
Bewertung: 4 / 5
Jessie Buckley spielt in The Bride! - Es lebe die Braut eine Braut und verwendet dabei Figuren aus Mary Shelleys Roman "Frankenstein" beziehungsweise James Wahles Film Frankensteins Braut. Doch eines ist das weibliche Monster in dieser Neuinterpretation nicht - die Braut von irgendjemanden. Stattdessen nutzt Regisseurin Maggie Gyllenhaal die Figur, um einen Film voller Ideen und mit einem pulsierenden Tempo zu erzählen. Und das Ausrufezeichen im Titel setzt The Bride! - Es lebe die Braut an die im Film gewonnene Freiheit der Frauen, die es in den USA der 1930er Jahre eigentlich gar nicht geben dürfte. Ist die gottverdammte Braut einen Kinobesuch wert?
The Bride! - Es lebe die Braut Kritik
Der Film beginnt zwar mit Jessie Buckley, allerdings in ihrer Rolle als Mary Shelley. Die nämlich, so gibt sie zu, hätte eigentlich noch viel mehr zu sagen gehabt, als sie "Frankenstein" schrieb. Daher bemächtigt sie sich einer jungen Frau namens Ida (ebenfalls gespielt von Buckley), die daraufhin aufgrund ihres Ungehorsams eine Treppe hinuntergestürzt wird.
Trailer zu The Bride! - Es lebe die Braut
Derweil begibt sich der vor 100 Jahren von Doktor Frankenstein erschaffene Frank (Christian Bale) nach New York und sucht die Wissenschaftlerin Doktor Euphronious (Annette Bening) auf, die einige Bücher über das Wiederbeleben geschrieben hat. Sie hilft dem vereinsamten Frank, der auf der Suche nach einer Braut ist. So graben beide gemeinsam eine tote Frau aus und beleben sie wieder. Ida, die jetzt die Braut ist, kann sich größtenteils nicht an ihr früheres Leben erinnern. Doch sie ist nach wie vor besessen und kennt eine dunkle Wahrheit, die einen Mafiaboss und korrupte Polizisten betrifft. Beide jagen das einzigartige Paar, das auf ihrer Flucht eine Revolution beginnt.
Maggie Gyllenhall erklärte, sie habe auf einer Party einen Mann gesehen, der ein Tattoo von Elsa Lanchester, der Hauptdarstellerin von Frankensteins Braut aus 1935, hatte. Als sie daraufhin erstmals den Film sah, habe sie sich gewundert, dass es kaum um die namensgebende Braut gehe, sondern vorrangig um Frankensteins Monster. Das habe sie zum Film inspiriert, insbesondere da im Original niemand die Braut frage, was sie eigentlich will oder welche Bedürfnisse sie hat.
Diesen Fokus auf die Braut merkt man The Bride! - Es lebe die Braut an. Es geht zwar auch um Frank, seine Figur ist aber schon zu Beginn nahezu auserzählt. Stattdessen erleben wir, wie die Braut den gesellschaftlichen Konventionen der 1930er Jahre trotzt. Wie sie wahrlich aus sich herausbricht und ihr zweites Leben dafür nutzt, wofür es da sein sollte: um so zu leben, wie sie ist. Sie ist frech zu den Männern, die sie schamlos begrabschen. Und wehrt sich mit Franks Hilfe. Es kann als inkonsequent angesehen werden, dass die Braut Hilfe von einem Mann braucht, um missbrauchende Männer los zu werden. Allerdings ist genau das die Realität, eine Frau kann sich, oftmals, nicht rein körperlich gegen mehrere Männer wehren. Umso konsequenter ist es eigentlich, die feministische Aussage mit mutigen Männern zu verbinden, die sich genauso dafür einsetzen, dass Frauen kein Leid mehr erfahren müssen.
Doch setzt Gyllenhaal auch auf die Kraft der Masse, in einem der Höhepunkte des Films ruft die Braut zu einer Revolution auf und lässt dabei auch Teile des dunklen Geheimnisses anklingen. So kann das Paar entkommen. In einer an Joker erinnernden Szene sehen wir schließlich, wie Frauen sich wehren. Gegen eine Gesellschaft, in der es nicht so schlimm ist, wenn "bloß" eine Frau stirbt. Eine Gesellschaft, in der eine Frau mehr Gegenstand als Mensch ist.
Das Ermittlerduo Detective Jake Wiles (Peter Sarsgaad) und Myrna Mallow (Penélope Cruz) spielen als Einheit irgendwo zwischen Gut und Böse ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie gehören zwar zur korrupten Polizei, verstehen jedoch auch die Beweggründe des monströsen Paars. Am Ende kommt es durch diese besondere Dynamik in einer Szene mit Myrna Mallow und Doktor Euphronious zum Ausrufezeichen an die feministische Grundhaltung des Films.
Dabei fängt Kameramann Lawrence Sher nahezu alle Momente passend ein. Jede Einstellung und jeder Schnitt haben einen Sinn und verleihen dem Film seine eigene, mutige und explodierende Identität. Die Ausstattung der Drehorte und die Orte selbst sind ebenso stimmungsvoll. In jedem Moment versinkt man in dieser Welt, die wie eine alternative Realität der 1930er Jahre aussieht. Auch die Musik erklingt in den richtigen Momenten.
In den 126 Minuten Laufzeit gibt es kaum Längen, selbst nach dem recht frühen ersten Höhepunkt bleibt die Geschichte rasant und fesselnd. Dabei gehen Charakterentwicklung und ruhigere Momente aber nicht verloren, sondern werden sinnvoll eingewebt. Dabei hilft auch das beeindruckende Schauspiel von Jessie Buckley, der man den Wahnsinn ihrer Figuren fast schon zu gut abkauft. Egal ob ein Monolog in einer emotionalen Ausnahmesituation, ein verletzlicher Moment oder eine verrückte Tanzeinlage - sie spielt alles glaubhaft und mit einer unglaublichen Präsenz.
Positiv ist auch Annette Bening hervorzuheben, die die leicht verrückte Wissenschaftlerin überzeugend spielt. Ebenso kann Penélope Cruz ihrer Rolle eine gute Präsenz geben. Dabei stiehlt sie Peter Sarsgaard regelrecht die Show, der vor allem in einer emotionaleren Szene überhaupt nicht gut spielt. Bis auf diesen Aussetzer spielt er aber zumindest solide.
In einigen Szenen ist der Film ziemlich explizit und erlaubt sich auch Momente, in denen der ein oder andere Zuschauer lieber wegschaut. Ausgeglichen wird das zugleich aber mit viel makaberem Humor. Für uns kommt der aber nie unpassend oder so oft, dass er den ernsten Momenten weniger Gewicht verleiht. Allerdings ist die Tonalität sicherlich einer der streitbarsten Dinge und hängt von persönlichen Vorlieben ab.
Fazit
The Bride! - Es lebe die Braut ist ein elektrisierendes und kämpferisches Erlebnis, das wunderschön gefilmt und packend erzählt ist. Die Geschichte und ihre Bedeutung entfalten sich fast mühelos. Jessie Buckley brilliert dabei in ihrer Dreifachrolle als Mary Shelley, Ida und die Braut. Maggie Gyllenhaal präsentiert einen lauten und feministischen Film mit einem Ausrufezeichen, das seinen Platz im Titel ganz eindeutig verdient hat. Wir empfehlen, allein wegen der Bilder, einen Besuch im Kino. Gleichzeitig sei aber gesagt, dass der Humor und die Tonalität vielleicht nicht jedem gefallen. Doch ein mutiges, experimentelles Werk wäre ohne Kritiker auch keines.


