
Bewertung: 3 / 5
Dieses Jahr gibt es so viele queere Filme wie schon lange nicht mehr. Die Vielfalt, die uns das Kino mittlerweile bereitstellt, ist wundervoll – und mit Only Good Things wird es im Kino noch vielfältiger, noch erotischer, noch romantischer und auch deutlich expliziter als in anderen queeren Filmen der jüngeren Vergangenheit.
Hier geht es um Antonio (Lucas Dummond), der ein zurückgezogenes Leben auf einer Farm in Brasilien führt. Die Landwirtschaft und die Tiere erfüllen ihn, und die Ruhe sowie die Einsamkeit stören ihn kaum. Doch alles ändert sich, als ein Mann in der Nähe seiner Farm einen Motorradunfall hat und Antonio ihn aufnimmt. Plötzlich steht sein ruhiges Leben Kopf: Er verliebt sich in den verletzten Motorradfahrer Marcelo (Liev Carlos). Doch ihre Beziehung bleibt nicht unentdeckt, denn 1984 herrschte noch immer Homophobie, und das Leben der beiden wird vor große Probleme gestellt.
Only Good Things ist ein kleines Drama aus Brasilien, das hierzulande vermutlich nur in den allerwenigsten Kinos zu sehen sein wird. Zu wenige Lichtspielhäuser werden überhaupt den Mut haben, dieses Werk zu zeigen. Der Grund ist einfach: Es gibt einige explizite Sexszenen, weshalb der Film nicht zu Unrecht eine FSK ab 18 erhalten hat.
Hier wird die Kamera nicht so gewählt, dass man nur die Oberkörper sieht – wie in vielen anderen Filmen – sondern man sieht wirklich alles, ausführlich, lang und detailliert. Besonders zu Beginn gibt es eine Oralverkehr-Szene unter der Dusche, die spätestens dort die Spreu vom Weizen trennt. Allein wegen seiner sexuellen Darstellung ist der Film also streitbar.
Darf man so etwas in einem Kinofilm zeigen? Ist das schon pornografischer Content? In diesem Fall wirkt es nicht pornografisch oder provokant, sondern intim und ehrlich. Filme wie Nymphomaniac (Part 1) und Nymphomaniac (Part 2) von Lars von Trier provozierten 2013 ebenfalls mit echten Sexszenen, in denen die Köpfe der Darsteller auf die von Pornodarstellern retouchiert wurden. Damals gab es einen riesigen Aufschrei, ob so etwas gezeigt werden dürfe – und ja, natürlich darf man. Schließlich haben sowohl Nymphomaniac als auch Only Good Things eine funktionierende Handlung, die das Gezeigte legitimiert.
Während es in Nymphomaniac um die Geschichte einer Nymphomanin ging – einer sexsüchtigen Frau, die versucht, ihren Schmerz und ihre Dämonen in Worte zu fassen – ist es in Only Good Things vor allem eines: romantisch, poetisch, liebevoll. Nichts ist daran verwerflich, wenn zwei Menschen lieben und dies auch zeigen. Sex und Erotik gehören zum Leben dazu. Schließlich gibt es genug Filme, in denen Heterosexuelle Sex haben, und das wird als völlig normal akzeptiert – also darf auch Sex zwischen Männern völlig legitim gezeigt werden.
Die Geschichte zwischen Antonio und Marcelo ist mehr als nur Sex. Sie ist ein Schrei nach Freiheit und danach, die eigene Sexualität vollumfänglich ausleben zu können. Man sucht sich nicht aus, wen man liebt.
Doch leider wechselt der Film in der zweiten Hälfte plötzlich die Tonalität, und er fällt damit in ein Dilemma. Während unsere beiden Protagonisten eine fantastische Chemie haben und man ihnen ihre innige Liebe abkauft, wird das Werk um 180 Grad tonal umgedreht. Was in der zweiten Hälfte passiert, erreicht nicht mehr ansatzweise die emotionale Tiefe der ersten Hälfte.
Es geht zwar immer noch um Liebe, Lust und die unterschwellige Homophobie, die sich bis in unsere heutige Gesellschaft zieht, aber auch um Verlust und Trauer – und wie lange man diese ertragen kann, bevor sie einen völlig zerfrisst. Das mag zwar spannende Themen sein, doch der Darsteller, der die ältere Version von Antonio spielt, hat kaum Ausstrahlung, spielt seine Szenen mit fast immer derselben Mine herunter, und es baut sich kaum noch Interesse an den Entwicklungen auf.
So bleibt Only Good Things zwar hoch romantisch, erotisch, explizit und extrem sexy. Gerade Liev Carlos ist zum Dahinschmelzen und sieht in jeder Szene fantastisch aus – fast schon unverschämt gut.
FAZIT
Das hier ist definitiv nicht für jeden geeignet, aber für diejenigen, die gerne Filme abseits des Mainstreams sehen und mutigen Werken eine Chance geben, ist dieser Film ein Blick wert. Man muss nur akzeptieren, dass der Film nach dem Tonalitätswechsel einige Stärken der ersten Hälfte verliert und Spannung sowie Romantik weitgehend zusammenfallen.
Der Film startet am 05. Februar 2026 in den deutschen Kinos.


