
Bewertung: 4 / 5
Rian Johnson – ein Name, der bei so manchem nervigen Star-Wars-Fan bis heute einen Schauer über den Rücken jagt – fing mal ganz klein an. 2005 erschien sein Highschool-Drama „Brick“, danach folgten „The Brothers Bloom“ mit Adrien Brody und Mark Ruffalo sowie natürlich „Looper“ mit Bruce Willis. Nachdem sich Johnson 2017 eher unbeabsichtigt mit der Star-Wars-Community angelegt hatte, entschied er sich, dem Sci-Fi-Genre den Rücken zu kehren und sich einem anderen Bereich zu widmen: dem Krimi, genauer gesagt dem Whodunnit, einer Unterkategorie des klassischen Kriminalfilms.
In „Knives Out“ erzählt Johnson die Geschichte des exzentrischen Detektivs Benoit Blanc, gespielt von Ex-007 Daniel Craig. Blanc wird auf ein Landanwesen gerufen, nachdem der berühmte Autor Harlan Thrombey an seinem 85. Geburtstag tot in seinem Zimmer aufgefunden wird. Schnell wird klar: Jeder Anwesende hat ein Motiv, denn jeder hatte mit Thrombey seine ganz eigenen Probleme. Doch plötzlich rückt Marta Cabrera in den Fokus – die Pflegerin, die für die Verabreichung seiner Medikamente zuständig war. Aber war sie es wirklich? Ist der Fall so einfach zu lösen? Natürlich nicht, sonst wäre es ja kein Whodunnit.
Der Begriff Whodunnit leitet sich bekanntlich von „Who did it?“ ab – also „Wer war’s?“. „Knives Out“ ist Johnsons erster Ausflug ins Krimi-Genre und, wie wir mittlerweile wissen, nicht sein letzter. Durch den Netflix-Deal folgten mit „Glass Onion“ und „Wake Up Dead Man“ weitere Filme rund um Benoit Blanc. Der erste Teil bleibt dabei jedoch am klassischsten und folgt sehr genau den Mustern, die schon Legenden wie Agatha Christie zu Papier gebracht haben.
„Knives Out“ wartet mit zahlreichen Twists auf, von denen man einige kommen sieht – andere weniger. Das Ende und die tatsächliche Auflösung sind dabei vielleicht nicht ganz so überraschend, wie man es zunächst erwartet, liefern aber eine starke Schlussszene und eine saubere Auflösung, bei der man sich immer wieder fragt, wie viel Zufall und Glück hier eigentlich im Spiel waren.
Wirklich tiefgründig wird der Film dabei allerdings nie. Zwar geht es um tief verwurzelte familiäre Konflikte und generationenübergreifende Traumata, doch diese Themen werden eher angerissen als wirklich ausgearbeitet. Sie dienen vor allem dazu, den innerfamiliären Zwist und die Spannungen zu verstärken.
Was Johnson allerdings hervorragend gelingt, ist die Figurenzeichnung. Sein ausgesprochen kluges Drehbuch sorgt dafür, dass alle Charaktere gleichzeitig stark überzeichnet und dennoch erstaunlich realistisch wirken. Reiche Menschen sind eben oft… nun ja, schräg, arrogant und selbstbezogen – und genau das fängt der Film sehr gut ein. Schauspielerisch passt hier ohnehin alles. Neben Daniel Craig stehen Ana de Armas, Chris Evans, Michael Shannon, Toni Collette, Lakeith Stanfield, Christopher Plummer und Jamie Lee Curtis vor der Kamera. Doch niemand hat sichtlich mehr Spaß als Daniel Craig, der hier förmlich aufblüht. Diese schrille, leicht überdrehte Figur passt sogar noch besser zu ihm als James Bond und wirkt wie seine wahre Paraderolle.
FAZIT
Für Fans von clever geschriebenen Krimis mit vielen Wendungen ist „Knives Out“ absolut Pflicht. Falls ihr den Film noch nicht gesehen habt, solltet ihr das dringend nachholen. Von mir bekommt
Trailer zu Knives Out - Mord ist Familiensache


