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Nürnberg

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Geschichte, die nicht vergeht

Nürnberg Kritik

Nürnberg Kritik
0 Kommentare - 15.02.2026 von Moviejones
Wir haben uns "Nürnberg" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
Nürnberg

Bewertung: 4 / 5

Mit dieser Kritik widmen wir uns einem schweren, historischen Thema, das sich jeder leichten Betrachtung entzieht. Nürnberg ist kein Film, den man einfach so anschaut. Schon sein Titel zwingt zur Haltung.

Inhaltlich konzentriert sich der Film auf die Nürnberger Prozesse, jenen historischen Moment, in dem die Hauptverantwortlichen des NS-Regimes nach dem Krieg vor Gericht gestellt wurden - Männer wie Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel oder Albert Speer. Russell Crowe verkörpert dabei den Reichsmarschall Hermann Göring, einen der prominentesten Angeklagten, dessen Charisma und Kaltschnäuzigkeit den Gerichtssaal immer wieder in ein Machtspiel verwandeln. Rami Malek spielt einen jungen Psychologen, der im Auftrag der Alliierten versucht, Görings Persönlichkeit zu durchdringen und seine Strategie zu verstehen, als Beobachter, Gesprächspartner und moralischer Gegenpol.

Gerade Maleks Figur nähert sich dabei dem Menschen hinter der historischen Monstrosität an: nicht aus Empathie, sondern aus dem Versuch heraus, das Funktionieren dieser Persönlichkeit zu begreifen, ihre Manipulation, ihre Selbstinszenierung und ihre Abgründe sichtbar zu machen. Aus dieser Konstellation entsteht ein Drama, das weniger auf äußere Spannung setzt als auf Worte, Blicke und die bedrückende Schwere dessen, was hier verhandelt wird: Schuld, Verantwortung und die Frage, wie Recht nach einem Menschheitsverbrechen überhaupt möglich sein kann.

Crowe spielt mit einer Mischung aus Gravitas und kontrollierter Emotionalität, wie man es von ihm erwartet. Die Darsteller insgesamt bewegen sich in einem Terrain, das kaum Raum für Eitelkeit lässt: Hier geht es nicht um große Schauspielkunst als Selbstzweck, sondern um die Frage, ob man dem Gewicht der Geschichte standhält, ohne in Pathos oder Routine zu kippen. Der Film schafft das über weite Strecken – auch wenn manche dramaturgische Setzung an bekannte Muster erinnert.

In seiner Wirkung ist Nürnberg zugleich vertraut und unerbittlich. Die Bilder aus den befreiten Konzentrationslagern – man hat sie gesehen, in Dokumentationen, in anderen Filmen, in Archiven. Und dennoch: Sie stumpfen nicht ab. Sie können es nicht. Der Film weiß das und setzt diese Szenen nicht als Schockeffekt ein, sondern als moralischen Nullpunkt, von dem aus alles Weitere erst Bedeutung erhält. Gerade weil die Ikonografie bekannt ist, entsteht ein beklemmender Effekt: Man schaut nicht auf Neues, sondern auf etwas, das man nie "kennen" kann, ohne dass es wehtut.

International ist Nürnberg bereits vor Wochen gestartet, etwa in Frankreich, wo er in einem anderen kulturpolitischen Klima rezipiert wurde. Dass der deutsche Kinostart erst im Mai erfolgt, wirkt fast irritierend, ist aber wohl eher eine Frage der Verleihstrategie und vielleicht auch der Sensibilität des Marktes geschuldet: Solche Stoffe werden selten "einfach" terminiert.

Nürnberg ist kein Film, der überrascht. Aber einer, der trifft. Und vielleicht ist das die entscheidende Leistung: dass er nicht vorgibt, Geschichte neu zu erzählen, sondern sie so in den Raum stellt, dass man sich ihr nicht entziehen kann. Am Ende spannt der Film den Bogen weit über 1933 und weit über Deutschland hinaus, hin zu unserer aller Verantwortung heute. Er zeigt, wie schnell rechtsstaatliche Ordnungen erodieren können, wie aus Verwaltung und Gehorsam Ausführende des Todes werden – und wie leicht man sich hinter dem Satz "Ich habe nur Befehle befolgt" versteckt. Man verlässt das Kino nicht erleichtert, sondern nachdenklich – und mit dem stillen Gefühl, dass Erinnerung immer auch Verpflichtung bleibt.

Nürnberg Bewertung
Bewertung des Films
810

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