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Spider-Man - Brand New Day

Kritik Details Trailer News
Spider-Man mit ernsthaften moralischen Konflikten

Spider-Man - Brand New Day Kritik

Spider-Man - Brand New Day Kritik
3 Kommentare - 02.08.2026 von MrBond
In dieser Userkritik verrät euch MrBond, wie gut "Spider-Man - Brand New Day" ist.
Spider-Man - Brand New Day

Bewertung: 3.5 / 5

Achtung: Es gibt den ein oder anderen Spoiler!

Ich glaube, dies ist meine erste Kritik zu einem Superheldenfilm und ich möchte gleich vorwegnehmen: Ich bin kein Hardcore-Marvel-Fan – viel mehr ist mir in erster Linie egal, aus welchem Hause der jeweilige Film stammt. Er muss einfach eine gute Geschichte erzählen.

Trailer zu Spider-Man - Brand New Day

Natürlich habe ich auch viele Filme des MCU gesehen, allerdings längst nicht alle und schon gar nicht in chronologischer Reihenfolge. Die Comics kenne ich nur oberflächlich. Meine Perspektive ist deshalb vermutlich die eines typischen Kinobesuchers: Ich mag die Figur des Spider-Man, kenne die wichtigsten Figuren und schaue mir die Filme eigentlich gerne an – erwarte aber, dass ein Kinofilm seine Geschichte auch ohne umfangreiches Vorwissen verständlich erzählt.

Nachdem ich Spider-Man: Brand New Day gesehen hatte, blieben bei mir einige Fragen offen. Also habe ich recherchiert, nachgelesen und mich intensiv mit den Hintergründen beschäftigt. Dabei stellte sich heraus, dass sich manches durchaus erklären lässt – allerdings häufig erst mit Comicwissen oder zusätzlichem Hintergrundwissen außerhalb des Films. Und genau das wurde letztlich zu meinem größten Kritikpunkt.

Trotzdem hat mich Brand New Day positiv überrascht.

Mein Problem mit dem Vorgänger

Mit Spider-Man: No Way Home bin ich nie richtig warm geworden (ich würde sagen, maximal 2,5 Hüte). Natürlich war es ein witziger Moment, Tobey Maguire und Andrew Garfield gemeinsam mit Tom Holland auf der Leinwand zu sehen. Emotional hat das funktioniert – gar keine Frage, aber dennoch hatte ich damals das Gefühl, dass der Film seine Prioritäten falsch gesetzt hat.

Rückblickend wirkte No Way Home auf mich fast so, als hätte man zuerst beschlossen, möglichst viele ikonische Figuren gemeinsam auftreten zu lassen, und anschließend versucht, daraus irgendwie eine Handlung zu konstruieren. Überspitzt formuliert hatte ich stellenweise den Eindruck, als wäre ohne fertiges Drehbuch gedreht worden – in der Hoffnung, dass Multiversum und Nostalgie den Rest schon übernehmen würden.

Viele Zuschauer sehen das sicherlich anders. Für mich überwog jedoch der Fanservice gegenüber einer wirklich geschlossenen Geschichte. Genau deshalb empfinde ich Brand New Day als wohltuenden Gegenentwurf. Hier hatte ich definitiv das Gefühl, dass man zuerst eine Geschichte erzählen wollte – und erst anschließend entschieden hat, welche Figuren dafür wirklich gebraucht werden.

Peter Parker steht im Mittelpunkt

Was mir besonders gefallen hat, ist der Fokus auf Peter Parker. Nicht auf das nächste MCU-Ereignis, nicht auf das nächste Cameo, nicht auf das Multiversum, sondern auf die Hauptfigur und Titelgeber des Films: Spider-Man a.k.a. Peter Parker.

Seine Entscheidungen haben Konsequenzen. Seine Konflikte wirken glaubwürdig. Seine Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film. Und je länger ich über den Film nachgedacht habe, desto mehr glaube ich, dass Brand New Day eigentlich gar kein Film über Superkräfte ist, sondern vielmehr die zentrale Frage stellt: Was macht einen Menschen eigentlich zu dem Menschen, der er ist?

Die eigentliche Geschichte handelt von Menschlichkeit

Während Peters körperliche Mutation immer weiter voranschreitet (dessen Gründe zwar nicht wirklich erklärt werden, aber mit dem mentalen Abdriften Spider-Mans von Peter Parker relativ gut verständlich ist), verändert sich nicht nur sein Äußeres. Auch sein Verhalten verändert sich. Er wird impulsiver, aggressiver, unkontrollierter und seine moralischen Überzeugungen geraten zunehmend ins Wanken. Genau hier fand ich den Film überraschend spannend.

Spider-Man war für mich nie deshalb ein Held, weil er Netze verschießen oder an Wänden laufen kann. Er war ein Held, weil Peter Parker trotz seiner Kräfte immer versucht hat, das Richtige zu tun. Gerade deshalb wirkt seine Mutation nicht nur wie eine körperliche Veränderung - sie wird zu einer moralischen Prüfung. Je stärker die Spinne in ihm wird, desto mehr droht Peter Parker zu verschwinden. Das ist für mich die eigentliche Stärke des Films, denn plötzlich geht es nicht mehr darum, einen Bösewicht zu besiegen, sondern darum, sich selbst nicht zu verlieren.

Spider-Man und der Punisher

Gerade aus den oben genannten Gründen fand ich die Dynamik zwischen Spider-Man und dem Punisher außergewöhnlich gelungen. Anfangs stehen beide für völlig unterschiedliche Weltbilder:

Peter glaubt an Mitgefühl.

Frank Castle glaubt an Konsequenz.

Peter rettet.

Frank richtet.

Doch je weiter Peters Mutation voranschreitet, desto kleiner scheint dieser moralische Abstand zu werden. Nicht weil der Punisher sich verändert, sondern weil Peter beginnt, seine eigenen Grundsätze zu verlieren. Dadurch bekommen ihre gemeinsamen Szenen eine Tiefe, die weit über klassische Buddy-Action hinausgeht.

Nach dem Film habe ich herausgefunden, dass beide Figuren bereits in den Comics mehrfach zusammengearbeitet haben. Das erklärt zwar, warum ihre Chemie so gut funktioniert, ich finde jedoch gleichzeitig, dass der Film diese Dynamik auch ohne Comic-Vorwissen überzeugend transportiert.

Jean – viel Potenzial, aber zu viele offene Fragen

Schwieriger fällt mir die Bewertung von Jean. Ich fand sie als Figur grundsätzlich interessant. Sie besitzt eine tragische Vergangenheit, innere Konflikte und genügend Potenzial, um weit mehr zu sein als eine klassische Gegenspielerin. Trotzdem blieb sie für mich die am wenigsten greifbare Figur des Films. Das liegt unter anderem an ihren Fähigkeiten:

Zu Beginn scheinen relativ klare Regeln zu gelten. Später erweitert sich ihr Fähigkeitenspektrum jedoch immer weiter. Neue Kräfte kommen hinzu, ohne dass der Film wirklich erklärt, warum. Nach meiner Recherche lässt sich das mit der Comicvorlage durchaus begründen. Jean Grey besitzt dort grundsätzlich sowohl telepathische als auch telekinetische Fähigkeiten, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Mein Problem ist allerdings nicht die Existenz dieser Kräfte. Mein Problem ist, dass der Film ihre Entwicklung kaum erklärt. Für Comic-Leser mag das selbstverständlich sein. Für Zuschauer wie mich wirkt es dagegen stellenweise so, als würden neue Fähigkeiten immer genau dann auftauchen, wenn das Drehbuch sie gerade benötigt.

Mindestens genauso schwer fiel es mir, Jeans Motivation wirklich nachzuvollziehen. Ich konnte verstehen, dass sie innerlich zerrissen ist und auch, dass sie von ihrer Vergangenheit geprägt wurde. Ich konnte allerdings nicht immer nachvollziehen, warum sie genau die Entscheidungen trifft, die sie trifft. Gerade weil sie eine so zentrale Figur ist, hätte ich mir hier deutlich mehr Zeit für ihre innere Entwicklung gewünscht.

Muss man inzwischen Comics lesen?

An mehreren Stellen fragte ich mich während des Films: Habe ich etwas übersehen? Was wurde eigentlich aus J. Jonah Jameson? Warum kennt Spider-Man plötzlich bestimmte Personen innerhalb der Polizei so gut? Warum tauchen Hulk und Black Widow genau jetzt auf? Wie bzw. wieso entwickeln sich Jeans Kräfte eigentlich?

Viele dieser Fragen lassen sich tatsächlich beantworten - allerdings häufig erst außerhalb des Films. Okay, (Halb-)Hulk war irgendwie erklärbar, um den Tresor zu knacken… aber das Drehbuch hätte sicher auch andere sinnvolle Möglichkeiten zugelassen. Und über den überflüssigen Auftritt von Black Widow müssen wir an dieser Stelle gar nicht erst diskutieren.

Eine der größten Schwächen des modernen MCU im Allgemeinen sehe ich jedoch an einer anderen Stelle. Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn Comics zusätzliche Hintergründe liefern. Ich habe aber ein Problem damit, wenn ein Kinofilm den Zuschauer mit dem Gefühl zurücklässt, anschließend Wikipedia oder ChatGPT öffnen zu müssen, um zentrale Entwicklungen vollständig zu verstehen.

Comicwissen sollte einen Film bereichern. Es sollte keine Voraussetzung sein, um seine wichtigsten Entscheidungen nachvollziehen zu können.

Die offenen Wunden des Vorgängers

Auch die Ereignisse des Vorgänger-Films No Way Home spielen in diesem Abenteuer eine wichtige Rolle. Die Konsequenzen des Finales sind emotional durchaus nachvollziehbar. Dennoch stellte ich mir immer wieder die Frage, ob Peters Umgang mit seinen engsten Freunden wirklich die einzig mögliche Lösung darstellt.

Ich verstehe seine Motivation, aber ich hatte gleichzeitig das Gefühl, dass der Film diese Entscheidung nicht konsequent genug hinterfragt. Gerade weil Peter inzwischen deutlich erwachsener geworden ist, hätte ich mir gewünscht, dass dieser Konflikt noch intensiver behandelt wird.

Fazit

Wie lässt sich Spider-Man: Brand New Day als Film also grundsätzlich einordnen? Zunächst lässt sich dem Film attestieren, dass er sich erfreulich ernst nimmt. Zwar wird nicht jede Handlung logisch erklärt und auch nicht jede Figur ist perfekt geschrieben, aber der Film hat etwas zu erzählen und vertraut nicht einfach nur darauf, dass die MCU- oder generellen Superhelden-Fans schon einverstanden sein werden. Er erzählt von Verantwortung, von Identität, von Macht, von Kontrollverlust und letztlich von der Frage, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Dem Satz "Mit großer Macht folgt große Verantwortung" wird hier mehr Bedeutung zuteil, als in so manchem Spider-Man-Film zuvor.

Vielleicht haben mich deshalb manche Szenen im Nachhinein an Matrix erinnert. Nicht wegen ihrer Optik oder ihrer Action, sondern weil beide Filme die Frage stellen, wie Macht und Erkenntnis einen Menschen verändern können. Gleichzeitig musste ich bei Jeans Fähigkeiten immer wieder an Filme wie Demon denken, in denen übernatürliche Regeln nur dann wirklich funktionieren, wenn sie innerhalb der Geschichte konsequent erklärt werden. Genau hier verschenkt Brand New Day aus meiner Sicht erheblich Potenzial. Vermutlich ganz einfach, weil diese Themen bisher eigene Filme benötigten, um sich richtig gut entfalten zu können.

Trotzdem verlässt der Film erfreulich oft die ausgetretenen Pfade des MCU. Statt sich ausschließlich auf große Überraschungsauftritte oder Fanservice zu verlassen, oder übertriebenen Slapstick zu zelebrieren, erzählt er wieder eine persönliche und ernste Geschichte über Peter Parker.

Vielleicht ist das die größte Stärke des Films, denn am Ende erinnert Spider-Man: Brand New Day daran, dass Spider-Man nie wegen seiner Superkräfte zu einem Helden geworden ist, sondern wegen seiner Menschlichkeit. Und genau diese Menschlichkeit gerät hier ernsthaft auf die Probe.

Die Story mag okay sein, aber nicht wirklich originell. Nichts, was man nicht schon in anderen Filmen – teilweise besser – gesehen hätte. Aber insbesondere das eigentliche Thema, die Charakterentwicklung und vor allem die Dynamik zwischen der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft und dem Punisher und der moralischen Konflikte, hebt den Film erfreulich von anderen Beiträgen des Genres ab.

Ich lande letztlich bei guten 7 von 10 Punkten

Spider-Man - Brand New Day Bewertung
Bewertung des Films
710

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3 Kommentare
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MrBond : : Imperialer Agent
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0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.117 | Reviews: 30 | Hüte: 645

Danke Euch beiden, @Raven13 und @CountDooku.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man als Fan und mit mehr Hintergrundwissen und Euphorie auf eine deutlich bessere Bewertung kommt, wobei ich bewusst 7 von 10 geschrieben habe... es hört sich irgendwie psychologisch besser an, als 3,5 von 5.

Für mich bleibt eben Watchmen unerreicht auf Platz 1, was Superheldenfilme angeht... daran müssen sich andere Filme messen. Und auch wenn ich Brand New Day mochte, schafft er es für mich nicht, diesen Wow-Effekt auszulösen, den Watchmen eben hat... was auch der Grund ist, warum ich eben diesen als Steelbook in meinem Regal stehen habe und damals, als es in Deutschland den Ultimate Cut noch nicht gab, sogar die fette Collectors-Edition aus den USA importierte.

So bleibt Brand New Day für mich ein guter Film, den ich gerne nochmal anschauen werde, wenn er im Streaming erscheint. Und für Euch und die anderen "Big Fans" freut es mich, dass ihr mit dem Film das Gefühl serviert bekommen habt, das ich mit Watchmen habe. Ich kann es also durchaus nachvollziehen.

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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CountDooku : : Moviejones-Fan
02.08.2026 21:43 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.11 | Posts: 766 | Reviews: 8 | Hüte: 7

Gute Kritik.

Deine Kritikpunkte an No Way Home kann ich unterschreiben. Ich war schon enttäuscht, dass man so wenig aus der Mysterio Enthüllung gemacht hat.

Dazu fand ich Strange in dem Film ziemlich dämlich.

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
02.08.2026 16:11 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 9.335 | Reviews: 156 | Hüte: 777

@ MrBond

Schön geschrieben!

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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