
Bewertung: 3 / 5
Eigentlich lässt sich die Tätigkeit einer Haushälterin doch leicht zusammenfassen, ohne diese dabei abwerten zu wollen. Man putzt, kocht, holt gegebenenfalls die Tochter der Familie, bei der man angestellt ist, ab und erledigte kleinere, organisatorische Aufträge.
Dass diese Arbeit allerdings auch psychisch fordert, erfahren wir in The Housemaid - Wenn sie wüsste, der Adaption der gleichnamigen Romanvorlage von der US-Autorin Freida McFadden, die seit dem 15. Januar in den deutschen Lichtspielhäusern zu sehen ist. Im Thriller, der aktuell schon über 310 Millionen US-Dollar einspielen konnte, sieht sich Rising-Star Sydney Sweeney mehr oder weniger mit alltäglichen Aufgaben eines Hausmädchens konfrontiert. Wie sie sich schlägt und ob The Housemaid - Wenn sie wüsste neben dem finanziellen Erfolg auch filmisch überzeugen kann, erfahrt ihr in dieser Kritik.
Trailer zu The Housemaid - Wenn sie wüsste
Als die 27-jährige Millie (Sydney Sweeney) auf Bewährung aus dem Knast entlassen wird, erwartet sie in Freiheit die harte Realität. Sie nimmt einen Aushilfejob nach dem anderen an, schläft teilweise in ihrem Auto und versucht, so gut es geht, über die Runden zu kommen. Eines Tages wird Millie dann überraschenderweise bei der wohlhabenden Familie Winchester als Haushaltshilfe engagiert und alles scheint perfekt. Plötzlich hat Millie ein sicheres Einkommen, ein Dach über dem Kopf und dazu ein freundliches Umfeld, wäre da nur nicht die Frau des Hauses, Nina Winchester (Amanda Seyfried), welche sich äußerst merkwürdig verhält und sie nicht ausstehen kann. Als sich die seltsamen Ereignisse zu häufen beginnen und sich der charmante Andrew Winchester (Brandon Sklenar) immer mehr für Millie interessiert, ahnt jene noch nicht, in welche heikle Situation sie sich manövriert hat …
Kritik - The Housemaid - Wenn sie wüsste
Gleich zu Beginn unserer Kritik möchten wir sagen, dass wir die Buchvorlage von The Housemaid - Wenn sie wüsste nicht gelesen haben und daher keine Vergleiche zum Roman ziehen können, sondern nur den Film als solchen bewerten möchten. Betrachten wir deswegen zunächst den Inhalt und dessen Dramaturgie, die, unserer Ansicht nach, als eine der großen Stärken hervorgehoben werden kann. So führt man den Zuschauer langsam in Millies recht hoffnungsloses Leben nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis heran und geht dann allmählich über zum Prunk der Winchesters, was nochmal die beiden Extreme toll nebeneinanderstellt. Auch die zunehmende Unbehaglichkeit durch die plötzlich erscheinende Nina gibt dem Film eine schöne Psycho-Note und sorgt bestimmt für das ein oder andere Zusammenzucken im Kinosaal.
Etwa in der Mitte des Films entwickelt sich The Housemaid - Wenn sie wüsste dann plötzlich in eine ganz andere Richtung, die dem relativ unvorhersehbaren Twist geschuldet ist. Hier ist es sicher Geschmackssache, ob man dem Thriller diese abrupte Entwicklung abkauft oder nicht, wir fanden es jedoch sehr unterhaltsam und passend, wenn man die Charaktere und deren Hintergrund mit einfließen lässt. Es wird blutig, psychotisch und so kulminiert das von Regisseur Paul Feig aufgebaute Szenario in einem genugtuenden Finale. Raum für weiteren Geschichten gibt es natürlich auch, schließlich hat Lionsgate, angesichts des geringen Budgets von lediglich 35 Millionen US-Dollar, mittlerweile die Entwicklung eines zweiten Films bestätigt, dessen Produktion noch dieses Jahr starten wird.
Die zweite, große Stärke findet der Film in seinen Darstellern, allen voran Amanda Seyfried. Jene darf im ersten Drittel schauspielerisch richtig vom Leder ziehen und wirkt stellenweise richtig unheimlich. Sydney Sweeney macht ihre Sache als vorbestrafte Haushälterin ebenfalls gut, darf aber erst gegen Ende zeigen, wozu sie imstande ist. Brandon Sklenar spielt als Andrew Winchester auf einem ähnlichen Level wie Seyfried und verleiht The Housemaid - Wenn sie wüsste mit seiner Performance den nötigen Touch. Was bei allen drei Charakteren gegeben ist, ist eine gewisse Tiefe, denn anstatt uns die Hintergründe und Motivationen der einzelnen Figuren vorzubeten, bekommen wir jene in Rückblenden tatsächlich gezeigt. Dadurch schafft man es auch, das derbe Finale emotional aufzuladen und einen tatsächlich mitleiden zu lassen.
Wie ihr an der Bewertung bereits erkennen konntet, ist der Psycho-Thriller trotz der genannten Stärken definitiv nicht frei von Mankos, die das Erlebnis gerade für Genre-Freunde etwas dämpfen könnten. Für das erste genügt schon ein Blick auf die Laufzeit, welche mit 132 Minuten einfach zu lang ist, um die Geschichte prägnant zu erzählen. So haben wir gerade im besagten Mittelteil, bei dem die Richtung langsam umschwenkt, des Öfteren auf die Uhr geschaut, weil man hier definitiv 10 bis 15 Minuten hätte raffen können, um Langeweile vorzubeugen. Möglicherweise wäre auch den Twist, welcher für uns dennoch funktioniert hat, filmisch noch besser und plötzlicher zur Geltung gekommen, weil jener so leider recht unspektakulär abgearbeitet wird.
Des Weiteren führt der Film gleich zu Beginn eine Nebenfigur ein, die im weiteren Verlauf des Plots kaum bis gar nicht Beachtung findet und auch gegen Ende nur Beiwerk ist, ohne tatsächlich in die Handlung einzugreifen. Diesen Charakter hätte man, unserer Ansicht, ruhig weglassen können, da man wenig mit ihm anzufangen weiß, außer ihn mal in einem Flashback zu erwähnen.
Fazit:
Zusammenfassend können wir euch The Housemaid - Wenn sie wüsste ans Herz legen, da ihr einen vorerst unscheinbaren, toll gespielten und auch blutigen Psycho-Thriller geboten bekommt, der dank seiner Horror-artigen Inszenierung packt und gerade am Ende wirklich Spaß macht. Die Motivationen der Figuren werden sichtbar gemacht, die dadurch eine gewisse Tiefe bekommen, ohne dabei überzeichnet zu wirken. Einzige Wermutstropfen sind die etwas zu lange Laufzeit und ein überflüssiger Side-Charakter, die das Erlebnis im vollen Kinosaal aber nicht signifikant schmälern dürften.


