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Die Einsteiger

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Als man das Kino noch betreten konnte

Die Einsteiger Kritik

Die Einsteiger Kritik
5 Kommentare - 05.07.2026 von MrBond
In dieser Userkritik verrät euch MrBond, wie gut "Die Einsteiger" ist.

Bewertung: 4 / 5

Manchmal gibt es Filme, die von der Kritik kaum beachtet werden, deren Ruf mit den Jahren verblasst und die dennoch eine treue Fangemeinde behalten. Nicht nur aus bloßer Nostalgie, sondern weil sie etwas besitzen, das man nicht planen kann: eine außergewöhnliche Idee und die spürbare Begeisterung ihrer Macher.

Die Einsteiger aus dem Jahr 1985 ist genau so ein Film.

Natürlich wäre es vermessen, Mike Krüger und Thomas Gottschalk zu den großen Schauspielern des deutschen Kinos zu zählen. Beide spielen im Grunde sich selbst – locker, sympathisch, gelegentlich etwas überdreht und mit genau jener Natürlichkeit, die sie damals zu den beliebtesten Entertainern des Landes machte. Ihre Rollen leben weniger von schauspielerischer Raffinesse als von ihrer gegenseitigen Chemie. Und erstaunlicherweise reicht genau das aus, um den Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren hat.

Denn der eigentliche Star des Films ist seine Idee.

Während heute Begriffe wie "Multiversum", "Meta-Ebene" oder "Crossover" längst zum festen Bestandteil der Popkultur gehören, präsentierte Die Einsteiger bereits Mitte der Achtziger ein Konzept, das seiner Zeit erstaunlich weit voraus war. Ein von Mike entwickelter Video-Integrator, ein modifizierter Videorekorder, ermöglicht es den beiden Freunden, buchstäblich in Videofilme einzusteigen und selbst Teil ihrer Handlung zu werden.

Allein diese Prämisse entfaltet eine Faszination, der man sich kaum entziehen kann. Wer hat sich als Kind nicht gewünscht, selbst einmal mitten in seinem Lieblingsfilm zu stehen?

Dabei beschränkt sich der Film nicht auf eine einzige Welt. Stattdessen führt er seine Helden durch liebevoll gestaltete Genre-Kulissen, die berühmten Kinoklassikern augenzwinkernd Tribut zollen. Mal finden sie sich in einem staubigen Western wieder, dann geraten sie in eine Vampirgeschichte, die unverkennbar an Roman Polańskis Tanz der Vampire erinnert. Kurz darauf geht es auf Rettungsaktion im Stil von Indiana Jones, ehe Anklänge an Gangsterklassiker wie Der Clou sowie an den Boxerfilm Rocky folgen.

Dabei kopiert Die Einsteiger seine Vorbilder nie einfach. Vielmehr fängt der Film deren Atmosphäre ein und verwandelt sie in eine liebevolle Hommage an das Kino selbst. Genau darin liegt eine seiner größten Qualitäten. Man spürt in nahezu jeder Szene, dass hier Menschen gearbeitet haben, die Filmgeschichte nicht persiflieren, sondern feiern wollten.

Bemerkenswert ist auch der Produktionsaufwand. Für eine deutsche Komödie des Jahres 1985 wirken Kulissen, Kostüme und Masken überraschend aufwendig. Jede Filmwelt besitzt ihren eigenen Charakter, und obwohl die Spezialeffekte aus heutiger Sicht natürlich sichtbar in ihrer Zeit verwurzelt sind, besitzen sie einen handgemachten Charme, der vielen modernen Produktionen mittlerweile abhandengekommen scheint. Statt sterilem Perfektionismus erlebt man kreative Tricktechnik, die gerade durch ihre handwerkliche Umsetzung überzeugt.

Einen ganz wesentlichen Anteil an dieser Atmosphäre hat die Musik von Oliver Onions. Wer mit den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill aufgewachsen ist, erkennt ihren unverwechselbaren Stil bereits nach wenigen Takten. Eingängige Melodien, treibende Rhythmen und genau jene Mischung aus Abenteuerlust und Leichtigkeit verleihen Die Einsteiger eine musikalische Identität, die bis heute sofort Erinnerungen weckt. Der Soundtrack begleitet den Film nicht nur – er ist Teil von ihm.

Hinzu kommen zahlreiche Gastauftritte bekannter Gesichter des damaligen deutschen Fernsehens. Besonders schön gelungen ist der Auftritt von Werner Kreindl als Kommissar Gierke. Für das Publikum der Achtziger war Kreindl untrennbar mit der erfolgreichen Krimiserie SOKO 5113 verbunden. Gerade deshalb funktioniert sein Einsatz so hervorragend: Der Film spielt augenzwinkernd mit dem Bild des resoluten Fernsehkommissars und schenkt dem Zuschauer einen jener kleinen Wiedererkennungsmomente, die damals für besondere Freude sorgten. Solche Besetzungen wirken nie wie Selbstzweck, sondern fügen sich harmonisch in die Geschichte ein und verleihen ihr zusätzlichen Charme.

Was Die Einsteiger darüber hinaus von vielen anderen deutschen Komödien seiner Zeit unterscheidet, ist seine erzählerische Haltung. Der Film nimmt seine verrückte Grundidee ernst. Er macht Witze, ohne seine eigene Welt lächerlich zu machen. Gerade deshalb funktioniert die Handlung auch heute noch erstaunlich gut. Die fantastische Prämisse besitzt ihre eigene Logik – und der Film bleibt ihr bis zum Schluss treu.

Aus heutiger Sicht drängt sich sogar ein interessanter Vergleich auf. Wer Ernest Clines Roman Ready Player One oder Steven Spielbergs gleichnamige Verfilmung des Buchs kennt, wird unweigerlich an eine ähnliche Grundfaszination erinnert. Natürlich gibt es keinerlei direkten Zusammenhang. Clines Roman entstand Jahrzehnte später und diente Spielberg als Vorlage. Doch beide Werke verbindet derselbe Traum: Nicht länger nur Zuschauer zu sein, sondern selbst Teil der Welten zu werden, die man liebt.

Während Ready Player One diesen Gedanken mit modernster Computertechnik und einer überwältigenden Fülle an Popkulturreferenzen (ebenfalls hauptsächlich auf die 1980er) umsetzt, entwickelte Die Einsteiger dieselbe Sehnsucht bereits 1985 – charmant, analog und ganz im Geist der Videorekorder-Generation. In gewisser Weise wirkt der Film heute beinahe wie ein liebenswerter Vorläufer dieser Idee. Nicht als Inspiration, sondern als früher Beweis dafür, wie faszinierend der Gedanke war, Filme nicht nur anzusehen, sondern sie tatsächlich betreten zu können.

Natürlich spielt Nostalgie beim Wiedersehen eine Rolle. Wer in den Achtzigern oder frühen Neunzigern aufgewachsen ist, verbindet mit Die Einsteiger unweigerlich Erinnerungen an Videotheken, Familienabende vor dem Röhrenfernseher und jene Zeit, in der ein Videorekorder noch das Tor zu unzähligen Abenteuern war.

Doch Nostalgie allein erklärt nicht, weshalb der Film auch heute noch begeistert.

Es ist seine Fantasie. Seine Liebe zum Kino. Sein Ideenreichtum. Und die spürbare Freude, mit der jede einzelne Filmwelt gestaltet wurde. Während viele Komödien ihrer Zeit heute erstaunlich alt wirken, besitzt Die Einsteiger eine zeitlose Leichtigkeit, weil sein Kern nie die Gags waren, sondern die Begeisterung für das Erzählen von Geschichten.

Vielleicht ist genau das sein größtes Verdienst. Er erinnert uns daran, warum wir Filme lieben - nicht nur, um ihnen zuzusehen, sondern um uns für 102 Minuten vorzustellen, wir könnten selbst durch die Leinwand treten und Teil ihrer Welt werden.

Natürlich mit viel Nostalgie-Bonus bekommt dieser spaßige Abenteuer-Ritt von mir 4 Hüte!

Die Einsteiger Bewertung
Bewertung des Films
810

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5 Kommentare
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DrStrange : : Moviejones-Fan
14.07.2026 17:53 Uhr
0
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 3.958 | Reviews: 68 | Hüte: 157

@MrBond

Ja stimmt, in den "Otto - der neue Film", glaube aber auch im ersten "Otto - der Film" war auch viel davon zu sehen. Wie du sagst, heute undenkbar und würde zu mind. viel Kopfschütteln und Stirnrunzeln führen. Hat aber auch diesen seltsamen Kultcharakter.

Ich denke auch das Pepsi in den 80ern, nicht so eine große Konkurrenz für Cola geworden wäre, ohne Filme wie "Zurück in die Zukunft". Also zumindest in den Staaten.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

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MrBond : : Imperialer Agent
14.07.2026 17:41 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.057 | Reviews: 27 | Hüte: 627

@DrStrange

Jup, Product Placement... das wurde in den 80er-Jahren in deutschen Komödien wirklich unfassbar schamlos und ungeniert betrieben ^^. Die Bifi-Szenen bei den Supernasen sind da das beste Beispiel – das war ja quasi ein Dauerwerbespot im Spielfilmformat.

Aber das war damals anscheinend echt der Trend. Wenn man sich Otto – Der neue Film anschaut, war das ja genau dasselbe Kaliber: Da sprangen einem Bauknecht, Marlboro und co. im Sekundentakt völlig absurd ins Gesicht. Heute würde man bei so einer Holzhammer-Methode im Kino wohl nur noch den Kopf schütteln, aber rückblickend hat dieser völlig übertriebene Kommerz in den alten Filmen schon wieder einen ganz eigenen, extremen Kultcharakter!

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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DrStrange : : Moviejones-Fan
06.07.2026 09:15 Uhr | Editiert am 06.07.2026 - 09:17 Uhr
0
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 3.958 | Reviews: 68 | Hüte: 157

Dá ich ja quasi mit den "Tommy und Mike", also den "Supernasen" Filmen aufgewachsen bin, kann ich auch heute an den Filmen noch reichlich Spaß haben, verstehe aber, wenn der Neuzugang heute deutlich schwieriger bis unmöglich ausfällt. Die Filme waren jetzt nicht gerade eine cineastische Offenbarung, trafen aber damals ziemlich den Nerv des Publikums und hatten den Popularitätsbonus der beiden Hauptdarsteller. "Die Einsteiger" halte ich mit seiner "Videokassetten-Thematik" und all den schicken und für so einen Film wirklich liebevoll inszenierten Filmreferenzen, für den besten Beitrag des Nasenduos.

Auch wenn der Film wohl offensichtlich von "Bifi" mitfinanziert wurde...

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

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MrBond : : Imperialer Agent
06.07.2026 09:02 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 4.057 | Reviews: 27 | Hüte: 627

@CountDooku

"Den Film habe ich als Kind geliebt"

Jup... so, wie ich ^^... und ich mag ihn halt immer noch. Heutige Generationen werden vielleicht nicht mehr so viel damit anfangen können, aber... Challenge Accepted! Mal sehen, was meine Kids zu diesem kleinen Meisterwerk sagen. Mein Mittlerer steht vor allem auf das ganze Retro-Zeug, wie "Videokassetten" und alte "8-Bit-Games". Vorher vielleicht noch den ein, oder anderen Indy oder Tanz der Vampire laughing

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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CountDooku : : Moviejones-Fan
05.07.2026 20:08 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.11 | Posts: 652 | Reviews: 6 | Hüte: 3

Den Film habe ich als Kind geliebt. Genauso Piratensender Powerplay.

Muss ihn unbedingt mal wieder anschauen.

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