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Lupita Nyong’o als Helena

Casting News zu Nolans "Odyssee" schlagen Wellen

Casting News zu Nolans "Odyssee" schlagen Wellen
76 Kommentare - So, 01.02.2026 von MJ-GPJ
Nun gerät auch Christopher Nolans "Die Odyssee" in eine kulturpolitische Kontroverse. Auslöser sind empörte Reaktionen auf eine Casting-Entscheidung – angefeuert von Elon Musk.
Casting News zu Nolans "Odyssee" schlagen Wellen

Kaum ein großes Filmprojekt kommt derzeit ohne begleitende Empörungswelle aus. Meistens ist das glücklicherweise nur heiße Luft und in der Regel ignorieren wir dies. Nun hat es aber auch den meist erwarteten Film von uns getroffen, Die Odyssee.

Noch bevor Christopher Nolans Verfilmung in die Kinos kommt, entzündet sich nun eine Debatte an der Besetzung der Helena von Troja. Anlass ist die Berichterstattung, wonach Lupita Nyong’o diese Rolle übernehmen soll. Bei IMDb ist es mittlerweile auch so gelistet. Es war zwar lange bekannt, dass sie mitspielt und es wurde auch hier bei Moviejones fleißig spekuliert (wir hatten an Kirke oder Kalypso gedacht), aber nun ist es wohl offiziell.

Helena von Troja ist in der Die Odyssee keine Hauptfigur, sondern eine Schlüsselgestalt im Hintergrund der Handlung. Sie gilt als sehr schöne Frau und als Auslöserin des Trojanischen Krieges, weil sie Menelaos verließ und nach Troja gelangte. Homer liefert keine Angaben zu Hautfarbe, Haarfarbe oder Gesichtszügen. Ihre Schönheit wird vorausgesetzt, nicht visualisiert.

Befeuert wurde die Diskussion durch Elon Musk, der dem Regisseur öffentlich mangelnde „Integrität“ vorwarf (als Retweet zu der Berichterstattung).

Was Musk sich dabei genau gedacht hat, wissen wir natürlich nicht. Die Argumentationslinie der Kritiker folgt aber immer dem gleichen Muster: Antike Stoffe werden wie historische Protokolle behandelt, Figuren auf äußerliche Merkmale reduziert, künstlerische Interpretation als ideologischer Angriff gedeutet. Dass die Odyssee ein mythologischer Text ist, mehr Märchen als Geschichte, dessen Figuren zwischen Göttern, Metamorphosen und symbolischen Überhöhungen changieren, wird dabei konsequent ignoriert.

Die entgegengesetzte Position lautet: Helena ist bei Homer kein Passfoto, sondern ein Projektionsraum: für Begehren, Schuld, Schönheit, Verhängnis. Ihre „Schönheit“ ist literarische Funktion, keine dermatologische Beschreibung. Wer hier von „historischer Genauigkeit“ spricht, verfehlt den Gegenstand oder, heutzutage eher die Regel, benutzt ihn bewusst als Vorwand.

Dass sich die Debatte nun sogar an Christopher Nolan entzündet, ist bemerkenswert. Nolan ist kein Regisseur, der für platte Provokationen oder kulturpolitische Symbolgesten bekannt ist; seine Filme stehen vielmehr für formale Strenge und künstlerischen Ernst. Wer seine Arbeit schätzt, dürfte sich von derartigen Nebendebatten kaum vom Kinobesuch abhalten lassen.

Die Hoffnung bleibt, dass sich diese kulturpolitische Aufgeregtheit als das entpuppt, was sie ist: ein trojanisches Pferd ideologischer Interessen, denen es nicht um Kino geht. Und dass Die Odyssee am Ende für das wahrgenommen wird, was zählt, als Kunstwerk, nicht als Austragungsort eines Stellvertreterkriegs.

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76 Kommentare
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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
10.02.2026 18:44 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 17.639 | Reviews: 20 | Hüte: 412

Einen ähnlichen Gedanken hatte ich bei MrBond Kommentar. Ich wollte sagen das Morgan Freeman alles spielen kann. @ Poisonsery: Der war sogar ein Gott und schwarz. Hat sich da jmd. beschwert ? Zumindest habe ich da keinerlei Erfahrung. Nolan nimm sich hier einfach künstlerische freiheit. Um seinen Geschichte so zu erzählen wie er es erzählen möchte. Und somit steht ihn frei. Wem er an bestimmte Rolle besetzt möchte. Wieso müssen wir immer wieder diesen Themen aufgreifen. Zum Beispiel: Viele Amerikaner glauben Amerika sei die USA. was wiederum falsch ist. Amerika ist eine Kontinent der sowohl norden als auch Süden umfasst. Plus die kleine Insel die ringsum liegt.

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MrBond : : Imperialer Agent
09.02.2026 10:17 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 3.956 | Reviews: 24 | Hüte: 609

Btw... gerade wird meine Behauptung (siehe unten) im Lara Croft Thread bestätigt.

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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Poisonsery : : Moviejones-Fan
07.02.2026 04:46 Uhr
0
Dabei seit: 02.03.18 | Posts: 2.756 | Reviews: 8 | Hüte: 45

@ChrisGenieNolan Einen ähnlichen Gedanken hatte ich bei MrBond Kommentar. Ich wollte sagen das Morgan Freeman alles spielen kann.

Grundsätzlich war ich stets der Meinung wenn der Erschaffer der Fiktion das Casting zustimmt. Werden die Fans mitgehen. Kann man vergessen die gleiche Diskussion gab es bei Prinzessin Vivi bei One Piece. Zumindest offiziell hat Oda die Castings absegnet. Gut Homer können wir nicht mehr fragen.

Man sagt alle Hunde kommen in den Himmel. Ich hoffe es gilt auch für Katzen :–(

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GPJ : : Moviejones-Fan
06.02.2026 19:28 Uhr | Editiert am 06.02.2026 - 19:36 Uhr
1
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 968 | Reviews: 4 | Hüte: 59

Ich finde zwei Punkte interessant, um den Unterschied zwischen Helena-Casting-Befürwortern und -Gegnern zu erklären:

1. Erwartungshaltung als Kernunterschied
Diversity-Ablehnung entsteht laut der Diskussion nicht aus Feindseligkeit, sondern daraus, dass der eigene Blick zum Maßstab gemacht wird. Sie tritt vor allem dort auf, wo Menschen Filme so haben wollen, wie sie sie erwarten. Wird diese Erwartung enttäuscht, steht für manche schon vorher fest, dass der Film „scheiße“ ist – noch bevor man ihn gesehen hat. Vor diesem Hintergrund wundert es mich dann auch nicht, wenn ein Film eine 1/10 bei IMDb bekommt, vergeben von Leuten, die ihn gar nicht gesehen haben.

Diversity-Befürwortung geht dagegen häufiger mit einer offeneren Haltung einher: „Ich lass mich überraschen, Nolan wird schon wissen, was er tut.“ Das Urteil entsteht erst nach dem Sehen des Films, nicht davor.

Möglicher Ausweg: Die eigene Perspektive mehr in den Mittelpunkt rücken. "Ich hätte mir eine weiße, blonde Helena gewünscht, weil ich mir das als Kind immer so vorgestellt habe" statt "Nolan hat die Integrität verloren".

2. Wirkung von Sprache – unabhängig von der Intention
Unabhängig davon, wie etwas gemeint ist, wirken kurze, negativ formulierte Ablehnungsäußerungen – gerade im Forum – schnell ausgrenzend. Ohne erklärenden Kontext können sie als reine Abwertung gelesen werden und eskalieren besonders bei historisch sensiblen Themen sehr schnell.

Kurze, positive Zustimmungen haben dieses Problem sprachlich eher nicht. Dadurch, dass sie positiv sind, verletzen sie ja erstmal niemanden.

Möglicher Ausweg:
Negative Meinungen müssten sensibler formuliert und stärker als persönliche Perspektive kenntlich gemacht werden. Ein bisschen Erklärung nimmt viel Sprengkraft raus.

Anmerkung: Explizite Rassisten oder ideologisch motivierte Gegner lasse ich hier bewusst außen vor. Die gibt es, aber die meine ich hier nicht – und ich würde sie auch nicht als „Fans“ bezeichnen.

Auch die Kulturkämpfer werden immer einen Grund finden, eine Casting Entscheidung mit irgendwelchen kruden Theorien zu verknüpfen.

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
06.02.2026 17:50 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 10.323 | Reviews: 180 | Hüte: 706

Mir gefällt die Diskussion zwischen DrStrange und Cineast sehr smile Auch den Beitrag von MrBond find ich sehr klasse.


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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
06.02.2026 17:30 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 17.639 | Reviews: 20 | Hüte: 412

@ ferdyf: es gibt nur eine Person, die Helena spielen sollte und das ist Kirk Lazarus!

Da muss ich dich widersprechen. laughing ...es gibt nur eine Person, die Helena spielen sollte oder kann: Natalie Portman. Sie kann alles spielen. An ihr kommt keiner vorbei laughing victory

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MrBond : : Imperialer Agent
06.02.2026 13:55 Uhr | Editiert am 06.02.2026 - 14:13 Uhr
1
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 3.956 | Reviews: 24 | Hüte: 609

@DrStrange, @CINEAST

So lässt sich doch zivilisiert diskutieren. Vielen Dank dafür und Hut an beide.

Unter`m Strich würde ich zusammenfassen, dass es (sofern man nicht aus "niederen Gründen" argumentiert) letztlich immer um persönliche Meinungen geht. Und persönliche Meinungen haben niemals den Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Das ist der Grund, warum man sich darüber unterhält und wenngleich man sein Gegenüber nicht überzeugen kann (was nicht zwangsläufig der Anspruch sein sollte), so kann man dennoch die Argumente verstehen und akzeptieren. Mann muss ja nicht der gleichen Meinung sein. Nennt sich "Toleranz".

Und wenn es rein um eine persönliche Einstellung beim Thema "Casting" geht, dann ist das eines jeden guten Rechts, gegen die ein, oder andere Entscheidung zu sein. Deswegen ist diese, oder jene Meinung keine Regel, oder Gesetz. Es gibt ja immer wieder kritische Stimmen, über Besetzungen - so z.B. beim Film Borderland. Ich selbst habe weder das Spiel gespielt, noch den Film gesehen, kann mich aber gut daran erinnern, wie von manchen Usern über die Besetzung geklagt wurde. Vermutlich insbesondere von jenen, die das entsprechende Spiel kannten. Andere "unvoreingenommenere" Personen (und das soll weder als Kritik der einen, noch der anderen Seite verstanden werden) fanden die Besetzung okay - bzw. es war ihnen egal.

Das wird es auch in Zukunft weiterhin geben. Wenn Robin Hood demnächst mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle neuverfilmt wird, wird es garantiert auch Kritiken an der Besetzung geben. Oder wenn das Alpenmädchen Heidi plötzlich ein Junge ist... oder, um beim Thema zu bleiben, ihr Großvater von Morgan Freeman besetzt wird. Die einen sehen da überhaupt kein Problem und die künstlerische Freiheit gebietet es geradezu, solche Wege einzuschlagen, die anderen argumentieren, dass die Vorlage/Literatur das aber so nicht beschreibt.

So lange wir akzeptieren, dass es unterschiedliche Meinungen gibt und uns nicht gegenseitig mit Schlamm bewerfen, ist das Leben doch in Ordnung. Bond Ende.

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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GPJ : : Moviejones-Fan
06.02.2026 13:26 Uhr | Editiert am 06.02.2026 - 13:29 Uhr
0
Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 968 | Reviews: 4 | Hüte: 59

@Dr.Gonzo, tut mir leid, wenn ich Deine Gefühle verletzt habe.

Natürlich muss man nicht alle Kommentare gelesen haben, um hier etwas beizutragen, aber dann ist es schon ziemlich "Nase oben" von Dir zu schreiben :
Damit sollten eigentlich zu dem Casting in the Odyssey alle Fehler geklärt sein.

Vielleicht hast Du ja wirklich geglaubt, mal eben im Vorübergehen die ganze Diskussion aufzulösen, wer weiß. Aber so einfach ist es nicht, darauf wollte ich aufmerksam machen.

Danke, @Cineast und Dr. Strange, ihr erweitert meine Perspektive auf dieses Thema.

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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
06.02.2026 12:51 Uhr | Editiert am 06.02.2026 - 12:53 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 17.639 | Reviews: 20 | Hüte: 412

Jetzt haben wir alle den verstanden verloren, oder ? Man kann nicht ein lebenden Menschen mit ein Fiktion gleich darstellen.

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DrGonzo : : Drachenzähmer
06.02.2026 10:25 Uhr
0
Dabei seit: 02.12.10 | Posts: 3.210 | Reviews: 0 | Hüte: 144

@GPJ und Cineast

Sry wenn euch mein post stört. Ich glaube nicht dass ich eure posts gelesen haben muss um meinen Senf dazu geben zu dürfen. Wenns nicht erwünscht ist lass ichs allerdings auch gern sein. Nicht jeder hat Zeit hier einen ellenlangen Post zu verfassen oder jeden Kommentar nachzulesen und jede Diskussion zu verfolgen. Früher war das Verständnis hierfür auf MJ etwas höher. Aber ein paar haben die Nase mittlerweile scheinbar Recht weit oben.

(Is mir egal ob ich mich mit dem post jetzt ins aus katapultiere, aber es musste auch mal erwähnt werden)

"Fuck the kingsguard, fuck the city, fuck the king."

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DrStrange : : Moviejones-Fan
06.02.2026 08:54 Uhr
1
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 3.656 | Reviews: 60 | Hüte: 140

@CINEAST

Danke dir für deine erneute, sehr ausführliche und differenzierte Antwort. Ich weiß den Ton und die Ernsthaftigkeit, mit der du dich mit meinen Aussagen auseinandersetzt, wirklich zu schätzen. Allein das zeigt schon, dass wir beide ein echtes Interesse daran haben, die jeweils andere Perspektive zumindest zu verstehen – auch wenn wir inhaltlich nicht an allen Stellen zusammenkommen.

Ich denke, wir können das an dieser Stelle im positiven Sinne so stehen lassen. Mir ist klar, dass wir uns wahrscheinlich nicht vollständig annähern werden, und das ist für mich auch völlig in Ordnung. Im Kern bleibt für mich weiterhin wichtig, dass man viele dieser Themen nicht pauschal, sondern situativ betrachten sollte. Gerade bei Filmumsetzungen, Besetzungsentscheidungen und kreativen Neuauslegungen gibt es aus meiner Sicht so viele unterschiedliche Ausgangslagen, Motivationen, Rahmenbedingungen und Zielsetzungen, dass ich es schwierig finde, daraus ein einheitliches Bewertungsmuster abzuleiten. Deshalb neige ich dazu, mir einzelne Projekte und konkrete Beispiele separat anzuschauen und auf dieser Basis zu entscheiden, was für mich funktioniert und was nicht.

Zu deinem Punkt der Erwartungshaltung: Ich sehe durchaus, was du meinst, wenn du sagst, dass du versuchst, möglichst offen vor das fertige Werk zu treten und es primär aus dem heraus zu bewerten, was dir präsentiert wird. Das ist ein nachvollziehbarer Ansatz. Gleichzeitig würde ich für mich sagen, dass eine gewisse Erwartungshaltung oder zumindest ein innerer Referenzrahmen kaum komplett zu vermeiden ist – insbesondere dann nicht, wenn man sich seit Jahren oder Jahrzehnten mit bestimmten Stoffen, Genres oder Vorlagen beschäftigt. Für mich bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass ich Filmschaffenden vorschreiben möchte, wie sie etwas „richtig“ zu machen haben, sondern eher, dass ich automatisch Vergleiche ziehe, einordne und abwäge. Das ist weniger als Meinungshoheit gemeint, sondern eher als persönlicher Bewertungsprozess.

Deinen Einwand bezüglich möglicher Zuschreibungen von Agendas, Ideologien oder bewussten Absichten kann ich grundsätzlich nachvollziehen. Ich würde aber dennoch unterscheiden zwischen dem Andichten fester Motive und dem Benennen von wahrgenommenen Tendenzen. Für mich ist es legitim, Entwicklungen in der Branche kritisch zu beobachten und zu hinterfragen, solange man sich bewusst bleibt, dass man nicht die Gedanken oder Intentionen einzelner Personen kennt. Da ist sicherlich eine Gratwanderung, und ich sehe auch, dass diese Grenze im Internet schnell unscharf wird.

Was deinen Punkt zur Wirkung kurzer, zugespitzter Kommentare angeht, stimme ich dir im Prinzip zu. Gerade in schriftlicher Form fehlt oft Kontext, Tonfall und Erklärung, was Missverständnisse begünstigt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich in dieser Diskussion bewusst ausführlicher geworden bin, um klarzumachen, dass meine Kritik nicht aus Ablehnung gegenüber Menschen oder Gruppen entsteht, sondern aus einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Werken und Entscheidungen. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Schwierigkeit, dass man nicht jedes Mal einen langen Erklärungstext mitschicken kann – ein strukturelles Problem von Online-Diskussionen, dass wir vermutlich nicht auflösen werden.

Beim Thema Veränderung und Gleichberechtigung kann ich deinen grundsätzlichen Wunsch und dein Ziel absolut teilen. Ich glaube ebenfalls, dass mehr Sichtbarkeit, mehr Möglichkeiten und mehr Vielfalt wichtig und richtig sind. Wo wir uns möglicherweise unterscheiden, ist weniger im Ziel als im Blick auf einzelne Wege dorthin. Ich persönlich tue mich mit manchen sehr plakativen oder stark forciert wirkenden Maßnahmen schwer, während du diese als notwendige oder zumindest akzeptable Zwischenschritte siehst. Auch hier würde ich wieder sagen: Es hängt für mich stark vom konkreten Projekt und der konkreten Umsetzung ab.

Unterm Strich bin ich, genau wie du, sehr positiv überrascht, wie konstruktiv sich diese Diskussion entwickelt hat. Ich empfinde sie als bereichernd und respektvoll – und das ist für mich ein großes Kompliment an alle Beteiligten. Gerne können wir bei einem anderen Projekt oder einer anderen Gelegenheit, bei der echter Redebedarf besteht, wieder auf dieser sachlichen und offenen Ebene anknüpfen. Nur nicht zwangsläufig sofort und dauerhaft, da mir dafür ehrlich gesagt oft die Zeit und Energie für solch lange Antworten fehlt. Für den Moment bin ich mit dem erreichten Stand sehr zufrieden.

Danke dir für den Austausch.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

MJ-Pat
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CINEAST : : Moviejones-Fan
05.02.2026 23:37 Uhr | Editiert am 05.02.2026 - 23:40 Uhr
1
Dabei seit: 17.11.09 | Posts: 2.240 | Reviews: 7 | Hüte: 139

@DrStrange

Nochmals danke, dein letzter Text hat jetzt noch mal sehr deutlich deinen Standpunkt hervorgehoben und ich kann deine Sichtweise jetzt noch genauer verstehen.

Ich denke weiter als bis zu diesem Punkt werden wir uns wahrscheinlich in der Sache nicht annähern können, aber ich denke dass der gemeinsame Nenner den wir hier gefunden haben schon ein ganz guter Kompromiss ist, auch wenn ich still die Hoffnung hege, dass da in den nächsten Jahren noch Luft nach oben ist (da ich ich ein paar Punkte in deinen Aussagen in meinem Ich von vor 10 Jahren wiedererkenne, die ich aber mittlerweile hinter mir gelassen habe) ; ) (diese Aussage hat keinen belehrenden Inhalt, sondern ist einfach ein Fakt)

Ich lese für mich da jetzt hauptsächlich heraus, dass die Grundintention keine bösartige ist, sehe die Gründe für deine Argumentationslinie aber trotzdem noch in einer sehr klar persönlich geprägten Sicht auf die Thematik Filmumsetzungen von Stoffen mit Vorlage.

Ich würde hier klar unterscheiden, dass für mich z.B. rein die filmische Vision des Regisseurs bzw. der Filmschaffenden entscheidend für die Bewertung eines Projektes ist. Das heißt das mein Blick auf einen Film weniger von meiner Erwartungshaltng in Hinblick auf einzelne Aspekte des Films abhängt, als viel mehr von dem Zusammenspiel aller Komponenten im fertigen Film. Du hast es zwar ähnlich formuliert, allerdings mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass du die Filme Projekt für Projekt selbst in gewisse Kategorien bzw. Muster einordnest, auf deren Basis du dann einzelne Aspekte unterschiedlich gewichtest bzw. mit deinen vorgefertigten Erwartungen diesbezüglich abgleichst. Es bleibt hier somit mein vorher geäußerter Einwand: Ich würde provokativ sagen, du bringst zu viel eigene Erwartungshaltung und damit eine gewisse “Meinungshoheit“ über das wie und mit wem es “am Besten/Sinnvollsten“ umgesetzt hätte werden können mit ein, während ich versuche mich vor die vollgeklatschte Leinwand zu stellen und versuche für mich Dinge aus dem herauszuziehen, was der Regisseur mir da serviert hat. Nachtrag: Für mich hat deine Herangehensweise eben den unschönen Beigeschmack, den du auch kurz selbst mit reinwirfst (und den auch hier im Forum ja viele immer wieder äußern), dass man auf Basis eigeneer Überzeugungen und Erwartungen den Filmschaffenden Verhaltensmuster, Agendas oder Ideologien andichtet bzw. zuschreibt, nur weil ihre Herangehensweise nicht nicht der eigenen entspricht. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf...für einen selbst. Daraus entsteht dann wiederum dieses Bild eines konservativen-seine-eigenen-Grenzen-für-die-Allgemeinheit-absteckenden Meckerers und Ausgrenzers, weil er die offenere Auslegung anderer anprangert und gleichzeitig eigene evtl. Wut oder Enttäuschung in die Filmschaffenden selbst oder in Vorwürfe für, von einem selbst als Problem auserkorene Agendas, Ideologien usw. projiziert.

Ich bleibe außerdem bei meinem Standpunkt, dass ich der festen Überzeugung bin, dass gerade im Internet, wo Dinge eben hauptsächlich schriftlich kommuniziert werden, deine Art der Kritik an Filmen vermutlich immer wieder schnell zu Vorverurteilungen oder eben auch klar begründbaren Verurteilungen führen wird, weil du eben nicht jedes Mal so einen Roman als Erklärung hinterherschicken kannst, der deinen Standpunkt erläutert, während ich in dem Beispiel keinerlei Probleme habe meinen Standpunkt zu vermitteln, weil er niemanden ausgrenzt, da er maximal offen formuliert ist. Da besteht einfach rein auf dem Papier schon eine Dissonanz im Ton und in der Sache, die sich schlecht ohne längere Erklärungen wegdiskutieren lässt. Es ist eben aus meiner Perspektive, und meiner Überzeugung, erstmal ALLES möglich und dann schauen wir uns das Ergebnis an, dass man dann kritiseren kann. Und aus der anderen...kommen potenzielle Buhrufe gegen Personen die ohnehin schon eine geschichtlich vorgeprägte thematische Zündschnur mit sich tragen...da ist die Eskalation dann meist nicht weit.

Der für mich entscheidenste Punkt bleibt damit eben auch bestehen...jede von dieser, meist kurz formulierten, einzig auf z.B. den Hautton der Schauspielenden formulierten Äußerungen, kann oder wird potenziell zwangsläufig bei der betroffenen Person selbst oder anderen Personen, die im weiteren Sinne davon mitgemeint sein können (andere Schwarze Personen o. ebben auch “Empörte“, ich würde sagen Mitfühlende) zu einem Gefühl von Diskriminierung führen, weil der deeskalierende Kontext eben fehlt und ohne diesen, diese Aussagen als rein abwertend aufgrund von... … gelesen werden können.

Noch kurz zum Wie-veränderung-schaffen: Ich bin der Meinung das jede Form von Aktivität die auf dem Weg zum Ziel der gelebten Gleichberechtigung hilft, sinnvoll und wünschenswert ist. Ob das vorübergehende Quoten, am Ziel vorbeischießende Projekte mit einer zu deutlichen Agenda und zu wenig Fokus auf der Geschichte, plakative Formulierungen oder effektheischende Umbesetzungen sind oder ob es eben vielleicht eher als organischere, wahrgenommene Maßnahmen sind die das ganze mit mehr Substanz und Nachhaltigkeit über die Bühne bringen. Letzten Endes geht es immer darum Gehör für eine Sache zu schaffen, für die es Jahrhunderte lang zu wenig Zuhörende gab. Ein schleichender leiser vielleicht substanziellerer Wandel kann gerade in einer Showbusiness-Branche eben meist nur stattfinden wenn die Leute die was zu sagen haben, die meist aber eben auch in der Vergangenheit teil des Problems waren, die Möglichkeiten dafür schaffen. Wenn man also Hau-ruck-Maßnahmen braucht um Leute in Positionen zu hieven oder schlagartig viel Aufmerksamtkeit zu erhaschen, um die Massen mitzunehmen oder aufmerksam zu machen, dann würde ich das immer begrüßen. Letzten Endes hat man es ja immer selbst in der Hand wovon man sich angegriffen fühlt und wenn man sich von einer Sache angegriffen fühlt, die anderen Möglichkeiten bietet, aber einem selbst nicht schadet, dann liegt das Problem im Denken eben eher bei einem selbst, als bei den anderen. Es geht immer um den Empfänger und nicht um den Sender. Perspektivwechsel. Am Ende sollte eben die Gleichberechtigung stehen, der Weg dahin kann von mir aus auch holprig sein, hauptsache wir kommen an.

Wie auch immer, bin ich wirklich mehr als positiv überrascht und zufrieden wie zielführend sich diese Diskussion hier entwickelt hat (vorher auch schon mit DesertHunter24) und das es sich scheinbar lohnt den sachlichen Dialog zu suchen, wenn beide Seiten gewillt sind, die Gegenseite zu verstehen. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass wir diese Diskussion bis zu diesem Punkt so sauber über die Bühne gebracht haben und ich hoffe du kannst vielleicht von meiner Sichtweise für die Zukunft noch ein bisschen was mitnehmen, was deine Offenheit gegenüber Projekten/Dingen angeht, die nicht dem eigenen Erwartungshaltungsmanagment entsprechen, so wie ich mitnehme, dass eine Meinung die in meinen Augen nicht unbedingt bedingungslos welt- und menschenoffen erscheint trotzdem einen im Grunde guten Kern haben kann, der Dinge eben anders gewichtet.

@GPJ

Du hast auch viele gute Punkte bzw. Formulierungen zum Thema eingebracht, die ich unterschreiben würde.

@DrGonzo

...ich weiß wieder nicht, ob du alles vorher gewesene nicht gelesen hast oder wie du auf die Idee gekommen bist jetzt so einen Post hier “hinzurotzen“, aber ich würde dich bitten, dir die vorangegangen Posts nochmal durchzulesen. Es geht auch anders und das macht das Forum hier dann auch zu einer kleine Besonderheit für mich im Internet. Bei allem Bashing das auch hier mal stattfindet, gibt es eben auch sowas hier.

Ich habe nach den zwei Diskussionen jetzt gerade keine Energie mehr für noch eine...du kannst mir glauben, das kostet alle beteiligten unfassbar Kraft von zwei komplett konträren Ursprungspunkten irgendwie zueinander zu finden und ich hoffe du weißt diev“Arbeit“ hier irgendwie zu schätzen, liest deinen Beitrag vielleicht nochmal und überlegst, ob du das vorher aufgebaute nicht gleich wieder mit dem Hintern einreißt.

Danke!

- CINEAST -

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GPJ : : Moviejones-Fan
05.02.2026 11:29 Uhr
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DrGonzo, schade, dass Du die letzten zehn Beiträge gar nicht gelesen hast.

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GPJ : : Moviejones-Fan
05.02.2026 11:29 Uhr
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Dabei seit: 26.09.24 | Posts: 968 | Reviews: 4 | Hüte: 59

DrGonzo, schade, dass Du die letzten zehn Beiträge gar nicht gelesen hast.

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DrGonzo : : Drachenzähmer
05.02.2026 11:03 Uhr
1
Dabei seit: 02.12.10 | Posts: 3.210 | Reviews: 0 | Hüte: 144

Google sagt das hier: "Homer beschreibt Helena oft mit strahlender Haut und honigfarbenem Haar"
Damit sollten eigentlich zu dem Casting in the Odyssey alle Fehler geklärt sein. Sie ist einfach keine Helena. Wenn ein Charakter in einer Geschichte so genaue Merkmale bekommt, dann ist der Shitstorm halt vorprogrammiert wenn man so krass davon abweicht.

Gleiches Thema bei Severus Snape und der Harry Potter Serie.

Bitte in einem künftigen Projekt Ryan Gosling als Barack Obama casten. Dann schauen wir mal wie die reagieren die jetzt alle als Rassisten bezeichnen die von dem Helena Casting nicht begeistert sind.

Aber die Welt ist ja mittlerweile so, dass jeder alles sein kann - zumindest solange es den Minderheiten passt (siehe mein genanntes Beispiel mit Gosling als Obama).

"Fuck the kingsguard, fuck the city, fuck the king."

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