeth Swann vorbei, die zwar immer diese Affinität zum „Piratentum“ mit sich herumgetragen hat, aber bis zum dritten Teil eine Entwicklung durchmacht, welche die Drehbücher, auch des zweiten Teils nicht erklären können. Von Tochter des Governors zu toughe Piratenkönigin, ist es ein deutlicher Sprung, den die Filmreihe nicht mal im Ansatz erklären oder widerspiegeln kann, incl. wann aus Swann eine regelrechte Meisterin des Schwertkampfs geworden ist.
Auch der ganze Storyarc um Will Turner und „ich tue alles, um meinen Vater zu retten, egal was es kostet“ empfand ich im zweiten Teil schon aufgesetzt und habe ihn der Figur nicht abgekauft, nur dass man es hier nun auf die absolute Spitze getrieben hat.
Eigentlich ist halt die ganze Story ein ziemliches Durcheinander und wirkt nicht gut durchdacht. Alleine dieses ständige Wechseln der Seiten, der Plan im Plan und dieses „jeder-gegen-jeden“ Getue halte ich für keineswegs bereichernd.
Was mich damals bereits bei der Erstsichtung gewundert hat, war die Hinzunahme des ganzen „asiatischen Piratenanteils“, der bestimmt interessant geworden wäre, hätte man daraus mehr gemacht. So wirkt es eher wie eine verschenkte und ungenutzte Möglichkeit.
Immerhin ist der Film gut inszeniert und die meisten Effekte sehen auch heute noch ganz in Ordnung aus, wenn auch hier bereits der Zahn der Zeit am Film nagt und man wieder unweigerlich zur Erkenntnis kommt, das künstliches CGI deutlich schlechter altert als praktische, handgefertigte Effekte.
Die kleine Nebenszenerie mit Keith Richards finde ich auch heute noch nett. Auch wenn sich Jacks Figur optisch eindeutig bei Adam Ant bedient hat, war doch Richards für seine ganze „Art“ des Verhaltens ausschlaggebend. Eine schöne Zusammenführung der Hommage.
Es bleibt natürlich auch der dritte Teil noch ein sehenswerter Abenteuerfilm, trotz des schlechten Drehbuchs, des überfrachteten Casts, der viel zu chaotischen Handlung und vielen seltsamen Entscheidungen und unglaubwürdigen Charakterentwicklungen. Also gerade im Rückblick und wenn man sich mal umschaut, was heute als „große Blockbuster“ in den Ring geworfen wird. Daher kann ich dem Film doch noch recht viele Unarten durchgehen lassen, nur die Sache mit Bill Nighy… die kreide ich ihm weiterhin an.

