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28 Years Later - The Bone Temple

Kritik Details Trailer News
Weniger Infizierte, mehr menschlicher Abgrund

28 Years Later - The Bone Temple Kritik

28 Years Later - The Bone Temple Kritik
4 Kommentare - 17.01.2026 von Moviejones (MJ-GPJ)
Wir haben uns "28 Years Later - The Bone Temple" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
28 Years Later - The Bone Temple

Bewertung: 4 / 5

Mit 28 Years Later haben Danny Boyle und Alex Garland bewusst keinen einfachen, gefälligen dritten Teil abgeliefert. Stattdessen schlug der Film einen eigenständigen, stellenweise überraschenden Weg ein, der Zombie-Horror mit Coming-of-Age-Elementen und politischer Bildsprache verband. Dieser Ansatz wurde von vielen Kritikern als mutig und konsequent gelobt, sorgte beim Publikum jedoch für geteilte Reaktionen. Während sich einige Zuschauer an der experimentellen Erzählweise, den Tonwechseln und dem offenen Ende rieben, vermissten andere vor allem die raue, unmittelbare "Zombie"-Action, die sie aus den Vorgängern erwartet hatten. Gleichzeitig wussten viele gerade die stilistische Eigenständigkeit, die emotionale Tiefe und die thematische Ambition zu schätzen.

Durch das bewusst offene Ende und die früh kommunizierte schnelle Fortsetzung war von Anfang an klar, dass 28 Years Later weniger als abgeschlossene Geschichte gedacht ist, sondern vielmehr als erstes Puzzleteil eines größeren Ganzen. Ob dieser Ansatz tatsächlich aufgeht und ob der Film im Rückblick als kluger Auftakt oder als Fehlkalkulation zu bewerten ist, lässt sich eigentlich erst mit dem nächsten Kapitel beurteilen. Wir verraten euch in unserer Kritik zu 28 Years Later: The Bone Temple, wie sich dieser Ansatz fortsetzt – und wie er bei uns ankommt.

Trailer zu 28 Years Later - The Bone Temple

Kritik

Inhaltlich setzt 28 Years Later: The Bone Temple genau dort an, wo der Vorgänger aufgehört hat, greift dessen zweite Hälfte direkt wieder auf und führt die Geschichte mit bekannten Figuren weiter. Da die Handlung insgesamt eher konzentriert bleibt, wollen wir an dieser Stelle bewusst nicht zu viel vorwegnehmen.

28 Years Later: The Bone Temple enttäuscht im direkten Vergleich mit dem Vorgänger zunächst all jene, die nun auf eine stärkere Rückbesinnung auf infizierten Horror gehofft hatten. Die Zahl der Rager ist überschaubar, klassische Spannungsmomente und Jumpscares wirken eher pflichtschuldig eingebaut, fast so, als müssten sie dem Genre zuliebe geliefert werden. Der Film interessiert sich kaum für sie und entsprechend wenig bekommen wir von ihnen zu sehen.

Stattdessen rücken menschliche Antagonisten noch stärker in den Fokus. Besonders die im Vorgänger am Ende vorgestellte Gruppe junger Menschen in Trainingsanzügen und blonden Perücken ist eindrücklich gezeichnet: brutal und in ihrer enthemmten Gewaltbereitschaft kaum kalkulierbar. Gleichzeitig gelingt es, jedem von ihnen eine gewisse Individualität zu geben, auch wenn sie alle den gleichen Namen tragen. Ihre Wirkung entfaltet die "Jimmy" - Gang vor allem im Kontrast zu dem Jungen Spike, den wir ja bereits kennen, der vergleichsweise behütet in einer funktionierenden Gemeinschaft mit klaren Regeln und moralischen Grenzen aufgewachsen ist. Während er Mitgefühl und Zivilisation kennengelernt hat, scheinen diese Figuren vollständig von der postapokalyptischen Welt geprägt zu sein. In dieser Gegenüberstellung wird deutlich, wie schmal der Grat zwischen menschlicher Zivilisation und enthemmter Wildheit ist, und dass das wahre Grauen erneut weniger vom Virus als vom Menschen selbst ausgeht.

Inhaltlich verhandelt der Film zudem die Gegenüberstellung von Religion und Wissenschaft als mögliche Deutungs- und Bewältigungsmodelle einer zerstörten Welt. Dieser Konflikt wird durchaus interessant angerissen, bleibt am Ende jedoch eher Skizze als ausgearbeitete These. Für einen Genrebeitrag funktioniert das aber überdurchschnittlich gut, die Moral der Geschichte müssen wir uns selbst erschließen.

Auffällig ist gleichzeitig, dass es im gesamten Film eigentlich nur eine wirklich grausame Horrorszene gibt. Diese geht allerdings deutlich unter die Haut. Gleichzeitig beweist der Film hier ein gutes Gespür für Grenzen: Die Szene endet allerdings rechtzeitig und vermeidet es, in reinen Torture Porn abzurutschen.

Stilistisch geht The Bone Temple auf Distanz zum Vorgänger. Die Regisseurin Nia DaCosta verzichtet darauf, die typischen visuellen und akustischen Markenzeichen von Danny Boyle zu kopieren. Nervöse Kameraexperimente und aggressive Montagen treten in den Hintergrund. Man kann das bedauern – zugleich ist es eine konsequente Entscheidung, dem Film eine eigene Handschrift zu geben, statt sich an vertrauten Stilmitteln abzuarbeiten. Dafür haben wir einen Soundtrack, der überrascht. Wir verraten besser nicht zu viel, aber mit einer bestimmten Szene hätten wir einem Film dieser Reihe nie gerechnet.

Das Ende hält schließlich mehrere Überraschungen bereit und setzt Akzente, die das zuvor Gesehene neu einordnen. Wenn man der Geschichte grundsätzlich wohlwollend gegenübersteht, macht dieses Finale durchaus Lust auf mehr und auf die weitere Entwicklung des Gesamtwerks.

Fazit

28 Years Later: The Bone Temple ist keine Eskalation dessen, was die ersten beiden Teile der Reihe ausgemacht hat und was der Vorgänger schon nur angedeutet hat. Wer kompromisslosen Infizierten-Horror erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer sich hingegen auf eine ungewöhnliche Weiterentwicklung der Geschichte einlassen kann, findet hier einen interessanten Beitrag, der das Franchise thematisch erweitert. Genau diese Diskrepanz macht den Film schwer objektiv zu bewerten. Wir schließen uns den positiven Kritiken an, da der Film uns positiv überrascht hat. Wir sind gespannt auf die Fortsetzung.

28 Years Later - The Bone Temple Bewertung
Bewertung des Films
810

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4 Kommentare
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GPJ : : Moviejones-Fan
17.01.2026 12:08 Uhr | Editiert am 17.01.2026 - 12:26 Uhr
0
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 902 | Reviews: 4 | Hüte: 51

Auch wenn ich den Film gut fand, muss man wirklich all jene warnen, die sich Filme wie Dawn of the Dead von Snyder oder 28 Months Later wünschen.

Das Schauspiel, das kommt in der Kritik etwas kurz, das ist wirklich auch sehenswert, und auch das hebt den Film von vergleichbaren Genrewerken deutlich ab.

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
17.01.2026 11:57 Uhr | Editiert am 17.01.2026 - 11:58 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 8.839 | Reviews: 147 | Hüte: 753

Der Vorgänger hat mich sehr enttäuscht, daher verzichte ich auf Kino und schaue den Film irgendwann mal im Stream, wenn auch Teil 5 draußen ist. Diese Kritik und andere Kritiken bestätigen mich nur darin.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

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Lehtis : : Gejagter Jäger
17.01.2026 11:53 Uhr | Editiert am 17.01.2026 - 11:54 Uhr
0
Dabei seit: 24.08.11 | Posts: 2.051 | Reviews: 7 | Hüte: 81

Fand den Vorgänger nicht gut und der Trailer zu diesem Film schaut auch richtig Mies aus.

Hab nicht Mal Interesse den Film gratis bei einem Streamer zu sehen.

Und ich glaub es geht sehr vielen so. Das dürfte ein Kritiker Film sein und man hat den Großteil der Zuschauer verloren. Ich Wette dieser Teil Floppt im Vergleich zum Vorgänger

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Mxyzptlk : : Moviejones-Fan
17.01.2026 11:43 Uhr
0
Dabei seit: 29.03.16 | Posts: 449 | Reviews: 3 | Hüte: 12

Wie gesagt das Finale vom Vorgänger hat für mich den ganzen Film kaputt gemacht. Vllt geb ich ihn mir im stream.

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