
Bewertung: 2.5 / 5
Der letzte Teil der „Fluch der Karibik“ Filmreihe, baut nochmals eine Stufe weiter ab und man kann inzwischen die „Formelhaftigkeit“ des Franchise nicht mehr von der Hand weisen. Was natürlich auch mit einer gewissen „copy/paste“ Mentalität daherkommt, wenn man sich die ganzen Einzelteile des Films, aus den früheren Beiträgen der Reihe zusammenklaubt. Daher ist es hier noch schwerer, überhaupt etwas im Film zu entdecken, was man nicht schon mehrmals in den Vorgängerfilmen in besser gesehen hat.
Natürlich gibt es ein paar wenige Kleinigkeiten, wie die untoten Haie, die eine kleine, sehenswerte Neuerung darstellen, aber das ist nicht ausreichend, um gleich einen ganzen weiteren Film zu rechtfertigen.
Trailer zu Pirates of the Caribbean - Salazars Rache
Auch die Entwicklung des so ikonischen von Johnny Depp gespielten Jack Sparrow, hat bis zu diesem Punkt eine doch recht erschreckende Entwicklung hinter sich. Von einer sehr genialen „schön-schräg-abstrusen“ Darbietung im ersten Teil, in dem man dem Piraten auch hier und da eine gewisse Schläue und Tricksereiaffinität zusprechen muss, über die immer mehr in den Hintergrund wandernde Wahrnehmung in den Folgefilmen, bis zum nur noch durch den Film stolpernden Klassenclown im letzten Teil, ist nun der Tiefpunkt als „betrunkener Pirat mit erheblichen Gedächtnislücken“ angekommen. Die Sprüche kennt man inzwischen alle, Jack ist schon lange nicht mehr wirklich clever inszeniert, sondern stolpert mehr nach dem Prinzip „Gott beschützt Kinder, Verrückte und Betrunkene“ durch den Film und vor allem ist seine Vorstellung einfach nicht mehr lustig. Mag sein das sich die Figur einfach ausgereizt und erschöpft hat.
Apropos Jack… der für den Film nicht zur Verfügung stehende Vater von Jack, also Keith Richards, wird dieses mal übrigens, dank der guten Verbindungen von Johnny Depp, durch Sir Paul McCartney als „Onkel Jack“ ersetzt. Kleine Rolle – aber erfreulich netter Cameo.
Insgesamt empfand ich den Teil auch als inzwischen zu überdreht und abgehoben. Viele Szenen sind nicht mehr glaubwürdig oder sogar unlogisch. Nehmen wir einfach mal die Szene mit der Bank zu Beginn des Films, oder später, wenn Jack mit der vollen Wucht eines Schiffs und von einer gusseisernen Kanonen getroffen wird. Da ist man entweder tot, oder hat sich wirklich alle Knochen gebrochen. Auch wenn der Film natürlich seinen „Fantasyanteil“ hat, muss man deswegen nicht alle Gesetze der Physik ignorieren und noch mehr ins Reich der Märchen abrutschen. Übrigens auch ein Problem, das mit jedem Teil schlimmer wurde.
Den schuftigen Geisterkapitän mit Geisterschiff und Geistermannschaft gibt dieses mal Javier Bardem in Form des titelgebenden Salazar. Der größte Unterschied hier ist, dass der eigentlich ein Piratenjäger war und nicht selbst Pirat, aber eigentlich ist das komplett egal, weil die Figur noch belangloser geschrieben ist, als Blackbeard im Vorgängerfilm. Da hatte man aber wenigstens noch Ian McShane dem man zuschauen konnte, während Bardem hier schon arg hölzern daherkommt.
Übrigens sind Salazar und seine Geisterfreunde ein gutes Beispiel, wie CGI in nicht mal zehn Jahren irre schlecht altern kann. Das wird noch viele Blockbuster die nächsten Jahre noch viel heftiger treffen.
Neuankömmlinge gibt es auch wieder ein paar in der Geschichte, die aber jetzt kaum nennenswerte Akzente setzen können. Brenton Thwaites bleibt weit hinter einem Orlando Bloom zurück, dessen Sohn und Ersatzfigur er hier darstellen darf.
Zumindest fand ich aber Kaya Scodelario, die ich wohl aus den Maze Runner Filmen kennen sollte, aber bereits wieder vergessen habe, da die Filme kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ich empfand ihre Rolle etwas „erzwungen“ und nicht so attraktiv geschrieben, aber eine sympathische Darstellerin, von der ich gern mehr sehen wollen würde, aber dann in besseren Filmen.
Geoffrey Rush als Barbossa und Kevin McNally als Mr. Gibbs dürfen auch im letzten Film natürlich nicht fehlen und sind weiterhin kleine Leuchtfeuer, in einem Film, der ansonsten ziemlich in der Durchschnittlichkeit ertrinkt.
Die Briten dürfen im Film natürlich auch wieder mitmischen, verkommen diesmal aber komplett zur gesichtslosen Hintergrundfraktion, die mal hier und da aufgerieben wird. Man schafft es einfach nicht, einen der Offiziere genügend Charisma zu verleihen, als dass er mehr als zehn Sekunden im Gedächtnis bleibt.
Insgesamt ist der letzte Teil der Filmreihe schon eine ziemliche Enttäuschung, aber immerhin eine Enttäuschung, die man hat kommen sehen, nach dem bereits überreizten Vorgängerfilm. Aus vielen verschiedenen Gründen hat sich das Franchise selbst aufgefressen und wurde mit jedem Teil beliebiger, austauschbarer, formelhafter und vor allem durchgekaut. Irgendwann hat man einfach alles gesehen und wiederholte man sich nur noch.
Ich denke daher nicht, dass man hier wirklich eine weitere Fortsetzung braucht, die ebenfalls kaum etwas Neues dazufügen würde. Außerdem ist Depp inzwischen auch nicht mehr der jüngste Jüngling unter der Sonne. Ich denke hier bräuchte es schon ein einen Geniestreich von einem Drehbuch, um einen weiteren Film zu rechtfertigen. Nur der nächste Fluch mit einem Geisterkapitän reicht schon lange nicht mehr.
Da hier nochmals das Thema konkretisiert wurde, um die „Flüche der Meere“, wäre vielleicht der Gedankengang noch am interessantesten, das Setting einfach auf’s Land zu verlegen und vielleicht die britischen „Highwaymen“ mit einem Fluch in den Mittelpunkt zu rücken. Also im Prinzip Piraten zu Land, was anderes waren die ja auch nicht. Da könnte man sich z.B. an echten Räubern orientieren wie Dick Turpin oder John Nevison und so schnell eine neue Hauptfigur kreieren, ähnlich einem „Jack Sparrow“. Aber das nur als Randnotiz, weil es mir während des Films durch den Kopf ging.
„Salazars Rache“ bleibt für mich aber der schwächste Eintrag der gesamten Reihe und da hat sich mein Eindruck auch mit Abstand und der Zweitsichtung nicht verändert.


