
Bewertung: 3 / 5
Ein Pilot landet mit seiner gelben Cessna in einer verwüsteten Stadt. Er durchforstet die Häuser nach Vorräten und siehe da – unzählige Paletten mit köstlichen Softgetränken lachen ihn an. Er verstaut die Dosen in seinem Flugzeug und streift weiter. So oder so ähnlich muss es im Drehbuch zum Endzeit-Drama Das Ende der Sterne gestanden haben, dem neuen Werk von Regielegende und Alien-Begründer Sir Ridley Scott.
Vermutlich widerspricht das eingangs genannte Szenario jeder Vorstellung von einer Apokalypse, das uns im namhaft besetzten Streifen präsentiert wird und seit dem 27. August in den deutschen Kinos läuft. Dennoch haben wir uns auf die Geschichte eingelassen, um Jacob Elordi (Saltburn), Josh Brolin (Weapons - Die Stunde des Verschwindens) und Co auf ihrer knapp zweistündigen Mission zu begleiten. Ob es sich schlussendlich doch ausgezahlt hat, ein Ticket zu lösen, erfahrt ihr in dieser Kritik.
Nach einer weltweiten Pandemie sind große Teile der Erdbevölkerung ausgelöscht. Nur einzelne Überlebende konnten sich vor der grassierenden Seuche in Sicherheit bringen, darunter auch der Pilot Big Hig (Jacob Elordi), der zusammen mit dem bis unter die Zähne bewaffneten Marine Bangley (Josh Brolin) und seinem Hund Jasper abgeschieden auf einem verlassenen Flugplatz wohnt. Beide haben unterschiedliche Sichten auf ihr neues Leben, was nicht zuletzt an Higs verstorbener Frau und der damit einhergehenden Trauer liegt. Als eines Tages ein mysteriöser Funkspruch durchkommt, sieht der ehemalige Mechaniker darin einen Hoffnungsschimmer auf eine friedliebende Zivilisation mit der Rückkehr zur alten Normalität und begibt sich auf die Suche, ohne zu ahnen, was wirklich hinter der Nachricht steckt …
Kritik - Das Ende der Sterne
Das Ende der Sterne basiert auf dem Sci-Fi-Roman "The Dog Stars", wie der Film im Original heißt, der 2012 von dem US-Schriftsteller Peter Heller veröffentlicht wurde. Wir haben die Vorlage nicht gelesen und können daher den Film nur an sich bewerten, ohne dabei Vergleiche zu ziehen. Kommen wir daher also erst einmal zur großen Stärke von Scotts neuestem Streich, die in unserer Einleitung leider nicht zur Geltung kommt: die visuelle Ästhetik.
Diese sticht nämlich deutlich hervor und erinnert uns daran, was der Filmemacher doch für ein Gespür für farbenfrohe, atmende Bildkompositionen hat. Von beeindruckenden Panorama-Einstellungen der fliegenden Cessna bis hin zu stimmigen Landschaftsaufnahmen gelingt es dem Kameramann Erik Messerschmidt, die Einöde und das Ende der Welt unglaublich ansprechend und greifbar einzufangen. Diese Konstanz der Bilder dürfte nicht zuletzt auf Ridley Scotts Einsatz mehrerer Kameras und seiner früheren Tätigkeit als effizienter Werbefilmer zurückzuführen sein.
Neben gleitenden Kamerafahrten und intimen Close-ups hält auch die Altersfreigabe was sie verspricht. Denn mit seiner FSK16 schreckt man gerade bei etwaigen Schießtiraden, Kopfschüssen oder einer gewissen Szene, in der die Rotorblätter des Flugzeugs involviert sind, nicht zurück, grafisch zu sein. Der von Harry Gregson-Williams erlesene Score weiß dramatische Szenen zu untermalen, während auch der ein oder andere Countrysong thematisch ins Setting passt.
Nehmen wir nun mal den Cast von Das Ende der Sterne ein wenig genauer unter der Lupe, der mit Namen wie Jacob Elordi, Margaret Qualley (The Substance), Josh Brolin oder Guy Pearce (Memento) aufwartet. Elordis Big Hig bekommt dank Flashbacks seiner Frau, seinem treuen Hund Jasper und dem Aufsuchen des gemeinsamen Hauses eine schöne Tiefe verliehen. Diese nimmt man dem Charakter dank der Performance des Oscarnominierten auch ab.
Brolins Bangsley dagegen ist eher der mürrische Rüpel, der ab und zu mit seiner Art Leichen loszuwerden für einen Comic Relief sorgt, allerdings erfahren wir sonst nicht viel über dessen Leben vor dem Zusammenbruch. Das von Qualley und Pearce porträtierte Vater-Tochter-Gespann wirkt größtenteils stimmig, obwohl man auch hier viel mehr auf innerfamiliäre Spannungen hätte setzen können, um die Folgen der Pandemie auch psychisch zu bebildern.
Nach dem überwiegend positiven Feedback möchten wir nochmal die Schwächen des Films herausstellen, die zum einen bei einigen Logiklücken und zum anderen bei der seltsamen Dramaturgie deutlich wurden.
Inhaltlich ist schnell erkenntlich, dass die Apokalypse recht widersinnig abgebildet wird und manche Fragen unbeantwortet bleiben. Big Hig, der aus unerklärlicherweise immun gegen die Seuche ist, reist nämlich immer in dieselbe Stadt, wenn es darum geht, Vorräte für sich und seinen Partner ausfindig zu machen. Dass dabei immer prall gefüllte Körbe und sogar ein kompletter Medizinvorrat gänzlich unangetastet zur Wahl stehen, ist in Anbetracht von harten Survival-Serien wie The Walking Dead oder The Last of Us mehr als unrealistisch. Genauso scheint der Sprit für die Cessna nie auszugehen, was man den Zuschauern trotz unzähligen Plünderern weiß machen will. Von den drei Infusionen mitten im Krankenhausgang am Ende möchten wir gar nicht erst anfangen.
Dramaturgisch schlägt man vom Erzähltempo zu Beginn einen gemäßigten Weg ein, bis schließlich der Ursprung des Funkspruchs enthüllt wird. Von da an arbeitet man den dritten Akt samt Finale in einem kurzen Abwasch ab, sodass man sich wundert, was man danach überhaupt noch erzählen will. Hier hätte man sich viel gewissenhafter zum Spannungspunkt hinbewegen müssen, um der letzten Auseinandersetzung Gravitas zu geben. So hätte man als Zuschauer mitbekommen, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht und fortan mit den Figuren mitfiebert. Stattdessen läuft das Finale recht unspektakulär ab, was der Geschichte zuvor nicht gerecht wird und uns nach dem Abspann ärgerte.
Fazit
Alles in allem erwartet euch mit Das Ende der Sterne ein visuell beeindruckendes Dystopie-Drama, das mit satten Farben und landschaftlichen Panoramen definitiv im Kopf bleibt. Das Darstellerensemble um Frankenstein-Star Jacob Elordi macht seine Sacht gut, auch wenn zwischenmenschlich noch mehr Drama sicher nicht geschadet hätte. Inhaltlich zeichnet man leider des Öfteren ein unrealistisches Bild vom Ende der Welt, da man bewusst nicht sagt, wie lang die Pandemie schon wütet und uns ein Schlaraffenland an Lebensmitteln auftischt.
Zudem lässt das Werk inhaltlich und dramaturgisch eine Menge Potenzial liegen, das es eventuell gebraucht hätte, um an die herausragende Filme aus Ridley Scotts Filmografie heranzukommen. Fans des Filmemachers bekommen dennoch einen guten, wenn auch nicht fantastischen Streifen zu sehen, weswegen man trotzdem gespannt auf die weiteren Projekte des Gladiator-Regisseurs blicken kann.


