
Bewertung: 3.5 / 5
Das Buch von Andy Weir zu „Project Hail Mary“ war mir im Vorfeld nicht bekannt, aber man muss echt mal wieder darauf hinweisen, dass hier leider die Trailer schon arg viel vom Film gespoilert haben. Sehr schade eigentlich.
Der Film selbst ist durchaus gut, aber mit deutlichen Abstrichen hier und da, die ihn dann eben nicht zu einem neuen Klassiker des Genres machen. An solche Filme wie „2001 – Odyssee im Weltall“, „Lautlos im Weltraum“, oder neueren Datums z.B. „Interstellar“ oder den ebenfalls aus Weirs Feder stammenden „Der Marsianer“, schreddert „Projekt Hail Mary“ vielleicht nicht Lichtjahre davon entfernt vorbei, aber weit genug.
Trailer zu Der Astronaut
Die besonders positiven Seiten des Films sind seine visuelle Seite, denn er sieht in allen Belangen incl. des CGI wirklich hervorragend aus. Also Disney & Co. merken… so wird’s gemacht.
Die Musik von Daniel Pemberton hat mich komplett mitgenommen. Ein außergewöhnlich emotionaler Score, der die beeindruckenden Bilder nochmal eine Klasse anhebt. Immer wieder musste ich während des Films regelrecht aufhorchen und staunen über diese hohe Qualität.
Leider kann diese hohe Qualität von Gosling selbst nicht gehalten werden. Gosling konnte mich noch nie in einem Film überzeugen und auch hier ist er zwar bemüht, verfällt aber immer und immer wieder in seine üblichen Schemata, die vielleicht in einer Komödie ziehen, aber bei einem Film mit ernsthafter Note, eher wie ein ungebetener Gast wirken.
Gosling ist halt kein Charakterdarsteller und wird es auch nie werden. Als junger Heracles war seine Performance noch völlig in Ordnung, aber jetzt wo der Sunnyboy doch etwa älter ist, passt diese Art leider nicht für jeden Film.
Was gleich zum nächsten Problem führt… dem deplatzierten Humor im Film. Keine Ahnung was man sich dabei gedacht hat, aber auch hier wurde ich jedes Mal aus der Immersion gerissen, gerade wenn Gosling wieder versucht besonders witzig zu sein und das an manchen Stellen schon in regelrechte Slapstick-Einlagen ausuferte. Gerade bei einem Film, der wirklich versucht eine Gewichtung auf seine Handlung, auf die emotionale Tragweite des Geschehens zu legen, ist das mehr als nur unpassend, wenn man sich am Ende mehr im Bereich eines „Marvel Films“ bewegt.
Mit der Handlung ist es dann auch so eine Sache, denn der Film erzählt grundsätzlich eine interessante Story mit einer spannenden Ausgangssituation und auch im Verlauf genug Tiefe und Ideen, auch Wendungen, die einen erfolgreich an ihn binden. Aber gerade weil er eben durch Gosling, oder den Humor immer wieder abgebremst wird und auch selbstständig ein wenig verpasst die Ernsthaftigkeit und die Schwere der Situation eindringlich zu vermitteln, rauscht man oft eine wenig ziellos im All herum.
Ob das nun ein Problem des Films ist, oder ob das auch im Buch schon die gleiche Fahrtrichtung nimmt, kann ich nicht beurteilen.
So gut die grundsätzliche Idee aber dann auch ist, kann der Film leider bei weitem keine 156 Minuten tragen. Eine Unart der heutigen Filme, die leider viel zu verbreitet ist. Der Film wäre mit etwa zwei Stunden deutlich besser beraten gewesen.
Was den restlichen Cast dieser eigentlich als „One-Man-Show“ erzählten Geschichte angeht, ist allein Sandra Hüller vielleicht erwähnenswert, die mit ihrem recht emotionslosen und kalkulierenden Charakter eine eher undankbare Rolle spielt. Für die Handlung natürlich passend, von der darstellerischen Seite wohl eher unterfordernd.
„Project Hail Mary“ ist ein guter Film, den ich auch als eindeutig sehenswert einstufe, der aber sein ganzes Potential nicht ausspielen kann, da er von mehreren Seiten deutlich ausgebremst wird. Zwar wird der Film im letzten Drittel deutlich besser, wenn er ernster agiert, seine Gewichtung zugunsten der Story verlagert, aber das kommt einfach gefühlt zu spät. Kein neuer Genreklassiker, aber immerhin ein unterhaltsamer neuer Beitrag.


