Bewertung: 4 / 5
Manchmal gibt es Filme, die von der Kritik kaum beachtet werden, deren Ruf mit den Jahren verblasst und die dennoch eine treue Fangemeinde behalten. Nicht nur aus bloßer Nostalgie, sondern weil sie etwas besitzen, das man nicht planen kann: eine außergewöhnliche Idee und die spürbare Begeisterung ihrer Macher.
Die Einsteiger aus dem Jahr 1985 ist genau so ein Film.
Natürlich wäre es vermessen, Mike Krüger und Thomas Gottschalk zu den großen Schauspielern des deutschen Kinos zu zählen. Beide spielen im Grunde sich selbst – locker, sympathisch, gelegentlich etwas überdreht und mit genau jener Natürlichkeit, die sie damals zu den beliebtesten Entertainern des Landes machte. Ihre Rollen leben weniger von schauspielerischer Raffinesse als von ihrer gegenseitigen Chemie. Und erstaunlicherweise reicht genau das aus, um den Zuschauer mit auf eine Reise zu nehmen, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren hat.
Denn der eigentliche Star des Films ist seine Idee.
Während heute Begriffe wie "Multiversum", "Meta-Ebene" oder "Crossover" längst zum festen Bestandteil der Popkultur gehören, präsentierte Die Einsteiger bereits Mitte der Achtziger ein Konzept, das seiner Zeit erstaunlich weit voraus war. Ein von Mike entwickelter Video-Integrator, ein modifizierter Videorekorder, ermöglicht es den beiden Freunden, buchstäblich in Videofilme einzusteigen und selbst Teil ihrer Handlung zu werden.
Allein diese Prämisse entfaltet eine Faszination, der man sich kaum entziehen kann. Wer hat sich als Kind nicht gewünscht, selbst einmal mitten in seinem Lieblingsfilm zu stehen?
Dabei beschränkt sich der Film nicht auf eine einzige Welt. Stattdessen führt er seine Helden durch liebevoll gestaltete Genre-Kulissen, die berühmten Kinoklassikern augenzwinkernd Tribut zollen. Mal finden sie sich in einem staubigen Western wieder, dann geraten sie in eine Vampirgeschichte, die unverkennbar an Roman Polańskis Tanz der Vampire erinnert. Kurz darauf geht es auf Rettungsaktion im Stil von Indiana Jones, ehe Anklänge an Gangsterklassiker wie Der Clou sowie an den Boxerfilm Rocky folgen.
Dabei kopiert Die Einsteiger seine Vorbilder nie einfach. Vielmehr fängt der Film deren Atmosphäre ein und verwandelt sie in eine liebevolle Hommage an das Kino selbst. Genau darin liegt eine seiner größten Qualitäten. Man spürt in nahezu jeder Szene, dass hier Menschen gearbeitet haben, die Filmgeschichte nicht persiflieren, sondern feiern wollten.
Bemerkenswert ist auch der Produktionsaufwand. Für eine deutsche Komödie des Jahres 1985 wirken Kulissen, Kostüme und Masken überraschend aufwendig. Jede Filmwelt besitzt ihren eigenen Charakter, und obwohl die Spezialeffekte aus heutiger Sicht natürlich sichtbar in ihrer Zeit verwurzelt sind, besitzen sie einen handgemachten Charme, der vielen modernen Produktionen mittlerweile abhandengekommen scheint. Statt sterilem Perfektionismus erlebt man kreative Tricktechnik, die gerade durch ihre handwerkliche Umsetzung überzeugt.
Einen ganz wesentlichen Anteil an dieser Atmosphäre hat die Musik von Oliver Onions. Wer mit den Filmen von Bud Spencer und Terence Hill aufgewachsen ist, erkennt ihren unverwechselbaren Stil bereits nach wenigen Takten. Eingängige Melodien, treibende Rhythmen und genau jene Mischung aus Abenteuerlust und Leichtigkeit verleihen Die Einsteiger eine musikalische Identität, die bis heute sofort Erinnerungen weckt. Der Soundtrack begleitet den Film nicht nur – er ist Teil von ihm.
Hinzu kommen zahlreiche Gastauftritte bekannter Gesichter des damaligen deutschen Fernsehens. Besonders schön gelungen ist der Auftritt von Werner Kreindl als Kommissar Gierke. Für das Publikum der Achtziger war Kreindl untrennbar mit der erfolgreichen Krimiserie SOKO 5113 verbunden. Gerade deshalb funktioniert sein Einsatz so hervorragend: Der Film spielt augenzwinkernd mit dem Bild des resoluten Fernsehkommissars und schenkt dem Zuschauer einen jener kleinen Wiedererkennungsmomente, die damals für besondere Freude sorgten. Solche Besetzungen wirken nie wie Selbstzweck, sondern fügen sich harmonisch in die Geschichte ein und verleihen ihr zusätzlichen Charme.
Was Die Einsteiger darüber hinaus von vielen anderen deutschen Komödien seiner Zeit unterscheidet, ist seine erzählerische Haltung. Der Film nimmt seine verrückte Grundidee ernst. Er macht Witze, ohne seine eigene Welt lächerlich zu machen. Gerade deshalb funktioniert die Handlung auch heute noch erstaunlich gut. Die fantastische Prämisse besitzt ihre eigene Logik – und der Film bleibt ihr bis zum Schluss treu.
Aus heutiger Sicht drängt sich sogar ein interessanter Vergleich auf. Wer Ernest Clines Roman Ready Player One oder Steven Spielbergs gleichnamige Verfilmung des Buchs kennt, wird unweigerlich an eine ähnliche Grundfaszination erinnert. Natürlich gibt es keinerlei direkten Zusammenhang. Clines Roman entstand Jahrzehnte später und diente Spielberg als Vorlage. Doch beide Werke verbindet derselbe Traum: Nicht länger nur Zuschauer zu sein, sondern selbst Teil der Welten zu werden, die man liebt.
Während Ready Player One diesen Gedanken mit modernster Computertechnik und einer überwältigenden Fülle an Popkulturreferenzen (ebenfalls hauptsächlich auf die 1980er) umsetzt, entwickelte Die Einsteiger dieselbe Sehnsucht bereits 1985 – charmant, analog und ganz im Geist der Videorekorder-Generation. In gewisser Weise wirkt der Film heute beinahe wie ein liebenswerter Vorläufer dieser Idee. Nicht als Inspiration, sondern als früher Beweis dafür, wie faszinierend der Gedanke war, Filme nicht nur anzusehen, sondern sie tatsächlich betreten zu können.
Natürlich spielt Nostalgie beim Wiedersehen eine Rolle. Wer in den Achtzigern oder frühen Neunzigern aufgewachsen ist, verbindet mit Die Einsteiger unweigerlich Erinnerungen an Videotheken, Familienabende vor dem Röhrenfernseher und jene Zeit, in der ein Videorekorder noch das Tor zu unzähligen Abenteuern war.
Doch Nostalgie allein erklärt nicht, weshalb der Film auch heute noch begeistert.
Es ist seine Fantasie. Seine Liebe zum Kino. Sein Ideenreichtum. Und die spürbare Freude, mit der jede einzelne Filmwelt gestaltet wurde. Während viele Komödien ihrer Zeit heute erstaunlich alt wirken, besitzt Die Einsteiger eine zeitlose Leichtigkeit, weil sein Kern nie die Gags waren, sondern die Begeisterung für das Erzählen von Geschichten.
Vielleicht ist genau das sein größtes Verdienst. Er erinnert uns daran, warum wir Filme lieben - nicht nur, um ihnen zuzusehen, sondern um uns für 102 Minuten vorzustellen, wir könnten selbst durch die Leinwand treten und Teil ihrer Welt werden.
Natürlich mit viel Nostalgie-Bonus bekommt dieser spaßige Abenteuer-Ritt von mir 4 Hüte!


