Nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden die Hauptkriegsverbrecher im Nürnberger Prozess zur Rechenschaft gezogen. Das historische Drama "Nuremberg" widmet sich ebenjenen Prozessen, in dem der Psychiater Douglas Kelley (Rami Malek) auf den Nazi Hermann Göring (Russell Crowe) trifft, der als Hitlers rechte Hand galt.
@PaulLeger
Das deckt sich so ziemlich 1:1 mit meiner Meinung zum Film.
Die originalen KZ-Dokumentaraufnahamen sind ja die gleichen, wie sie damals auch für "Das Urteil von Nürnberg" verwendet wurden, nur dass Stanley Kramer im Gegensatz zu James Vanderbilt den richtigen tonalen Rahmen dafür steckte und die Wichtigkeit herausstellte. Zumal es 1961 auch noch ein Novum und "Tabubruch" war, diese Dokumentaraufnahmen der Öffentlichkeit in einem Film zu zeigen.
Der Abrakadabra-Payoff war schon bemerkenswert und gekonnt vorbereitet, steht aber auch symptomatisch für die Unseriösität des Films. Göring tritt cool und lässig aus der Geschichte ab. Und warum und für wen soll er alleine in der Zelle "Abrakadabra" sagen? Das geschieht nur für das Publikum.
"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."
Eine tonale Vollkatastrophe. Von allen erdenklichen Wegen, wie sich Vanderbilt wohl dieser Thematik annähern würde, hätte ich mir eine Buddy-Comedy am allerwenigsten vorstellen können. Crowes jovialer Hermann spielt sich hier mit Maleks Psychiater die Bälle zu wie mit Gosling in "The Nice Guys". Später werden dann Dokumentaraufnahmen aus den KZs gezeigt, nur um kurz darauf wieder zum saloppen Tonfall zurückzukehren. Völlig taktlos.
Malek bleibt blass und wird von Crowe an die Wand gespielt, was man damit entschuldigen könnte, dass es der Dynamik ihrer Figuren entspricht. Allerdings bekommt er dann auch einen Moment mit einem großen Gefühlsausbruch, den er in den Sand setzt, weil er komplett überzieht. Damit ist er dabei einen der schlechtesten Post-Oscar-Runs überhaupt hinzulegen, kann mich gerade nicht entsinnen, dass er nach "Bohemian Rhapsody" nochmal gut gewesen wäre.
Crowe ist das Highlight des Films - zumindest wenn man ausklammern kann wie problematisch es ist, dass Göring hier einnehmender ist als die eigentlich als Sympathieträger vorgesehene Figur von Malek, aber das kann man dem Darsteller ja schlecht ankreiden. Falls der Film als Dekonstruktion des Reichsmarschalls gedacht war, ist dies jedenfalls misslungen. Der Rest des Casts um Shannon, Grant und Woodall ist ebenfalls überzeugend.
Viele Themen werden angeschnitten ohne danach befriedigend aufgelöst zu werden. Alles in allem hat man hier aus einem ernsten Thema einen klischeehaften Unterhaltungsfilm gemacht, der nicht mal an der Oberfläche kratzt, so dass Stanley Kramers "Das Urteil von Nürnberg" mit weitem Abstand das Standardwerk zu Kriegsverbrechertribunalen bleibt.
PS: Der Abrakadabra-Payoff war ziemlich cool und hat mich zum Schmunzeln gebracht. Ob solche Reaktionen bei einem Film zu diesem Thema das Ziel sein sollten, sei mal dahingestellt.
Meine Bewertung
Ich habe mir den Film am 24. August 2026 angeschaut. (Zum Filmtagebuch)
Auch wenn die Geschichte bekannt ist, so hat mich der Film emotional ganz schön mitgenommen. Hier gibt es Szenen zu sehen, die haben mir Tränen in die Augen gebracht. Es ist einfach schrecklich, zu welchem Grauen der Mensch fähig ist. Hervorheben muss man auf jeden Fall die schauspielerischen Leistungen. Vor allem Russell Crowe finde ich brilliant, aber auch Rami Malek oder Michael Shannon spielen hervorragend.
Meine Bewertung
Heute spontan im Kino gesichtet, den Trailer hatte ich zuvor öfters im Kino gesehen und hatte daher Interesse. Btw finde ich es sehr seltsam, dass gerade dieser Film in Deutschland erst so mega spät veröffentlicht wurde, wir sind fast das Schlusslicht gewesen...
Zur Geschichte selbst hatte ich so gut wie kein Vorwissen, außer ein paar bekannte Namen wie Göring oder Hess. Kam mir in dem Fall zu Gute, da ich so von der Story mehr überrascht werden konnte.
Ja also mir hat der Film gefallen. Gut gemacht (vor allem hinsichtlich des Budgers), ein gut besetzter Cast mit starken Performances, insbesondere Russel Crowe (und hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch mal seinen deutschen Synchronsprecher Martin Umbach, hervorragende Leistung), aber auch Rami Malek zeigt hier wieder sein Können. Der Film ist spannend, intensiv und hat einen guten Score. Als Fan von Gerichtsverhandlungen kam ich hier auf meine Kosten, und das Thema generell hielt natürlich (insbesondere als Deutscher) mein Interesse aufrecht. Auch emotional konnte mich der Film daher stärker abholen. Besonders eine Sequenz war hart, und zwar die, als im Gerichtssaal die Szenen in den KZs gezeigt wurde. Verstärkt wurde das Ganze, da die Figuren im Film zum ersten Mal sahen, was dort wirklich passiert ist. Die Szene ging ein paar Minuten und ich hatte die meiste Zeit über feuchte Augen und einen Kloß im Hals. Einfach schrecklich, was damals dort getan wurde... Der Schockeffekt der Szene kommt zwar nicht an die aus Schindlers Liste heran (falls sich das jemand fragen sollte), zumindest nicht meiner Empfindung nach, aber sie kommt schon nah dran.
Was ich auch sagen muss, der Film kam im Kino wirklich gut rüber aufgrund der Hyperfokussion. Das ist zwar bei allen Filmen so, aber gerade bei einem wie diesem finde ich es umso stärker, denn zu Hause hätte er mich sicher nicht so gefesselt.
Daher meine Empfehlung, wer den Film sehen möchte, dann lieber im Kino als Heim.
Meine Bewertung
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