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The Iron Claw

Kritik Details Trailer News
Gewidmet: HULK HOGAN

The Iron Claw Kritik

The Iron Claw Kritik
3 Kommentare - 10.08.2026 von MD02GEIST
In dieser Userkritik verrät euch MD02GEIST, wie gut "The Iron Claw" ist.
The Iron Claw

Bewertung: 4.5 / 5

Einführung zum Verständnis: Wrestling und ich

Wrestling. Was denkt ihr bei dem Wort Wrestling? Spektakel? Alles nur gespielt, also reiner Showkampf? Schwitzende menschliche Körper? Begeisterungsstürme im Publikum? Tag-Team? Verbale Gewaltausbrüche? Schrille Outfits? Muskeln als Körperkult? Drogenmissbrauch? Ring-Matches, Gut gegen Böse? Begriffe wie Diva, Heel, Suplex, oder vielleicht noch was anderes?

Trailer zu The Iron Claw

Aber egal was euch zunächst in den Sinn kommt, wenn ihr dieses Wort hört, liest oder sprecht: ihr habt sofort bildliche Assoziationen damit und oben genannten sind alle richtig!

Wenn es um Sport geht, war und bin ich kein Mensch der wirklich gerne Sport treibt oder trieb, geschweige denn in Deutschland populäre Sportarten nachverfolgt. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil ist, dass ich in meiner Kindheit sehr gerne Wrestling im deutschen TV nach Möglichkeit gesehen habe. Und die Figur des Hulk Hogan war neben Godzilla einer meiner Kindheitshelden.

Ich würde mich nicht als Wrestling-Fan in „Reinheit“ sehen, sondern eher als „Interessent“. Sprich Namen und gewisse Techniken sagen mir was, aber hobby-mäßige Deep-Dives in Sachen Wrestling kamen bisher noch nicht dran.

Apropos Godzilla. Godzilla und seine Kaiju-Kollegen; Freunde, Alliierte, Freunde wie Konkurrenten treten häufig in Kämpfen gegeneinander an, deren Stile entweder direkt dem westlichen Wrestling bewusst oder unterbewusst entlehnt ist.

Das mein erster Godzilla-Film; Godzilla-Film Nr. 3, der erste in Farbe; KING KONG VS. GODZILLA (1962; dt. Titel: DIE RÜCKKEHR DES KING KONG) wo Godzilla und King Kong zum ersten Male aufeinandertreffen, auch in Sachen Produktion und im japanischen Original als Wrestling-Match betitelt wurde (im Film nicht, aber im Marketing, wo die beiden fiktionalen Charaktere in einem natürlich auch fingierten, fiktiven schriftlichen Interview wie Wrestler miteinander sprechen), kann damit kein Zufall sein.

Wrestling aber jenseits von Godzilla & Co. schafft es zumindest für westliche Spielfilme ab und zu auch als Mittel für einen Spielfilm. Während englischsprachige Titel eher selten sind, gab es in Mexiko eine ganze Reihe von Lucha-Libre-Filmen (maskiertes, freies Wrestling) um El Santo, wovon es einst sogar einer nach Deutschland schaffte. EIN SUPERHELD GEGEN VAMPIRE (1962; mex. Titel: SANTO VS. LAS MUJERES VAMPIRO)) ein Film, der aber bis heute auf seine Heim-Kino-Auswertung wartet.

Die Figur des Hulk Hogan, die Terrence „Terry“ Gene Bollea (11.08.1953-24.07.2025) erschuf, war und ist dennoch für mich als Held immer noch von Bedeutung. Und als Bollea starb, starb auch Hulk Hogan zu einem gewissen Grad mit ihm.

Darüber war ich sehr traurig! Ich widmete seiner Japan-Zeit in dem von mir mit-organisierten KaijuLand Podcast sogar einen Nachruf. Auch wenn Bollea als Privatmensch so seine Kontroversen hatte, die ich nicht entschuldigen konnte oder kann.

Zu den westlichen Titeln zählen beispielsweise ein Frühwerk von Sylvester Stallone; PARADISE ALLEY (1978; dt. Titel: VORHOF ZUM PARADIES (1978) oder die Komödie NACHO LIBRE (2006) mit Jack Black.

Ernsthafter war es beispielsweise bei NO HOLDS BARRED (1989; DER HAMMER), wo Hulk Hogan sich selbst in Szene setzte. Letzterer ist teilweise für manche Menschen sogar eine ungewollte Komödie. Hier bin ich ehrlich zwiegespalten. Ich kann verstehen warum Leute das so sehen, bin aber auch gleichzeitig vom Spektakel fasziniert und nehme es dadurch „ernst.“

Arthouse bzw. westliche Drama Filme und ich

Wer mich kennt weiß, dass ich wenn es Filme und Serien geht eine sehr kritische Einstellungen zu sogenannten Arthouse-Filmen bzw. westlichen Drama-Realitätsdramen habe. Die schiere Masse hier und da ich in meinem Privatleben auch viel Drama erlebt habe und wahrscheinlich noch immer erleben werde, brauche ich Filme und Serien, die mich positiv für eine gewisse Zeit eskapistisch aus meiner Realität holen und mit denen ich eine gute Zeit habe.

Für mich sind westliche Dramen so schwer zugänglich, weil ich im Vergleich zu Science Fiction oder Fantasy beispielsweise nur selten multiple, gedankliche Herangehensweisen tätigen kann. Westliche Gegenwartsdramen, auch wenn sie gut gespielt und auch von Kritikern gelobt werden: ich brauche auch hier Zugang. Ich will nicht nur einfach stumpfer Zuschauer sein. Ich will Teil des Geschehens sein. Ich glaube dieses Gefühl kennt jeder, der hier auf moviejones.de aktiv ist.

Und dann kommt die ungeheure Masse. Es ist klar, dass hier immer die Perspektive entscheidend ist. Wieviel gibt sich ein Mensch wovon, bevor er oder sie gelangweilt ist. Und von vielen westlichen Film-Titeln und Serien der 25 Jahre + muss ich gestehen: sie holen mich nicht (mehr) ab.

Denn wenn es heißt, dass zu viele Godzilla- beziehungsweise Kaiju-Filme gäbe, die angeblich immer das gleiche erzählen, diesen Stimmen trete ich mit der Wahrheit entgegen. Und erneut die Wahrheit für mich in Bezug darauf ist: wie kann Qualität erzeugt werden, wenn es mich nicht abholt beziehungsweise so viel davon gibt?

Klar, hier komme ich auch in einen Konflikt mit mir selbst. Es ist in der Tat widersprüchlich. Das kann ich nicht anders so benennen. Aber es gibt auch westliche Gegenwartsdramen, die mich berühren. Da wären Jim Jarmusch sein GHOST DOG - THE WAY OF THE SAMURAI (1999; dt. Titel: GHOST DOG - DER WEG DES SAMURAI) und Darren Aronofskys PI (1998; dt. Titel: PI - SYSTEM IM CHAOS). Aber im Falle von Aronofsky gibt es da noch einen weiteren Film, den ich sehr schätze: THE WRESTLER (2008; dt. Titel: THE WRESTLER – LIEBE, RUHM, SCHMERZ).

Und dies führt mich zum eigentlichen Titel dieser Kritik:

THE IRON CLAW von Sean Durkin, einer Bruder-Produktion zu Aronofskys THE WRESTLER:

Ich hatte mir ohne Trailer den Film THE IRON CLAW auf meinen TV-Receiver aufgenommen und geschaut. Der Titel faszinierte mich obwohl die Inhaltsbeschreibung war jetzt auch nicht so packend, aber, weil es sich um die von Erichs handelte und mit Wrestling, plus schon erwähnt wurde das ein Familiendrama sein würde, waren meine Erwartungen eher gegen Null. Der Aspekt des Wrestlings und der von Erichs waren mein Eingangstor zu diesem Film.

Als ich dann nun Zeit hatte, begab ich mich in eine angenehme Körperhaltung, drückte auf Play. Die nächsten 120 Minuten, bis auf eine kleine Mittagessenspause wurde ich in die zum Teil fiktionalisierte Geschichte der Geschichte der Wrestling-Familie der von Erichs.

Eine Familiensaga. Ich will ganz klar sagen. Auch wenn ich meine Erfahrungen mit westlichen Gegenwartsdramen doch wirklich sehr gering ist und ich auch eine sehr kritische Haltung habe, so fesselte mich trotz aller offensichtlichen Entwicklungen der Film von ersten bis zur letzten Sekunde.

Klar, diese offensichtlichen Entwicklungen könnten den einen oder anderen rausziehen aus der individuellen Immersion. Aber das Schauspiel, der Wechsel zwischen Wrestling-Match und „komplexer“ Gefühlswelt, ist eine Wucht, die ich wirklich genossen hatte. Ich war hier nicht der stumpfe Zuschauer, ich war ein Mitglied dieser Familie.

Natürlich ist der Film keine 1:1 Umsetzung der Realität, aber jeder der Charaktere ist insoweit menschlich dargestellt worden, dass ihre Gefühle und Motivationen verständlich rübergebracht wurden. Bis auf Zac Efron, der nur vom Gesicht durch sein HIGH SCHOOL MUSICAL (2006) was sagte, kannte ich keinen der Besetzung. Weder vor der Kamera, noch dahinter.

Ich fühlte mit Ihnen. Ihre Siege, sind meine Siege, ihre Verluste, sind meine Verluste. Alle hier versammelten Schauspieler und Schauspielerinnen machten ihre Sache überzeugt. Egal welche Gefühlslage. Gerade die Liebe unter den Brüdern der von Erichs ging mir sehr nahe. Ich ertappte mich bei einem Gefühl, dass ich so krass nicht kannte. Alle Menschen sind Brüder bzw. Geschwister. (mir ist die Ironie bewusst, dass einen Shaw-Brothers-Wuxia-Film von Chang Cheh mit diesem englischen Titel gibt: ALL MEN ARE BROTHERS beziehungsweise DIE EROBERER, wie der Film in Deutschland genannt wird).

Aber das Gefühl war die Sehnsucht nach einer Kindheit mit einem Bruder, die ich so niemals hatte. Das löste bei mir der Film aus.

Dieses Gefühl eines großen Bruders, der auf einen aufpasst, ist auch das was ich mit Godzilla beispielsweise verbinde. In dieser beispielhaften psychologischen Lücke steht Godzilla neben anderen für mich.

Ich sehe in dieser symbolischen Bruderliebe keine versteckte sogenannten „queeren“ Botschaften. Denn „queer“ ist laut Wörterbuch ein Synonym für seltsam, aber negativ-konnotiert. So wie im Englischen lange gelebt worden war. Und auch wenn Sprache der Entwicklung unterliegt, eigene Begriffe zu entwickeln um „neue“ Situationen zu beschreiben, halte ich für die bessere Wahl und unterstütze lieber diese Form der Entwicklung. Zumal auch der Kontext damit nicht willentlich verletzt wird.

Denn Vater Jack ist als Person gezeichnet von Wut und Enttäuschung über sich, die er als Motivation für seine Söhne in einer sehr diskutablen Form der Erziehung; einem Hybriden aus Autorität wie Anti-Autorität darlegt.

Ich bin noch immer total platt, dass ich vorher von diesem Film noch nie gehört oder gelesen hatte. Zumal ich mir jetzt auch keinen Trailer gegeben hatte. Nur diese zwei Faktoren; Wrestling und von Erichs.

Ferner. Der Film ist ein Periodpiece aus einer längst vergangenen Zeit, die wir höchstens über 40 Jahren nach den realen Ereignissen nur noch aus verklärter Nostalgie hochleben lassen können.

In der Zeit wo der Film mit seiner Geschichte sich langsam dem Ende nähert, wurde ich geboren. Aber mein Interesse an der Welt und auch an Geschichte, versetzten mich in diese Zeit zurück.

Dass die Menschen auch ohne Internet und Smartphone leben konnten und sowas wie FOMO nicht kannten, ist und bleibt toll wie interessant. Klar, einen kleinen Teil dieser Ära habe ich miterlebt, aber da ich schon früh einen Computer hatte und auch wenn ich erst gegen 2002 selbst mit Internet verbunden war, ist es dennoch ein interessantes Gefühl.

Das Frauenbild in diesem Film, auch für die damalige Zeit fand ich jetzt nicht problematisch. Mutter Doris ist hier sehr melancholisch, verständlich zu jedem Zeitpunkt. Pam hingegen ist zu keinem Zeitpunkt nervig. Sie verwirklicht ihren Traum mithilfe von Kevin. Sie hätte es meines Erachtens theoretisch auch ohne ihn geschafft, aber dennoch fand ich ihren Charakter einfach auch nur sympathisch und liebenswert.

Außerhalb von japanischen Titeln war und ist für mich auch hier schwierig in westliche Gegenwartsdramen einzutauchen. Filme wie Coppolas APOCALYPSE NOW schaffen das auch, aber hier ist die Form des Dramas anders und dadurch. Hier bin ich zum Teil Zuschauer, zum Teil Mitglied des Geschehens. Das macht APOCALYPSE NOW zu keinem Zeitpunkt schlecht, aber das gehört zu meiner Erfahrung dazu. Zumal dieser Titel auch noch die Fähigkeit hat anders interpretiert werden.

Durch diese doch sehr authentische Darstellung ist auch klar.

Trotz aller Probleme, die unsere Gegenwart hat, es gibt auch positive Entwicklungen, die Fragen aufkommen lassen. Fragen, wie warum und wieso so manches offensichtliches nicht als solches schon damals erkannt worden ist. Oder warum wir uns gewissen Entwicklungen oder gar Gefühlen widersetzen. Und THE IRON CLAW ist ein Film über Liebe, Depression und Verlust. Aufstieg und Fall. Arroganz, Obsession und Mut.

GHOST DOG, PI, THE WRESTLER und nun THE IRON CLAW lassen mich aber vollends abtauchen. Ich bin auch jemand der alleine ist, obwohl er Teil einer Familie ist. THE WRESTLER und THE IRON CLAW werden durch Wrestling, verklärte Nostalgie an die 1980er und die Dualität, wie Polarität des Lebens geprägt. Für manche bin ich ein Loser. Ich aber sehe mich wie ein Gewinner, weil ich stetig weitermache und das was mir Spaß und Freude macht, beziehungsweise wo ich meine Überzeugungen sehe.

Klar, manche Überzeugungen von mir sind definitiv diskussionsbedürftig, aber es gibt Gründe warum das menschliche Leben auch Werte und Normen hat, die bewahrt werden müssen.

Fazit:

THE IRON CLAW, ein vormals unbekannter Film, der mich wirklich abgeholt halt. Weil er zu einem sehr seltenen Filmgenuss meinerseits zählt.

Arthouse und Drama werde ich dennoch noch immer mit Vorsicht angehen, aber wenn es einen Aufhänger gibt der mich fasziniert, versuche ich es gerne.

Aber komplett blind in kalte Wasser zu springen: das behagt mich noch immer nicht, auch wenn es nur Filme oder Serien sind. Darum, was auch immer noch da draußen auf meine Entdeckung wartet, ich freue mich dennoch!

Und bin mir sehr sicher, Hulk Hogan hätte THE IRON CLAW nicht besser machen können!

The Iron Claw Bewertung
Bewertung des Films
910

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3 Kommentare
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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
10.08.2026 17:37 Uhr
0
Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.603 | Reviews: 31 | Hüte: 221

@ GPJ

Nochmalig vielen Dank. Aber der sprichwörtliche Blitz wird wohl morgen und in nächster Zeit nicht nochmal so einschlagen. Mein PC hat mir unbekannte Hardware Probleme und die lasse ich in sehr naher Zukunft unter dem Deckmantel der Garantie beheben.

Zumal die Hitze mir auch gesundheitlich echt Probleme bereitet.

Aber es ist dennoch gut, dass ich Euch allen zumindest mal wieder mit meiner Person, Worten und Text eine Freude machen durfte.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
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GPJ : : Popcornologe
10.08.2026 17:29 Uhr
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Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 1.306 | Reviews: 5 | Hüte: 82

Sehr gut!

cool

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MD02GEIST : : Godzilla Fan #1
10.08.2026 16:57 Uhr | Editiert am 10.08.2026 - 18:03 Uhr
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Dabei seit: 01.01.13 | Posts: 2.603 | Reviews: 31 | Hüte: 221

Wow, so schnell kann es manchmal auch gehen. Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen, die diesen Film wirklich gut finden. Aber ich warte gerne ab, was ihr so schreibt. Klar, es ist hier schreibtechnisch eher ein Schnellschuss, aber dank der Worte von GPJ und der Hüte von luhp92 und Raven13 für meine etwas andere "Kritik" zum absoluten Meisterwerk GODZILLA (1954) habe ich nun nochmal in die Tasten (nicht mit einem Stuhl!) auf meinen PC eingehauen.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
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