
Bewertung: 2.5 / 5
Endlich mal wieder ein Film über die gefeierte Autorin Jane Austen – oder doch nicht? Jane Austen und das Chaos in meinem Leben erscheint endlich im Heimkino und lässt sich zwar von Austen inspirieren, warum aber gerade Fans von Austen hier enttäuscht sein dürften, erfahrt ihr in unserer Kritik.
Jane Austen gilt als eine der wichtigsten Autorinnen der Literaturgeschichte. Mit Werken wie Stolz und Vorurteil oder Emma schuf sie Romane für die Ewigkeit. Der Film Jane Austen und das Chaos in meinem Leben setzt sich ebenfalls mit Jane Austen auseinander – allerdings nur in sehr entferntem Sinne. Die französisch-britische Koproduktion zieht zwar Inspiration aus Austens Werk, nutzt dieses am Ende aber eher als thematischen Aufhänger für eine ganz andere Geschichte.
Im Mittelpunkt steht Agathe, die in einer Buchhandlung arbeitet. So weit erst einmal unspektakulär. Doch Agathe kennt jedes Buch von Jane Austen, kann auf Knopfdruck über ihre Romane referieren und zieht viel Inspiration aus ihnen. Sie träumt davon, selbst einmal eine erfolgreiche Schriftstellerin zu werden, und hat sogar bereits mit einem eigenen Roman begonnen. Ohne ihr Wissen werden die ersten Kapitel von ihrem Freund Félix bei einem Wettbewerb eingereicht – und Agathe gewinnt. Der Preis: eine Einladung zur Jane Austen Writers Residency nach England, wo sie ihren Roman fertigstellen soll.
Doch kaum ist die Einladung da, gerät alles durcheinander. Félix küsst Agathe kurz vor ihrer Abreise und stürzt sie damit in ein emotionales Chaos. In England lernt sie dann auch noch Oliver kennen, einen weit entfernten Nachfahren Jane Austens, in den sie sich langsam verliebt. Ein klassisches Liebesdreieck nimmt seinen Lauf.
Damit ist Jane Austen und das Chaos in meinem Leben genau das, was er von Anfang an ist: eine romantische Komödie, die Jane Austen lediglich als thematischen Aufhänger benutzt. Zwar wird viel über Austen gesprochen, doch wirkliche Inspiration aus ihren feministischen, emanzipatorischen und gesellschaftskritischen Werken zieht der Film kaum. Vieles bleibt hier mehr Schein als Sein. Während sich hochintelligente Figuren über die Tiefe und Lyrik von Austens Texten austauschen, schafft es der Film selbst zu keiner Sekunde, diese Tiefe oder sprachliche Eleganz zu erreichen.
Stattdessen bleibt alles sehr oberflächlich und vorhersehbar. Camille Rutherford ist als Agathe durchaus sympathisch, und auch Charlie Anson macht als Oliver einen soliden Job. Doch aus den vielen Möglichkeiten, die diese Konstellation bieten würde, macht der Film am Ende nur das absolute Minimum. Ja, es gibt emotionale Momente, etwa rund um die ungeklärte Krankheit von Olivers Vater oder in der wirklich zuckersüßen letzten Einstellung des Films. Aber wenn das bereits die Highlights sind, wird es schwierig.
Der Film arbeitet zudem brav eine ganze Liste an Romcom-Klischees ab: das Liebesdreieck, der Freund, der plötzlich ebenfalls nach England reist und alles noch komplizierter macht, Missverständnisse, Herzschmerz. Das Finale kann davon zwar noch ein wenig abfedern, doch mehr als nett, okay und stellenweise niedlich wird es einfach nicht.
FAZIT
Wer also einen Film über Jane Austen oder ihre Bücher erwartet, wird hier enttäuscht sein. Gleiches gilt für alle, die auf ein ernsthaftes gesellschaftliches Drama über weibliche Selbstbestimmung, Misogynie oder Emanzipation hoffen. Jane Austen und das Chaos in meinem Leben ist eine durch und durch seichte Romcom. Wer genau das sucht, kann jedoch ruhig einen Blick riskieren.


