
Bewertung: 5 / 5
Anstelle einer „normalen“ Filmkritik zu diesen absoluten Meisterwerk, eine Historie samt eigener Gedanken von mir.
Mit 40 Jahren erzähle ich euch diese Geschichte. Was ich hier für Euch schreibe ist extrem verkürzt. Für einen Einblick sollte es aber reichen! Fragen sind erlaubt! Aber bitte erst nach erfolgreichem Verständnis dieses Textes!
Kapitel 1: Die Geschichte
Um Godzilla zu verstehen bedarf es neben einer gedanklichen Offenheit auch Kenntnisse gewisser Informationen. Eine dieser Information ist die Anerkennung des Schaffens eines Filmemachers: Eiji Tsuburaya und das Tsuburayas Ästhetik diejenige war, die eine neue Kunstform schuf. Die Kunst des Tokusatsu begann vor beinahe 100 Jahren. Im Jahre 1935 mit einer Verfilmung der klassischen Geschichte um die Prinzessin vom Mond, Kaguya der Regisseure Yoshitsugu Tanaka und Nobuo Aoyagi.
Tokusatsu bezeichnet die Kunst der praktischen japanischen Effekte, mit denen u.a. Godzilla animiert wird. Diese bewusste Form der Künstlichkeit wählt hier einen Stil aus, der niemals Fotorealismus sein sollte oder wollte! Denn Realismus heißt doch: es muss etwas händisch greifbar sein, damit es real ist. Folglich ist Fotorealismus eine Form von Illusion, die aber nicht real ist.
Heute am 10.08.2026, vor 70 Jahren, am 10.08.1956 kam GODZILLA (Premiere in Japan: 03.11.1954) in die deutschen Kinos. DER Tokusatsu-Film der den wichtigsten japanischen Charakter außerhalb Japans: Godzilla als Charakter, Figur und Ikone etablieren sollte + die Kunst des Tokusatsu zum filmischen Durchbruch verhalf. Auch in Deutschland!
Das Jahr 1956 ist der Beginn für japanische Fantastik im Westen!
Zwei Jahre später kehrt Godzilla auch in die (damals) westdeutschen Kinos zurück.
Allerdings wurde es danach still um den König der Kaiju in Deutschland. Erst 1967 kehrte er zurück. In der Zwischenzeit wurden aber andere Tokusatsu-Titel und damit verbundene Subgenres aus Japan gezeigt. Tokusatsu etablierte sich. Von Kriegsfilmen über Superhelden und „klassischen“ Science Fiction-Szenarien bis Naturkatastrophen und weiteres, wie Historie, Mythologie oder auch Fantasy.
Der Kaiju Eiga, der japanische Monsterfilm ist hier für den Westen das Aushängeschild des Tokusatsu. Und Godzilla ist dessen Frontmann! Auch wenn es in Deutschland schon vor GODZILLA zwei Startversuche für Tokusatsu gab (1937+1942), erst GODZILLA änderte dies und ab 1965 bis 1975 sollte die japanische Tricktechnik Hollywood-Titeln in Ländern wie Deutschland eine gute Konkurrenz geben.
Eine historische Ironie ist es, dass mit Steven Spielbergs Adaptation von DER WEISSE HAI (der aber auch maßgeblich als Film, nicht Peter Benchleys Buchvorlage, von GODZILLA beeinflusst war) das Hollywood Tokusatsu aus Japan als Kino-Konkurrent bis zum heutigen Tage endgültig beiseite stoßen sollte. Hollywood sollte mit diesem Film eine Dominanz erneut aufbauen, die bis zum heutigen Tage andauert. Sehgewohnheiten wurden mehrheitlich neu definiert. Japanische Filme bzw. Titel sind und blieben immer Exoten, aber als Folge der gegenwärtigen Hollywood-Dominanz kam und kommt häufig bösartige Ignoranz vor!
Mit der Einführung von GODZILLA wurden auch jenseits des Arthouse-Kinos eines Yasujiro Ozu, Kenji Mizoguchi oder Akira Kurosawa die Popkultur Japans mit ihren Erzählstrukturen, die sich damals auch noch in einem Anfangsstadium befand, mit etabliert.
GODZILLA als Figur und Film war der Türöffner für alle weitere Formen der japanischen Unterhaltungskultur. Von Prosa-Romanen für fantastische Inhalte, Manga, Anime, Spielzeuge und elektronische Videospiele in mannigfaltigen Ausformungen. Allerdings im Vergleich zu Japan wurden und werden die gegenseitigen Schöpfungskreise die zwischen Tokusatsu, Manga, Anime, Games und Romanen bis heute in Ländern wie Deutschland eher vernachlässigt.
Sprich die Verbindungen in Sachen Inspiration und Tribut wurden und werden absichtlich von vielen Leuten nur aus Geschmacksgründen abgelehnt. Diese Ablehnung sollte kritisch betrachtet werden, denn sie gehört auch zum Erbe von Godzilla. Vom Film wie Charakter.
Mit Godzilla in seinen über 70 Jahren eine Menge passiert. Es wurden so viele Kaiju-Kämpfe (stark nachempfunden dem westlichen Wrestling) gefochten, es wurde Japan (und gerade die japanischen Großstädte) und gerne mal auch die Welt mehr als einmal zerstört. Nicht nur in seinem Primärmedium von Spielfilmen, sondern auch allen anderen medialen Ausformungen!
Aber Godzilla und die Kaiju bzw. die Kunst des Tokusatsu ist aus Japan nicht totzukriegen. Auch wenn es auch immer mal wieder Pausen in Sachen Kinofilme gab, Godzilla kommt immer wieder zurück! Mit dem Erfolg von GODZILLA an den westlichen Kinokassen, zunächst und vor allem in den USA, wurde der Wunsch entfacht selber auch so was zu erschaffen, was den Erfolg und den Look dessen einfängt.
Klar, Godzilla, als Film wie Charakter hat seine westlichen Inspirationen und versteckt diese nicht. Aber er verarbeitet die japanische und weltliche Themen auf eine japanische Art und Weise, die häufig nicht immer auf Gegenliebe stößt. Weil die unterschiedlichen japanischen Erzählweisen den westlichen Zuschauer durch Hollywood als zu „fremd“ und negativ „seltsam“ erschienen, hielten und halten es Filmkritiker Generationen-; Personen-; und Länder- übergreifend überwiegend für ihre heilige Pflicht der Kunst des Tokusatsu und damit Godzilla außerhalb Japans als eine filmische Persona non grata zu klassifizieren.
Häufig wird von „Trash“ gesprochen, aber das trifft es zu keiner Zeit. Sprich das Konzept von „unfreiwilliger Komik“ kann bei genauer Betrachtung nicht angewendet werden! Ich spreche mich eher dafür aus, dass man es nicht „Trash“ sondern Tokusatsu-Spielfilm nennen sollte. Ohne im Vorfeld wertendes negativ konnotiertes Stigma!
Auch wenn Godzilla natürlich auch in Japan seine Kritiker hat, die westlichen Kritiken sind harscher und vor allem aus allen Kontexten losgelöste Machwerke, die einfach nur unnötig widersprüchlich sind. Nicht selten sind diese Texte zwischen den Zeilen rassistisch. Positive Anerkennung fand nur selten statt. Zu selten! Stellvertretend für Deutschland haben die anonymen Kritiker des von der Katholischen Kirche mitorganisierte FILMDIENST sich hier über Jahrzehnte nicht positiv mit Ruhm bekleckert!
Klar, Kaiju wie Godzilla sollen mysteriös, geheimnisvoll und seltsam sein, denn das ist die Bedeutung des Wortes Kaiju! Godzillas Bekanntheitsgrad ist vergleichbar mit der von Mickey Mouse, Superman oder Darth Vader! Auch wenn niemand einen Film gesehen hat, sein Aussehen und der Charakter sind auch jenseits all dessen, absolut ikonisch und somit auch wieder erkennbar! Es gibt kaum Menschen, die noch nie von Godzilla gehört haben. Auch wenn manchmal der Name nicht geläufig ist, so ist sein Aussehen unverwechselbar!
Ich schrieb ja schon das die kulturelle Spiegelung versucht wurde. Seit 1956 wurde der Versuch unternommen eben solche Filme wie die Japaner sie machen immer wieder zu produzieren. Häufig aber wurden Filme und Serien (Tokusatsu wie Anime) eher an die westlichen Gewohnheiten angepasst. Es wurden westliche Schauspieler gecastet und neue Szenen gedreht und dafür wiederum Szenen entfernt. Oder der Soundtrack. Oder es wurden nur die japanischen Action-Sequenzen gewählt und jedes japanische Gesicht verschwand.
Auch dies begann einst mit GODZILLA als dieser mit der Umschnittsfassung GODZILLA - KING OF THE MONSTERS! mit Raymond Burr in die US-amerikanischen Kinos kam. Diese Form der Bearbeitung war von 1956 bis 2000 in den USA eine gängige Praxis. Nur selten wurden die japanischen Tokusatsu-Titel so dem Publikum vorgeführt, wie die Japaner es für ihres erstellten. Ab und zu kam es auch zu Ko-Produktionen mit den Japanern.
Wenn es um Godzilla geht, so wurde sein erstes vollständig realisiertes Hollywood-Spielfilm-Debüt von 1998 unter der Führung von Roland Emmerich und Dean Devlin zu einer bis heute anhaltenden Kontroverse unter Fans. Sicher auch Tokusatsu und damit Godzilla sind Gegenstand heftiger Diskussionen. Schon immer gewesen! Nur dringen diese außerhalb des Fandoms nicht immer an die Öffentlichkeit. Diese Kontroverse von 1998 ist von allen die noch immer heißeste, aber im Vergleich zu damals merklich abgekühlt, während andere bereits so kalt sind, dass es kaum noch „heiß“ diskutiert wird.
Ein anderer Faktor für Tokusatsu im Westen ist die Synchronisation. Mit Untertiteln zu schauen ist für westliche Zuschauer überwiegend nicht das Mittel der Wahl. Während in den USA hier häufig auf eine Synchronisation gewählt wurde, die Lippenkonform mit japanisch gefärbten Akzent agieren sollte, wählte man in Deutschland für Vermarktungsgründe häufig die Namen FRANKENSTEIN und KING KONG um so die Kinozuschauer anzulocken! Für diese Strategie zeichnete sich der Verleih CONSTANTIN mehrheitlich verantwortlich! Mit immer neuen reißerischen Titeln wurde das Publikum auch erfolgreich hier in die Kinos gelockt und nur selten gab es massenhafte Enttäuschung. Im Gegenteil! In den deutschen Kinosälen der 1970ern tobte es vor Begeisterung wenn es losging! (natürlich wenn es sich um einen Kaiju-vs.-Kaiju-Film handelte anstelle eines Anti-Kriegs-Dramas beispielsweise!)
Mit dem Franchises PACIFIC RIM (2013-) und dem MONSTERVERSE (2014-) von Legendary wurde die Begeisterung für japanische Inhalte zwar wieder entfacht, aber wahrhaftige Konkurrenz sind sie dennoch nicht. Dafür ist ihre Bildsprache, auch wenn es westliche Titel sind, manchmal zu exotisch. Da vertraut man lieber auf Marken und Franchises, die vertrauter sind. Darin liegt nichts verkehrtes.
Aber auch wenn Japan in der Zwischenzeit viele Titel im Westen egal welchen Medium zugehörig veröffentlichen konnte, weil sich westliche Distributoren entschieden ein Wagnis einzugehen, die Akzeptanz des Japanischen wie von 1965-1975 in Deutschland existierte, ist ein Zustand der auf einer breiteren gesellschaftlichen Ebene nur noch extremst selten anzutreffen ist.
Kapitel 2: Die Fans und das deutsche Fandom und dessen Angehörige
In diesen 70 Jahren nun jenseits des überwiegend Verrisses durch Kritiker bildeten sich im Westen auch Fans.
1968 veröffentlichte Greg Shoemaker sein JAPANESE FANTASY FILM JOURNAL, dass er in 15 Ausgaben bis 1983 unregelmäßig veröffentlichte. Anstelle von Verrissen wurde zum ersten Male etwas betrieben was damals eigentlich von Anfang Aufgabe von Kritikern und Filmwissenschaftlern gewesen wäre. Nämlich die Bereitstellung von Informationen aus dem japanischen wie Tokusatsu erstellt wird und welche kulturellen Kontexte damit angesprochen werden und wieso diese Kunst auch Kunst ist. Aber wie gesagt, man wählte immer den einfachen Weg des Verrisses getarnt als Kritik.
Mithilfe des JFFJ wurde in den USA das Fandom geboren. Fans in den USA organisierten sich mithilfe von Briefpost und bildeten die ersten Netzwerke dort. Durch die zahlreichen lokalen US-TV-Sender und deren regelmäßige Ausstrahlungen von Kaiju Eiga in Filmmarathons wurde das Suffix “...zilla“ für „alles große und böse“ wurde in den US-amerikanischen Slang integriert.
Die US-Amerikaner akzeptierten Godzilla neben Japan als eine Ikone. Teilweise sogar soweit das manche sagen der König der Kaiju wäre ihr „Eigentum!“
Wie jedes Fandom ist auch das von Godzilla äußerst passioniert und seit 1959 gibt es Fan-erstellte Kurzfilme, Fan-Art (von einzelnen Zeichnungen bis zu eigenen Comics), eigene Prosa (von Haiku bis zu ganzen Romanen). Nur ist es zu verstehen, dass nicht jeder Godzilla-Fan im Westen auch gleichzeitig ein Fan von Tokusatsu als ganzes ist oder gar sich für Manga oder Anime oder Games interessiert. Für die meisten westlichen Fans ist Godzilla sogar das einzige Tor nach Japan.
Ein anderes Thema sind Fans unter berühmten Schauspielern und Filmemachern. Es entbehrt auch hier immer eine gewissen Ironie, dass wenn jemand sich als Godzilla-Fan zu erkennen gibt, dass es nur selten aber der Fall ist, dass diese Personen auch wirklich „Ahnung von der Materie“ haben. Berühmte Stars als Fans sind selten. Häufig sind es Trittbrettfahrer, die vielleicht auch mal einen oder mehrere Filme gesehen haben und vielleicht auch benennen können, aber Details über Plot, Produktion, Crew oder Cast sind eher selten. Doch es gibt diese Menschen, wie beispielsweise Guillermo Del Toro oder Nicolas Cage.
Doch wie steht es um Deutschland? Im Grunde genommen haben wir in Deutschland hier eine Menge von Gleichnissen. Nur im Gegensatz sind diese weitaus weniger stark in der Öffentlichkeit bemerkbar. So wurde GODZILLA (03.11.1954) nach seiner deutschen Kinoauswertung erstmalig 1978 in der ARD ausgestrahlt. 1985 folgte das ZDF mit einer kleinen Reihe bevor es dann aber erst gegen 1991 weitergehen sollte. Godzilla und Tokusatsu sind im deutschen TV die extrem seltensten aller gesehenen Gäste. Denn die Ausstrahlung von Tokusatsu-Titeln oblag und obliegt eher den privaten TV-Sendern. Im Gegensatz zu den USA gab es erst ab Mitte der 1980er deutschsprachige private TV-Sender. GODZILLA - KING OF THE MONSTERS! obwohl 1956 produziert kam dieser bereits in den USA zwei Jahre später ins TV!
Die ehemaligen GODZILLA FANZINE (1988-1998) von Yves Muck und GODZILLA FAMILY (später PRANKE (1988-2018) von Ralf Stockhausen versuchten auch über Printmedien hier die Fans wie das kanadische G-FAN (1993-2026) von John Daniel Lees zu organisieren. Für deutsche Verhältnisse auf einer größeren Ebene gelang dies aber auch erst Markus Hellkötter Mithilfe. Seine Fan-Website www.mechagodzilla.de mit entsprechenden Forum war die deutsche Anlaufstelle schlechthin!
Während seit 1994 in den USA einige Conventions zu Godzilla und Tokusatsu organisiert werden, gab es in Deutschland erstmalig 2002 ein kleines Treffen im Ort Erpel bevor es 2003 und 2004 in Hamburg eine größere Versammlung von Fans gab. Danach erst wieder seit 2017 mit einer Unterbrechung begingt durch die Covid-19-Pandemie. Die Gründe liegen im Dunkeln. Aber wahrscheinlich lag es auch einfach an der typisch deutschen Skepsis.
Die KAIJU-CON von Detlef Claus ist seit beinahe 10 Jahre für deutsche Verhältnisse eine beispiellose Erfolgsgeschichte! Eine andere damit verbundene Erfolgsgeschichte ist im Prosa-Bereich zu finden: GERMAN KAIJU von Markus Heitkamp existiert seit 2019 und umfasst bisher 5 Bücher + 1 Comic bisher! Weitere Titel sollen folgen.
Filme wie Florian Schröders Independent-Titel NAGIRA (2009) sind bedauerlicherweise nicht massenhaft veröffentlicht worden oder das Projekt KONGULA (2003) von Ralf Lorenz verliefen trotz einiger Testaufnahmen vollends im Sand. Als Trostpflaster: KONGULA wurde als ein alternatives Projekt als das Hörspiel GUALAGON aber erfolgreich vollendet! Deutschland bekanntester Godzilla-Fan in der Öffentlichkeit ist aber der Berliner Regisseur und Produzent Jörg Buttgereit. So referenziert Buttgereit sein Interesse an Tokusatsu auch gerne in Hörspielen wie FRANKENSTEIN IN HIROSHIMA (2002) bis FUNGUS - PILZ DES GRAUENS (2016). Buttgereit wurde dazu auch mehrmals interviewt und er erstellte einst auch eine Dokumentation zum Thema, die aber aufgrund von juristischen Situationen nicht mehr ausgestrahlt werden darf.
Kapitel 3: Meine Historie
Als ich 1992 im Alter von 6 selbst Godzilla-Fan wurde, war der letzte japanische Godzilla-Film bis zur limitierten Aufführung von SHIN GODZILLA im Jahre 2017; der 1991 in Japan erschiene GODZILLA VS. KING GHIDORAH (dt. Titel: GODZILLA - DUELL DER MEGASAURIER). Dieser lief nur knapp einen Monat in ausgewählten Kinos und erschien danach sofort in den damaligen Kaufhäusern und Videotheken.
Mit der deutschsprachigen US-Fassung von KING KONG VS. GODZILLA (dt. Titel: DIE RÜCKKEHR DES KING KONG) startete ich ins Fan-Leben und erst 1995 ging es für mich damit weiter. GODZILLA - DER RETTER DER ERDE, die US-amerikanische Animationsserie aus den Ende der 1970er war hier mein zweiter Godzilla-Titel.
Meine Karriere ging erst mit der Kino-Sichtung des 1998er GODZILLA weiter. Dank des Hollywood-Films konnte ich endlich in Büchern und ins deutsche übersetzte US-Comics schwelgen. Ab 2002 konnte ich dank eines eigenen Internet-Anschlusses meine Fan-Natur endlich für meine Verhältnisse neben dem Schauen der Filme und den eigenen Gedanken dazu ausleben. Die Zeit von 1992 bis 2017 sehe ich als meine nostalgisch verklärt natürlich als größte aller Entdeckungsreisen in Sachen Medien. Auch wenn ich die Treffen in Erpel und Hamburg aufgrund der Schule und andere Dinge nicht besuchen konnte, so beteilige ich so gut es gut mit eigenen Beiträgen auf der KAIJU-CON mit Beiträgen und Diskussionen seit 2017. Die daraus entstandenen Freundschaften und Situationen, möchte ich nicht dennoch nicht vermissen. Zu keiner Zeit! Die angesprochenen Personen wissen das! (hoffe ich!)
2013 kam meine Registrierung bei www.moviejones.de hinzu. Die Zeit bis Ende 2023 war echt was besonderes. Ich vermisse davon vieles, aber das Leben geht weiter. Das Moviejones.de noch immer existiert ist eine feine Sache!
Im Folgejahr 2024 wurde der KAIJULAND Podcast gegründet, an dem ich als Mit-Produzent tätig bin. Zu sehen und zu hören auf YouTube und Spotify.
Der Abschluss
Mit GODZILLA - MINUS ONE geschah etwas, was bisher unmöglich erschien. Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für einen japanischen Godzilla-Film bei einem westlichen Publikum!
So sehr auch ich GODZILLA - MINUS ONE feiere, so sehr muss ich dennoch auch sagen: der Film ist der Godzilla-Film aus Japan mit den wenigsten Tokusatsu in Sachen Produktion. Das CGI wird zwar im Stil dessen damit emuliert, aber wenn diese praktischen Effekte nicht als solche erkennbar sind um sie dann wieder zu ignorieren zu können: das ist die Kunst hinter Tokusatsu!
Es war und ist nach wie vor grandios, dass GODZILLA - MINUS ONE den prestige-trächtigsten aller Filmpreise, den Oscar, gewann.
Aber auch Leute wie Eiji Tsuburaya vor kurzer Zeit in eine westliche Ruhmeshalle (viel zu spät, aber besser als nie!) eingeführt wurden, so ist es doch befremdlich das alle Welt sich nur auf GODZILLA - MINUS ONE stürzte und stürzt. Alle anderen Titel, sei es nun Godzilla oder allgemein Tokusatsu, fristen durch Hollywood verursacht nach wie vor eine Form von Nischendasein.
Das kann und darf nicht sein! Nicht nur GODZILLA - MINUS ONE bietet was für westliche Zuschauer. Um ein etwas gegenwärtiges Beispiel zu geben: So wurde zum Beispiel der Film GODZILLA X KONG - THE NEW EMPIRE mehrheitlich zerrissen, obwohl dieser zusammen mit GODZILLA - MINUS ONE perfekt die beiden Seiten von Godzillas Charakter als ikonische Figur darstellt! Genau diese Dualität hat Godzilla auch so langlebig werden lassen! Ein Charakter wie Godzilla muss als Projektionsfläche für verschiedene Ideen dienen, damit dieser technisch gesprochen nicht „stirbt.“ Die zwei anderen Giganten, die dies ebenfalls schaffen sind Moby Dick und Kong!
Eiji Tsuburaya ist der wahre Vater der Kunst des Tokusatsu. Seine Ästhetik war und ist es, die die Kunst des Tokusatsu gebar! Und in diese Ästhetik greifen Manga, Anime und Games rein. Nur selten ist es der Fall, dass hier etwas so krass „neues“ erschaffen wurde, dass es kein künstlerisches Vorbild gibt.
Wie ich aber schrieb, hielt sich diese größere Begeisterung in Deutschland nur für 10 Jahre. Einzig 1998 kam diese zu einem gewissen Grade zurück, weil eben Roland Emmerich gebürtig aus Deutschland stammt. Hier war es überwiegend Neugierde. Aber bis zum Erscheinen dieses Textes ist diese wieder in der außerhalb des Fandoms in der Versenkung verschwunden.
Diese zu kurze Periode der Kinobegeisterung wurde damals in Deutschland mit der Markteinführung der Heim-Kassetten als Direct-to-Video-Veröffentlichungen von japanischen Tokusatsu-Kinofilmen fortgesetzt.
Die letzte große Aufführung eines japanischen Tokusatsu-Godzilla-Films in (West-) Deutschland war 1985 mit GODZILLA (dt. Titel: GODZILLA - DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS). Für die ehemalige DDR war es DIE HUNDEKRIEGER DER SATOMI (dt. Titel: DIE LEGENDE VON DEN ACHT SAMURAI (1983)).
Bedauerlicherweise aber konnte bis zur KAIJU-CON eine weitere Vernetzung unter Fans nur extremst begrenzt stattfinden. Aber auch dies ist durch Streaming und Auflagen aus Japan hat Tokusatsu in Deutschland hier einen noch schwereren Stand als vorher. Die Filme auf die es ankäme, stehen vor der vollständigen gedanklichen Auslöschung hierzulande!
Bei Manga, Anime und Games gibt es keine Probleme, aber die treibende Kraft, Tokusatsu und damit Godzilla: die stehen außerhalb des Fandoms hier in Deutschland auf einem verlassenen Gleis eines vom Abriss bedrohten Güterbahnhofs! Nicht das US-amerikanische MONSTERVERSE, sondern die japanischen Originale auf denen es basiert!
Mich macht es sehr traurig, wenn ich entweder davon lesen oder hören muss, wie mit meinem Interesse außerhalb von mir und dem jeweiligen nationalen Fandom so umgegangen wird. Denn auch wenn ich Kritik begrüße, wenn ihr wie ich Kritik als Kritik verstehe, heißt das aber nicht das Kritik = Verriss sein muss! Woher dieses Unverständnis kommt, ist mir schleierhaft. Wir sind alle Menschen. Die Kunst des Tokusatu ist nichts außerirdisches was sich wirklich aller menschlichen Erfahrungswerte entzieht!
Doch der angesprochene Abriss muss nicht soweit kommen!
Klar, dass das Franchise des MONSTERVERSE und die Bemühungen im Merchandise-Bereich werden Godzilla auch am Leben lassen. Aber die japanischen Filme, gerade alle Titel von GODZILLA (03.11.1954) aufwärts bis heute müssen auch in Deutschland mit ihrer Einzigartigkeit bewahrt werden! Denn was bringen die schönsten Figuren, wenn es keine Filmveröffentlichungen zu erwerben oder zu schauen gibt, auf denen sie basieren!
Jedoch in Deutschland gab und gibt es kaum Versuche wie Projekte filmischer Natur hier die Kunst des Tokusatsu dauerhaft einzufangen. Godzilla und Tokusatsu sind hier überwiegend nur ein Konsumgut (oder für böse (Kritiker-) Zungen nur „filmisches Fastfood Made in Japan“), dass entsprechend rezipiert wird. Filmförderfonds und potentielle Investoren schrecken eher zurück. Tokusatsu ist erneut ein Beweis für Ironie: CGI-Übersättigung und ein Hunger nach kostenintensiven praktischen Effekten wie Tokusatsu ist wieder am Entstehen. Die Dominanz Hollywoods, die Verrisse und seine Einzigartigkeit sorgten und sorgen für eine so große Skepsis das um Seriosität gefürchtet wird. Klar dieses Gefühl gibt es auch in Japan, aber im Gegensatz ist es entscheidend in Deutschland stärker ausgeprägt. Tokusatsu ist gesellschaftlich gesprochen in Deutschland, wenn es japanische Unterhaltungskultur geht, zur größten Nische geworden. Das ist die Situation und Wahrheit.
An diesem 10.08.2026 feiere ich Godzilla und alles was mir dazu in den Sinn kommt. Auch die negativen Inhalte durchfluten mich. Es sind nichts schwarz oder weiß, es ist vielfältig was mir da durch den Kopf kommt.
Ich liebe Godzilla und werde weiterhin versuchen für ihn die Kunst des Tokusatsu und die gesamte japanische Unterhaltungskultur ein deutschsprachiges Sprachrohr zu sein!
DANKE!


