
Anfang der 1980er Jahre suchte Mattel nach einer neuen Produktlinie mit einer eigenen Fantasiewelt. Conan der Barbar, die erste Idee, war zu düster und zu hart, Star Wars bereits vergeben. Also wählte man einen dritten Weg: episch im Look, aber maximal einfach in der Idee. Eine Welt, die man nicht erklären musste, sondern sofort verstand. Dort, wo die entscheidende Schlacht geschlagen wurde: im Spielzeugregal.
So entstand Masters of the Universe. Und so entstand auch He-Man. Der Name ist kein Mythos, keine Anspielung, kein Geheimnis. Er sagt schlicht, was er ist: der Mann, der stärker ist als alle anderen. Direkt, laut, selbstbewusst. Ein Produkt seiner Zeit.
Mattel-Designer Roger Sweet suchte keinen erzählerischen Titel, sondern einen funktionalen. Einen Namen, der ohne Vorwissen verständlich ist, sprachlich minimal. He-Man war ursprünglich ein Arbeitstitel, eine Art Platzhalter für „der ultimativ starke Mann“. Erst später wurde um diesen Namen herum eine Geschichte gebaut. Nicht der Held bekam einen Namen, sondern der Name bekam einen Helden.
Heute wirkt der Name wie aus der Zeit gefallen. Würde man heute eine blonde, weiße Figur namens He-Man einführen, würde der Name wahrscheinlich als maskuline Machtdemonstration wahrgenommen, die ohne Ironie wohl einen Shitstorm auslösen könnte.
Der Film muss den Namen daher ironisieren und einen neuen Kontext anbieten. Und das tun sie bereits im Trailer, hier die Szene:
Das simple Prinzip der Namengebung prägt das gesamte Masters-Universum. Skeletor ist ein Totenschädel und heißt auch so. Beast Man ist ein wildesTier, Man-At-Arms ist Waffe. Die Figuren repräsentieren klar erkennbare Rollen. Gut ist gut. Böse ist böse. Dazwischen gibt es wenig Platz – und genau das war gewollt. Auch She-Ra folgt diesem Prinzip: "She“ als direkte Spiegelung von "He“.
He-Man ist damit vielleicht das ehrlichste Kind der 80er Jahre. Muskelkraft, Neonfarben, Pathos, klare Fronten. Kein Zynismus, keine Metaebene, keine Grautöne, kein Augenzwinkern. Darum ist Masters of the Universe auch kein philosophisches Projekt. Es will nicht erklären, wie die Welt funktioniert, sondern wie sie sich anfühlen soll: groß, aufregend, beherrschbar. Die Mythologie kam später, die Wirkung zuerst.
Wenn heute ein neuer Masters of the Universe angekündigt wird, passt das genau dazu. Niemand erwartet ernsthaft Tiefgang. Erwartet wird etwas anderes: Energie, Klarheit, Spaß. Eine gute Zeit. He-Man ist einfach 80er Jahre, von ihrer besten, simplen Seite. Und vielleicht dürfen wir uns dieses Bad in Nostalgie genau deshalb erlauben – so unschuldig wie damals.
