Bewertung: 4 / 5
"Patton" scheint ein Werk zu sein, welches in der heutigen Filmbetrachtung trotz seiner sieben Oscar-Auszeichnungen kaum noch stattfindet und eher verschmäht wird, zumindest hält sich die Anzahl der Bewertungen in meiner Bubble im Vergleich mit anderen Filmen/Klassikern aus der gleichen Zeit arg in Grenzen. Große Bekanntheit scheint lediglich die Introszene mit der Rede vor leinwandausfüllender US-Flagge zu haben.
Es handelt sich hierbei um ein Kriegs-Monumentalepos über den genialen wie kontroversen US-General George S. Patton, vom Maßstab und zentrierten Biopic-Charakter etwas vergleichbar mit "Lawrence von Arabien".
George S. Patton führte sein Regiment im Zweiten Weltkrieg mit harter Disziplin und einnehmendem Charme, wurde von den Soldaten, Verbündeten und Feinden entweder gefürchtet und gehasst oder bewundert und beachtet. Er trieb seine Soldaten zu Hochleistungen an und hatte als Stratege maßgeblichen Einfluss auf die Befreiungsfeldzüge in Nordafrika, Sizilien und Frankreich, misshandelte derweil jeden "Feigling" und PTBS-Erkrankten in seinem Regiment und sorgte mit Aussagen über die Russen und Nazis für Skandale, weswegen er von Eisenhower 1943/44 für neun Monate abgezogen und 1945 schließlich aller Ämter enthoben wurde. Ein Poet und Romantiker, der sich nicht im 20. Jahrhundert zu Hause fühlte, sondern sich in die Antike der Römer, Karthager und Griechen wünschte, gleichzeitig ein reiner Militärfetischist, den man im Film nie außerhalb seiner Uniform zu Gesicht bekommt.
"Patton" begegnet seinem ambivalanten Protagonisten mit ebensolcher kontroversen Ambivalenz, zeigt sich zum einen fasziniert von seiner Persönlichkeit und seinen Erfolgen, spart seine Untaten und Bestialitäten allerdings nicht aus und behält durch starkes Nebencharakter-Korrektiv (Karl Malden) sowie das Abkippen ins Parodistische auch stets einen kritischen Blick. Krieg als Lebensinhalt, als Religion, als Ruhm und Ehre, als Schwanzvergleich zwischen George S. Patton, dem britischen Generalfeldmarschall Bernard Montgomery sowie "Wüstenfuchs" Ermin Rommel. Francis Ford Coppola schrieb das Drehbuch und erhielt dafür seine erste Oscar-Nominierung und -Auszeichnung.
Regisseur Franklin J. Schaffner ("Planet der Affen", Papillon") entwirft großangelegte und hochspektakuläre Kriegsszenerien, wie man sie damals aus Filmen wie "Der längste Tag" kannte, die Soldaten verlieren sich in den weiten, sand- und schneebedeckten Landschaften Afrikas und Europas, Menschen werden zu Schachfiguren, die von ihren - wortwörtlich - überragenden Generälen über das Spielfeld bewegt werden. Jerry Goldsmith komponiert dazu eine imposante und veredelnde Marschmusik, währed George C. Scott als General Patton das Monumentalepos mit gleichfalls monumentaler Performace beherrscht, wie man es in der Filmgeschichte nur selten erlebt. Wie sich Patton (sowie Montgomery) und ihre Soldaten mit unaufhaltsamer Disziplin und Willen durch Nordafrika, Sizilien und Frankreich kämpfen, bewegen und durch die Straßen paradieren, das hat für mich etwas Berauschendes an sich und der Film wirkte noch länger nach dem Sehen nach.
"Patton" ist meiner Meinung nach auch heute noch einen Blick wert und zählt für mich klar zu den eindrucksvollsten Kriegsfilmen.
Montage zur Main Theme von Jerry Goldsmith
https://www.youtube.com/watch?v=cg6MqWYyts0
Proud Of These Men
https://www.youtube.com/watch?v=IIFICRj01Mc
Where Ya Goin’, General?
https://www.youtube.com/watch?v=nPzCJ-F0gT4
Rommel, You Magnificent Bastard
https://www.youtube.com/watch?v=dObTXYa-_n4
Patton and Montgomery
https://www.youtube.com/watch?v=ubB- -22mPEQ


